Onkologisches Forum Celle e. V.

01.0318: Bewegung schützt vor Folgen einer Hormontherapie
28.02.18: Training auch bei instabilen Knochenmetastasen?
23.02.18: Bewegungstherapien in die Regelversorgung?
25.02.18: Dem Krebs davonlaufen - mit Bewegungstherapie
20.02.17: Viel Bewegung senkt Risiko auch für Gebärmutterkörperkrebs
14.02.17: Verlust von Muskelmasse bei Chemotherapie verkürzt Lebenserwartung
12.12.16: Sport als Wunderpille
06.12.16: Bewegung nach Anleitung
15.08.16: Aktiv leben gegen Krebs
10.08.16: Bewegung kann Rückfallrisiko um zwei Drittel senken
17.02.16: Neue Studie belegt Wirkung von Sport
18.02.16: Dem Krebs davonlaufen?
06.11.15: Laufen war ein Stück Normalität
22.06.15: Reha lohnt sich bis zum Tod
März 2015: Sport ist gut
27.04.15: Sport: Aktiv gegen Krebs
09.03.15: Marathon in der Chemo: zurück ins Leben
06.01.15: Kraft und Ausdauertraining für Tumorpatienten
06.01.15: Sport während der Krebstherapie steigert das Wohlbefinden
20.08.14: Schonen war gestern
05.09.14: "Bewege dich - trotz Krebs!"
23.09.14: Sport hilft gegen Krebs
08.10.14: Duisburger ist dem Krebs davon gepaddelt
12.10.14: Bremen: Vereine erweitern ihr Sportangebot für Krebskranke

   

 

Training unter Radiotherapie auch bei instabilen Knochenmetastasen eine Option?

Aus Sorge vor Frakturen gelten instabile Knochenmetastasen bisher als Kontraindikation für ein onkologisches Bewegungstraining. Eine laufende Studie könnte hier ein Umdenken bewirken.

BERLIN. Generell gelte, dass Krebspatienten, die von ihrer Gesamtkonstitution her zu einem körperlichen Training in der Lage sind, dies auch tun sollten, sagte Dr. Tanja Sprave von der Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg beim 33. Deutschen Krebskongress in Berlin: "Es gibt zahlreiche Hinweise auf positive Effekte von Trainingsmaßnahmen bei Tumorpatienten auch unter Therapie."

Ein gewisses Fragezeichen gibt es bisher bei Patienten mit Knochenmetastasen. Sie liegen häufig im Bereich der Wirbelsäule, sodass Frakturen in diesem Bereich das Rückenmark gefährden könnten. Derzeitige Empfehlung sei deswegen, bei Patienten mit instabilen Knochenmetastasen von sportlicher Betätigung abzuraten, so Sprave.

Bei Patienten mit stabilen Knochenmetastasen dagegen habe die DISPO-Studie des Universitätsklinikums Heidelberg schon vor vier Jahren gezeigt, dass sportliche Betätigung segensreich ist. Sie führte konkret dazu, dass deutlich mehr Patienten auf schmerzlindernde Therapien ansprachen. Bei intensiver Wirbelsäulengymnastik zeigten in der Trainingsgruppe 48 Prozent der strahlentherapeutisch behandelten Patienten ein komplettes und 20 Prozent ein partielles Ansprechen auf die Schmerztherapie. In der Kontrollgruppe mit Entspannungstherapie – heiße Wickel – waren es nur 22 beziehungsweise 26 Prozent (BMC Cancer 2014; 14:485).

Angesichts dieser Erfolge wollen die Heidelberger die Wirbelsäulentherapie jetzt auch auf Patienten mit instabilen Metastasen ausdehnen – festgemacht am in der Strahlentherapie gängigen Taneichi-Score. Zur Vorbereitung haben sich die Ärzte in einer retrospektiven Analyse über 900 Patienten mit Wirbelsäulenmetastasen genauer angesehen. (BMC Cancer 2015; 15:745)

Ein Teil der Patienten nutzte wegen instabiler Metastasen zur Stabilisierung ein Korsett. "Wir konnten zeigen, dass es bei der Rate an pathologischen Frakturen keinen signifikanten Unterschied zwischen Patienten mit und ohne Korsett gab", so Sprave. Mit anderen Worten: Die Ruhigstellung bringt nichts.

So abgesichert wurde dann die DISPO-2-Studie aufgelegt, die derzeit rekrutiert. Jeweils 30 Patienten werden entweder konventionell ohne Bewegungstherapie versorgt oder erhalten fünfmal die Woche ein Wirbelsäulentraining – ohne Korsett.

Bisher seien die Erfahrungen positiv, so Sprave: "Das Training kommt bei den Patienten sehr gut an. Viele sind enttäuscht, wenn sie in die Kontrollgruppe gelost werden." Sprave geht davon aus, dass die Rekrutierung noch dieses Jahr abgeschlossen und Ergebnisse dann 2019 vorgelegt werden können: "Unser Ziel ist, die gängigen Empfehlungen zu hinterfragen."

(Ärzte Zeitung online, 28.02.2018, Philipp Grätzel von Grätz)

 

 

Bewegung schützt vor Folgen einer Hormontherapie

Immer mehr Menschen erhalten wegen Prostatakarzinom oder Brustkrebs langjährige Hormontherapien. Das hat Folgen für den Körper, denen aber durch gezieltes Training entgegengewirkt werden kann.

BERLIN. Patienten unter (Anti-)Hormontherapien waren mit die ersten Krebskranken, bei denen klinische Forscher die positiven Effekte von gezielten Trainingsprogrammen auch wissenschaftlich nachweisen konnten. Der "Klassiker" ist die sogenannte Fatigue, die Müdigkeit also, die einen Teil der mit Anti-Hormonen behandelten Patienten mit Prostatakarzinom befällt.

Hier gibt es eine ganze Bibliothek an Forschungsliteratur zu den Effektstärken unterschiedlichster Maßnahmen. Privatdozent Dr. Freerk Baumann von der AG Onkologische Bewegungsmedizin von Universitätsklinikum und Deutscher Sporthochschule in Köln berichtete beim Deutschen Krebskongress in Berlin über eine kürzlich publizierte Metaanalyse, in die 113 randomisierte Studien Eingang gefunden haben.

Weniger Fatigue und Arthralgien

Die Kernbotschaft: Mit Bewegungstherapie beziehungsweise allgemeiner mit Sport lässt sich die krebsassoziierte Müdigkeit hoch effektiv lindern. Dies gelte vor allem dann, wenn sie früh im Therapieverlauf begonnen werde, so Baumann: "Es ist schwieriger, eine Fatigue, die schon besteht, zu beseitigen. Bewegungstherapie und auch Psychoonkologie sind signifikant wirksamer als pharmazeutische Interventionen, und sie sollten als Firstline-Behandlung angesehen werden."

Effekte von Sport bei Hormontherapie:

» Mit Bewegungstherapie lässt sich die krebsassoziierte Müdigkeit bei Patienten mit Prostata-Ca, die eine Hormontherapie erhalten, hoch effektiv lindern.

» Ausdauer- plus Krafttraining verringert Aromatasehemmer-assoziierte Arthralgien bei Brustkrebspatientinnen im Vergleich zur Kontrollgruppe um knapp ein Drittel.

Bei den mit Aromatasehemmern (AI) in Langzeittherapie behandelten Brustkrebspatientinnen sind es unter anderem Gelenkschmerzen, die ein erhebliches Problem darstellen und Compliance gefährden. Hier gibt es zum Effekt von Trainingstherapien weniger Daten, aber einiges gibt es doch. Baumann zitierte eine randomisierte Studie mit 121 Frauen mit Arthralgien unter AI-Therapie. Eine recht intensive Bewegungsintervention mit 150 Minuten aerobem Ausdauertraining pro Woche plus zweimal die Woche intensivem Krafttraining über zwölf Monate verringerte die AI-assoziierten Arthralgien im Vergleich zur Kontrollgruppe um knapp ein Drittel. Dabei gelte es, geduldig zu bleiben, so Baumann. Anders als bei den Prostatapatienten mit Fatigue könnten hier schon mal neun Monate vergehen, bis die Effekte eindeutig sind.

Zurück zum Prostatakarzinom: Hier befassen sich Studien zunehmend mit den Effekten sporttherapeutischer Maßnahmen auch auf andere unerwünschte Folgen einer langjährigen Therapie mit Antihormonen, namentlich auf die für die Antihormontherapien typische Veränderung der Körperkomposition in Richtung einer Verringerung der fettfreien Körpermasse, auf die oft auftretende sexuelle Dysfunktion und auf den Verlust der Knochendichte.

Dass sich mit einem relativ intensiven Sportprogramm die Veränderung der Körperzusammensetzung bremsen beziehungsweise sogar partiell umkehren lässt, konnte bereits vor einigen Jahren gezeigt werden. Australische Sportmediziner haben 57 Patienten mit neuer antiandrogener Therapie randomisiert zu entweder Standardversorgung oder einem zwölfwöchigen Sportprogramm, das Ausdauertraining und Krafttraining umfasste. Die fettfreie Körpermasse nahm dadurch im Vergleich zur Kontrollgruppe um knapp ein Kilogramm zu, der Körperfettgehalt unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.

Die härteste Nuss für das Bewegungstraining bei Antihormontherapie ist der Abbau der Knochendichte. Hier gibt es mehrere Studien zu unterschiedlichen Bewegungsinterventionen, die keinen durchschlagenden Erfolg hatten. Was wahrscheinlich funktioniere seien Interventionen, die die Knochen biegen, so Baumann. Das Biegen setzt einen speziellen Reiz, der sich günstig auf das Knochenwachstum auswirkt.

Training erhält Knochendichte

Baumann berichtete über eine Studie, bei der Krankengymnastik, Kraft-/Ausdauertraining und Impact-Training bei Prostatapatienten unter Hormontherapie randomisiert verglichen wurden. Nur mit dem Impact-Training, nicht dagegen mit Kraft-/Ausdauertraining und schon gar nicht mit Krankengymnastik sei es gelungen, die Knochendichte über sechs Monate konstant zu halten.

Impact-Training ist ein relativ intensives Training mit "ruckartigen" Bewegungen, die die Knochen stark fordern. Nicht jeder ältere Mensch ist dafür allerdings geeignet. Typischerweise werden Sprungübungen durchgeführt, zum Beispiel Sprünge mit beiden Beinen über Hürden in unterschiedlicher Höhe. Seilspringen kann ebenfalls Teil eines Impact-Trainings sein. Und auch einige Ballsportarten, etwa Volleyball und Tennis, erzeugen ein ähnliches Belastungsmuster.

(Ärzte Zeitung online, 1.3.2018, Philipp Grätzel von Grätz)

 
 

Therapiebegleitende Sportprogramme auf dem Weg in die Regelversorgung?

Kommt in der Onkologie künftig das personalisierte Sportprogramm? Krebsexperten fordern, dass therapiebegleitendes Training zum Standard werden sollte – eng angebunden an die Versorgungsstrukturen.

Sport ist in jeder Lebenssituation hilfreich: Inzwischen gibt es in Deutschland über 1800 Krebssportgruppen.

Vierzig Jahre ist es her, dass in Deutschland die ersten, damals noch sehr kritisch beäugten Sportprojekte bei onkologischen Patienten gestartet wurden. "Inzwischen gibt es in Deutschland über 1800 Krebssportgruppen. Kein anderes Land hat körperliche Bewegung so umfangreich in der Nachsorge etabliert", sagte Privatdozent Dr. Freerk Baumann von der Arbeitsgruppe Onkologische Bewegungsmedizin vom Universitätsklinikum und der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Das breite Sportangebot in der (längerfristigen) Nachsorge ist aber nur eine Dimension der Bewegungstherapie bei Krebs. Zunehmend geht es auch um die "Akuttherapie", genauer die Begleitung der initialen Antitumortherapie durch ein systematisches Bewegungsprogramm unter professioneller Aufsicht. Dies geschieht vor allem mit Blick auf die Nebenwirkungen der Antitumortherapie: "Zahlreiche Studien haben die Effekte von Trainingsinterventionen mittlerweile belegt. Bewegungstherapie ist die wirksamste Methode zur Kontrolle medizinisch relevanter Nebenwirkungen in der Onkologie", so Baumann.

Wenn es um die Kontrolle von Nebenwirkungen geht, ist Training aber nicht gleich Training: "Es geht um eine personalisierte Bewegungstherapie mit ganz spezifischen Interventionen", erläuterte Baumann, der das am Beispiel der Polyneuropathie deutlich machte. Diese Neuropathie ist bekanntermaßen eine schwere, die Patienten stark beeinträchtigende Nebenwirkung, die unter anderem bei oxaliplatinhaltigen Chemotherapien auftritt. Bei Polyneuropathie-Patienten gebe es Wirksamkeitsevidenz für ein Vibrationstraining und für ein spezifisches sensomotorisches Training, nicht dagegen für konventionelles Kraft- und beziehungsweise oder Ausdauertraining, betonte der Sportmediziner.

Weil die Auswahl der Bewegungsintervention Vorwissen erfordere und weil es bei Patienten unter laufender Antitumortherapie natürlich auch die eine oder Kontraindikation für bestimmte Arten des Sports gebe, mache es Sinn, die Bewegungstherapie zumindest in der Akutphase eng an die onkologischen Versorgungsstrukturen anzubinden, betonte Professor Michael Hallek vom Centrum für Integrierte Onkologie am Universitätsklinikum Köln.

Das CIO ist hier Vorreiter in Deutschland. "Durch viel Eigenengagement, Stückarbeit und kleinteilige Finanzierungsversuche" wurde in Köln eine "onkologische Trainingstherapie" (OTT) direkt am Klinikum angesiedelt. Eine flächendeckende Versorgung mit derartigen Angeboten sei nur zu erreichen, wenn es eine Finanzierung im Rahmen der onkologischen Regelversorgung gebe, so Hallek. Eine Option sei dabei die Aufnahme der Sporttherapie in den Heilmittelkatalog, ähnlich wie bei der Physiotherapie.

(Ärzte Zeitung online, 23.02.2018, Philipp Grätzel von Grätz)

 

 

33. Krebskongress in Berlin

Dem Krebs davonlaufen - mit Bewegungstherapie

Mit gezieltem Training lassen sich die Nebenwirkungen von Tumortherapien bekämpfen.

„Wenn ich Turnschuhe auf Rezept verschreiben könnte, würde ich es tun“, sagt Michael Hallek. Denn der Direktor des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln/Bonn weiß, dass Krebspatienten die zellgiftigen Wirkstoffe einer Chemotherapie besser vertragen, wenn sie während der Behandlung ein gezieltes bewegungstherapeutisches Training absolvieren. „Das wirkt so gut, dass es ein Blockbuster würde, wenn es ein Medikament wäre“, sagt Hallek.

Sport verhindert Nebenwirkungen von Chemotherapien

Die Vorträge zu Sport und Bewegung bei Krebs weckten daher großes Interesse auf dem 33. Deutschen Krebskongress, der in der vergangenen Woche rund 10 000 Experten im Berliner CityCube versammelte.

Berichtet wurde etwa von Studien der Universität Freiburg, die belegen, dass es sich lohnt, regelmäßig zweimal in der Woche ein spezielles Übungsprogramm zu durchlaufen, um der gefürchteten Polyneuropathie zu begegnen – einer Nebenwirkung von Chemotherapien, die mit Kribbeln und Schmerzen an Händen und Füßen und einem eingeschränkten Tastsinn einhergeht. Gezielte Übungen zu Balance und Gleichgewicht, aber auch zur Feinmotorik und zur Koordination, können den Schmerzen und Empfindungsstörungen entgegenwirken, sagte der Sportwissenschaftler Freerk Baumann, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Onkologische Bewegungsmedizin am CIO und Gründer der „Nationalen Expertengruppe zu Bewegungstherapie und körperlicher Aktivität in der Onkologie“ der Deutschen Krebsgesellschaft.

Ähnlich gut funktionierte das in anderen Studien selbst bei hochbetagten Patienten. Auch die Therapie auf Vibrationsgeräten hilft offenbar.

Krafttraining lindert Folgen der Brustkrebsbehandlung

Die Studien, die inzwischen vorliegen, sind besonders aussagekräftig, weil in ihnen die Kontrollgruppen ebenfalls sportlich aktiv waren: Alle Studienteilnehmer trainierten nämlich Ausdauer und Kraft. „Das allerdings wirkt nicht auf die Polyneuropathie“, berichtete Baumann. Die Betroffenen brauchen also ein maßgeschneidertes, sportwissenschaftlich fundiertes Zusatzprogramm. Man befinde sich hier schon auf dem Weg in die Präzisionsmedizin, so Baumann. Möglicherweise kann durch ein frühzeitiges Training den Empfindungsstörungen sogar vorgebeugt werden. In einer gemeinsamen Studie von Uniklinik Köln und Deutscher Sporthochschule Köln wird dazu jetzt weiter geforscht – mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe.

Dass ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining gegen Gelenkschmerzen hilft, die bei Frauen mit Brustkrebs durch die antihormonelle Langzeitbehandlung mit Aromatase-Hemmern entstehen können, hat im Jahr 2016 die Hope-Studie gezeigt. Andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass selbst Brustkrebspatientinnen, bei denen sich nach der Entfernung von Lymphknoten in einem Arm ein Lymphödem gebildet hat, keine Sorge haben müssen, wenn sie Krafttraining machen. Eine der Untersuchungen legt sogar nahe, dass sich weniger Flüssigkeit staut, wenn die Frauen ihre Arme mit Gewichten trainieren.

„Bewegung ist auch das geeignetste Mittel, um das Fatigue-Syndrom zu reduzieren“, berichtete Baumann. Hinter diesem Begriff verstecken sich starke, für die Betroffenen oft unerklärliche, sehr belastende Erschöpfungszustände während und nach der Behandlung. Bei Fatigue ist es allerdings besonders schwer, sich zum Trainieren aufzuraffen.

Schonen und im Bett bleiben? Kontraproduktiv!

Der wichtigste Motivationsschub kommt den Daten zufolge von den behandelnden Ärzten. Sie sind es, die den Krebspatienten ein Gefühl der Sicherheit vermitteln können und den vermeintlich „guten Ratschlägen“ entgegentreten, im Bett zu bleiben und sich zu schonen. Inzwischen hält das Thema Bewegung auch in die Behandlungsleitlinien Einzug, etwa im Bereich Brustkrebs.

Ein auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenes Sportprogramm wirkt sich offenbar nicht nur dann positiv auf den Krankheitsverlauf aus, wenn es während der Chemotherapie, der Reha und danach durchgeführt wird, sondern auch, wenn man schon vor der Behandlung damit beginnt („Prä-Rehabilitation“).

Bislang gehören Patienten der Kölner Uniklinik aber zu den wenigen, die aufgrund der Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln in den Genuss individueller Bewegungstherapien kommen. Standard ist das in deutschen Krebskliniken noch nicht und wird von den Kassen auch meist nicht übernommen. Dabei zeigen mehrere Studien, dass ein „bewegtes“ Leben auch ein längeres Leben ist – zumindest im statistischen Mittel und bei einige Krebsformen: In einer Auswertung von 16 Studien fand sich für Menschen mit Brust- oder Darmkrebs, die in der Woche mindestens zweieinhalb Stunden in körperlich etwas anstrengender Form aktiv waren, eine Verringerung des Sterberisikos um 24 Prozent.

Am wichtigsten aber ist wohl der psychologische Effekt, mit Bewegung dem Schock der Diagnose und den Widrigkeiten der nachfolgenden Behandlung trotzen und Vertrauen in den eigenen Körper und seine Leistungsfähigkeit behalten zu können. „Man spürt, dass man Kraft behalten kann und sie nicht nur verliert“, sagt Hallek.

(Der Tagesspiegel, 25.2.18, Adelheid Müller-Lissner)

 

 

Viel Bewegung senkt Risiko für Gebärmutterkörperkrebs

Was bei vielen Krebsarten schon länger bekannt ist, gilt offenbar auch für Gebärmutterkörperkrebs: Sportliche Betätigung senkt das Erkrankungsrisiko.

Körperliche Bewegung ist, da sind sich Experten inzwischen einig, eine gute Möglichkeit, Krebserkrankungen vorzubeugen. Und so kommt ein neuer Artikel in der Fachzeitschrift International Journal of Cancer nicht überraschend, in dem berichtet wird, dass in einer Studie Frauen, die Sport trieben, ein geringeres Risiko für Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) hatten.

In dieser Studie werteten die Forscher die Daten von 52.370 Frauen aus dem norwegischen Krebsregister aus, von denen 687 an Gebärmutterkörperkrebs erkrankten. Die Frauen waren über mehrere Jahre u.a. wiederholt zu ihren körperlichen Aktivitäten befragt worden. Der Zusammenhang, der sich darstellte, war eindeutig: Je weniger Sport die Frauen trieben, desto höher war ihr Risiko, an Gebärmutterkörperkrebs zu erkranken. Dies galt unabhängig davon, ob die Frauen laut Body Mass Index (BMI) unter-, normal- oder übergewichtig waren. Im Vergleich zum Durchschnitt an täglicher Bewegung hatten Frauen, die sich am wenigsten bewegten, ein um 60 Prozent höheres Risiko für ein Endometriumkarzinom, diejenigen, die sich am meisten bewegten, ein um 27 Prozent geringeres. 

Die Forscher errechneten auf der Grundlage ihrer Daten, dass rund ein Fünftel aller Fälle von Gebärmutterkörperkrebs vermieden werden könnten, wenn Frauen, die sich körperlich nur wenig bewegten, ihr Aktivitätsniveau steigern würden. 

Quelle: Borch, K. B. et al.: Physical activity and risk of endometrial cancer in the Norwegian Women and Cancer (NOWAC) study. International Journal of Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 6. Februar 2017, DOI: 10.1002/ijc.30610

(Onko Internetportal, 20.2.17, Katrin von Kieseritzky)

 

 

Verlust von Muskelmasse bei Chemotherapie verkürzt Lebenserwartung

Überlebenschancen können durch gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung erhöht werden.

Wien. Eine aktuelle Studie des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH hat ergeben, dass ein starker Verlust an Muskelmasse (Sarkopenie) im Rahmen einer Chemotherapie bei Speiseröhrenkrebs die Lebenserwartung von Patienten durchschnittlich um 32 Monate verkürzt. Das teilte die MedUni Wien am Dienstag in einer Aussendung mit.

Speiseröhrenkrebs ist die achthäufigste Krebserkrankung in Österreich. Patienten, bei denen der Tumor zwar fortgeschritten, aber noch nicht metastasiert ist, wird vor einer Operation eine Behandlung mittels Chemotherapie bzw. eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie empfohlen. Als Nebenerscheinung kann es allerdings zu Sarkopenie, also dem starken Verlust von Muskelmasse, kommen. Laut der Studie des CCC bedeutet das eine deutlich verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu Patienten ohne Sarkopenie.

420 Personen erkranken in Österreich jährlich an Speiseröhren-Krebs, wobei die Häufigkeit steigt, ergab eine Erhebung der Statistik Austria. Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum aber auch eine Refluxerkrankung, die eine Zellveränderung in der unteren Speiseröhre verursacht, gehören zu den Risikofaktoren, welche das Entstehen eines solchen Karzinoms begünstigen können. In einer weiteren Studie soll nun erforscht werden, ob eine Kombination aus Ernährungsberatung und physischem Training, die Überlebenschancen von Sarkopenie-Erkrankten erhöhen könnte. "Sarkopenie ist nicht unbedingt eine Nebenwirkung der Chemotherapie. (...) Die Gründe für diesen Verlust der generellen Muskelmasse sind schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung", fügte Matthias Paireder von der Universitätsklinik für Chirurgie in der Presseaussendung hinzu.

(Wiener Zeitung, 14.2.17, APA)

 

 

Schwäbisch Hall

Sport als Wunderpille bei Krebs

Den Körper stählen, besser bei Frauen landen, ästhetischer wirken: Das waren für Lorenz Gaissmaier Gründe genug, regelmäßig im Fitnessstudio Gewichte zu stemmen – zumindest noch vor eineinhalb Jahren. Der 23-Jährige hat gegen eine tödliche Krankheit gekämpft und gewonnen. Das er wieder auf den Beinen steht, verdanke er neben der Medizin vor allem dem Sport.

Um den Effekt von Bewegung auf Krebs geht es beim Aktionstag, zu dem das Diak am Samstag ins Rathaus eingeladen hat. Rund 50 Besucher kommen in den Ratsaal. Musikalisch umrahmt wird der Vormittag vom Bläserquartett von Richard Beißer, der selbst eine schwere Krebserkrankung hinter sich hat.

„Das ist ein Thema, das uns an den Rand bringt“, meint Pfarrer Hans-Joachim Lenke, Vorstandsvorsitzender des Diaks. Eine Krebs-Diagnose treffe die Patienten hart. Man verbinde Leid, Schmerzen und Tod damit. Familie, Freunde und ein Netzwerk seien wichtig, aber auch die Betreuung durch Experten.

Langes Sitzen erhöht Risiko

Zu diesen gehören die Referenten im Rathaus. Ihr Credo: Jede körperliche Aktivität hilft. Große Studien hätten gezeigt, so Professor Dr. Markus Golling, dass das Risiko durch Krebs zu versterben höher ist, wenn man sich wenig bewegt, etwa in einem Bürojob. Man könne langes Sitzen durch Sport kompensieren, so der Chef­arzt der Chirurgischen Klinik sowie Vorstandsvorsitzender des Krebsvereins. Etwa 472 000 Menschen erkrankten jährlich an Krebs. Für 220 000 von ihnen ende er tödlich.

Allerdings ließe sich nicht bei jedem Krebs das Risiko senken. „Bei Brustkrebs kann man als Frau nicht viel machen“, so Golling.  Dr. Thomas Geer, Chefarzt der Inneren Medizin. Er ergänzt, dass auch bei einem Tumor im Hoden oder in den Eierstöcken keine Effekte durch Sport nachgewiesen sind. Bei den meisten anderen Karzinomen, etwa im Dickdarm, sei das anders.

Allerdings sei Leistungssport nicht als Prophylaxe geeignet. Der Körper entwickle sich bei richtiger Belastung weiter, baue aber bei fehlender Belastung ab und schädige sich bei zu hoher Belastung, erklärt Geer. Auch lebe der „weekend exerciser“ nicht unbedingt gesünder. Er verursache vielmehr „akuten, zeitlimitierten Trainingsstress“. Geer empfiehlt regelmäßiges, leichtes Training, auch zwischen Chemotherapien. Überholt sei die Vorstellung, man dürfe Krebskranke keiner Belastung aussetzen. „Das gilt nur bei akutem Krankheitszustand.“

Rund 11 000 Männer sterben

Weitere Zahlen nennt Dr. Bernhard Brehmer, Chefarzt der Urologischen Klinik. Jährlich erkrankten 60 000 Männer an Prostatakrebs. „Leider können wir nicht jeden retten.“ Rund 11 000 sterben. Regelmäßige Bewegung senke das Risiko um bis zu 30 Prozent. 30 Minuten an fünf Tagen die Woche reichten aus. Er empfiehlt, häufiger Treppe statt Aufzug zu wählen.

Mehr Bewegung fordert auch der Sportmediziner Dr. Imanuel Gieck. Er nennt die Berechnung nach der metabolischen Äquivalente (MET). Joggen sei am effektivsten, bringe 11 MET. Der Wochensoll von 21 MET lasse sich allerdings auch mit sieben Spaziergängen zu je einer Stunde erreichen. Hausarbeit bringe zudem 3,5 MET. Für Gieck ist Sport eine „präventive Wunderpille“.

Diagnose: Leukämie

Die half wohl auch dem passionierten Sportler Lorenz Gaissmaier. Im Sommer 2015 kam er mit Grippesymptomen aus dem Vietnam-Urlaub ins Diak. Die Ärzte stellten eine akute lymphatische Leukämie fest, die in vielen Fällen tödlich endet. „Ich habe meine Gedanken Richtung Universum geschickt: Warum ich? Warum die Krankheit Krebs?“ Der junge Haller habe sich stets gesund ernährt, Sport getrieben, auf seinen Körper geachtet.

Plötzlich fand er sich nicht mehr in seiner Einzimmerwohnung in Hall, sondern in einem Zweibettzimmer im Diak wieder. Ohne Privatsphäre, ohne Abwechslung – in einem tristen Klinikalltag. „Ich wurde dünner, habe Muskeln abgebaut.“ Kurz darauf habe er schlagartig 30 Kilo zugenommen.

Mit Gymnastikball, Rückenroll und Yogamatte fand er zurück zum Sport. Er wollte wieder Routine, Glücksgefühle und auch den Schmerz. Dem 23-Jährigen brachte die Bewegung nicht nur die gewünschte Ablenkung, sondern auch mentale Fitness. „Nachdem ich am Boden lag, wollte ich die Treppe wieder hoch“, sagt der 23-Jährige. Und er hat es geschafft. Sein Ziel ist nun ein Psychologiestudium in Konstanz. Er ist bereits eingeschrieben.

Kursangebote bei der TSG Schwäbisch Hall

Wer an Krebs leidet, kann sich von seinem Arzt Sporttherapien verschreiben lassen. „In der Regel werden 50 Einheiten von der Kasse bezahlt, die Sie in eineinhalb Jahren leisten können“, sagt Tanja Schmid von der TSG Schwäbisch Hall. Der größte Haller Sportverein kooperiert mit Ärzten und Krebsverein. Mehre Reha-Kurse werden bei Diabetes, Gefäß- und Herzkrankheiten sowie orthopädischen Problemen angeboten. „Die Therapeuten sind zertifiziert. Die Kurse werden von einem Arzt betreut.“ Teilnehmen könne jeder. Zu den Angeboten gehörten Stunden im Sitzen, Stehen und Gehen sowie Übungen auf dem Boden. Vor allem ältere Patienten nutzten das Angebot. „Wir sind noch am Anfang und wollen auch Angebote für Jüngere schaffen“, so Schmid.

(Haller Tageblatt, 12.12.16, Thumilan Selvakumaran)

 

 

Bewegung nach Anleitung

Ein spezielles Trainingsprogramm kann Krebspatienten dazu anleiten, sich trotz ihrer Krankheit körperlich zu bewegen und dadurch ihre Fitness und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Die Zeit der Ratschläge, sich nach einer Krebserkrankung grundsätzlich körperlich zu schonen, ist lange vorbei: Körperliche Bewegung wird bei zahlreichen Krebserkrankungen mit besseren Prognosen und verbesserter Lebensqualität in Verbindung gebracht. US-amerikanische Wissenschaftler berichteten jetzt in der Fachzeitschrift Cancer über die Erfolge, die mit einem speziell für Krebspatienten entwickelten Trainingsprogramm erzielt werden können.

Das LIVESTRONG-YMCA-Übungsprogramm, in dem die Patienten zur Bewegung angeleitet werden, dauert zwölf Wochen und umfasst zweimal wöchentlich stattfindende Einheiten. 186 Teilnehmer konnten für die Studie gewonnen werden – 95 nahmen an dem Sportprogramm teil, die übrigen 91 wurden als Kontrollgruppe in der sonst üblichen Weise betreut. Die Mehrheit der Patienten litt an einer Krebserkrankung im Stadium I oder II, etwas mehr als die Hälfte waren Brustkrebspatientinnen.

Infolge der angeleiteten Bewegung kam es in einigen Parametern zu Verbesserungen: 71 Prozent der Patienten der Bewegungsgruppe trieben mindestens zweieinhalb Stunden pro Woche Sport, in der Kontrollgruppe war es nur ein Viertel. Die Sportpatienten schnitten im Sechs-Minuten-Gehtest besser ab – die Differenz betrug im Schnitt fast 30 Meter -, zudem war ihre selbst empfundene Lebensqualität besser. Nachteilige Effekte infolge der sportlichen Betätigung waren nicht festzustellen.

Nach Ansicht der Studienautoren könne ein solches Bewegungsprogramm wie LIVESTRONG Krebspatienten helfen, ihre Fitness und damit ihr körperliches wie seelisches Befinden und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Quelle: Irwin, M. L. et al.: Effect of the LIVESTRONG at the YMCA exercise program on physical activity, fitness, quality of life, and fatigue in cancer survivors. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 28. November 2016, DOI: 10.1002/cncr.30456

(Onko-Internetportal, 6.12.16)

 

 

Aktiv leben gegen Krebs

Das Drei-Säulen-Prinzip

Auch nach einer erfolgreichen Tumorbehandlung leiden viele Menschen weiter an anhaltenden Beschwerden. Probleme mit Essen und Verdauung, Mattigkeit und Depressionen machen ihnen oft noch jahrelang zu schaffen. Studien zufolge hilft die sogenannte optimierte Krebstherapie aus diesem Teufelskreis heraus.

Als Michael Schoenberg vor 45 Jahren sein Medizinstudium begann, war die Diagnose »Krebs« meistens noch ein Todesurteil. Die Überlebensraten der verschiedenen Erkrankungen unterscheiden sich auch heute noch erheblich, je nachdem, wo und an welchem Tumor man erkrankt. 

Insgesamt haben sich in Deutschland die Prognosen aber deutlich verbessert. Neueste Statistiken gehen von einer Gesamtüberlebensrate von 68 Prozent für Krebspatienten aus. In den 1980er-Jahren lag sie für Frauen bei etwa 50 und für Männer sogar unter 40 Prozent.

Schoenberg – nach eigener Aussage ein klassischer Schulmediziner vom Scheitel bis zur Sohle – war 17 Jahre lang Chefarzt der chirurgischen Abteilung und ärztlicher Direktor am Rotkreuzklinikum in München. Heute berät und begleitet er Patienten nach dem Konzept der sogenannten optimierten Krebstherapie in seiner Münchner Praxis im Elisenhof – zusammen mit einer Ernährungswissenschaftlerin und einer Psychoonkologin. »Meinen Weckruf hatte ich auf einer Jahrestagung des Arbeitskreises der Pankreatektomierten«, so der Arzt, der in seiner aktiven Zeit als Chirurg viele Bauchspeicheldrüsen-Operationen durchführte. »Auf der Tagung ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, dass die Patienten nachträglich Probleme haben, mit denen sie sich alleine gelassen fühlen.« Permanente Müdigkeit, die sich auch durch viel Schlaf nicht bessere, eine verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und die Schwierigkeit, sich je nach Tumorart richtig und ausreichend zu ernähren, setze bei vielen Patienten eine Negativspirale in Gang, die Angstzustände und Depressionen nach sich ziehe und die Lebensqualität erheblich mindere, so Schoenberg.

Auf der Suche nach Maßnahmen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, verglich der Arzt Hunderte wissenschaftliche Untersuchungen zu Prävention und Überlebensraten von Krebs – Beobachtungs- und prospektive Studien ebenso wie große Metaanalysen. Und obwohl die Ergebnisse je nach Tumorart variierten, durchzog die Daten ein gemeinsamer roter Faden: Körperliche Aktivität, eine gesunde Ernährung und psychische Stabilität wirken nicht nur präventiv vor Krebserkrankungen. Die konsequente Umstellung auf einen gesunden Lebensstil beeinflusst auch bei bereits Erkrankten die Verträglichkeit der Therapie und verbessert Prognose und Lebensqualität deutlich. Die sogenannte optimierte Krebstherapie, über die Schoenberg jetzt ein Buch geschrieben hat, umfasst daher die drei Säulen Bewegung, Ernährung und psychoonkologische Begleitung. »Anhand wissenschaftlicher Daten will ich nicht nur mit Mythen, Gerüchten und falschen Versprechungen aufräumen, sondern will den Patienten praxisnah zeigen, wie sie durch ihre aktive Mitarbeit Therapie und Gesundheit optimieren können«, sagt der Arzt.

Dem Krebs davonlaufen

Die meisten großen Studien gibt es zu den häufigsten Krebserkrankungen von Brust, Prostata und Darm. Speziell der Zusammenhang von sportlicher Aktivität und Krebsprävention ist gut dokumentiert. Dabei reicht offensichtlich ein moderates, aber kontinuierliches Training von etwa dreimal einer Stunde pro Woche aus, um Krebserkrankungen vorzubeugen. Schoenberg ging es aber vor allem um die bereits erkrankten Menschen und die drängende Frage: Was kann man zusätzlich zu Operation, Chemo- und Strahlentherapie noch tun, um den Krebs zu überwinden? »Die drei Säulen erfordern zwar die aktive Mitarbeit des Patienten, aber nach einer anstrengenden Therapie nimmt man das »Heft wieder selbst in die Hand« und bekommt so auch wieder Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und die seines Körpers«, so der Arzt.

Kein Zweifel: Sport und Bewegung verringern die Rezidivrate, verbessern die Überlebenschancen, und noch während einer Chemo- oder Strahlentherapie hebt sich nachweislich die Stimmungslage. Auch Ärzte und Fachgesellschaften wissen das und empfehlen den Patienten einen körperlich aktiven Lebensstil. Und doch sinkt das Aktivitätsniveau von Tumorpatienten nach der Diagnose Studien zufolge deutlich ab. Nur zwischen 20 und 40 Prozent der Betroffenen sind ausreichend körperlich aktiv und versuchen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten fit zu halten.

Dabei muss es gar nicht Joggen, Schwimmen oder Radfahren sein – Gartenarbeit tut es auch. Um verschiedene körperliche Aktivitäten miteinander zu vergleichen, wurde im Jahr 2000 die Einheit MET festgelegt (Metabolisches Äquivalent oder engl.: metabolic equivalent task). Ein MET entspricht der Energie und dem Sauerstoffumsatz pro Kilogramm Körpergewicht, die man benötigt, wenn man eine Stunde (MET-h) ruhig auf einem Stuhl sitzt. Um beispielsweise 9 MET-h wöchentlich zu erreichen – das entspricht der empfohlenen moderaten körperlichen Aktivität zur Krebsprävention – reichen auch eine Stunde Gartenarbeit in der Woche aus und dazu dreimal 30 Minuten Gehen. »Man muss den Patienten etwas anbieten, was sie mögen. Das gilt für Sport und Bewegung, aber zum Beispiel auch beim Essen. Wenn man Brokkoli nicht mag, hat es keinen Zweck zu sagen: Iss ihn«, so die Erfahrungen von Schoenberg.

Immer diese Mattigkeit

Körperliche Aktivität ist – neben der Psychoonkologie – auch eine der wichtigsten Säulen bei der weitverbreiteten krebsinduzierten Fatigue. Schätzungsweise 60 bis 80 Prozent der Tumor-Patienten leiden während der Primärtherapie, oft aber auch noch Monate später, unter Symptomen wie Mattigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen – allgemein dem Gefühl, nicht mehr zu »funktionieren«. Die Betroffenen sind antriebslos, schlecht zu motivieren und erscheinen depressiv. Wegen der Ähnlichkeit der Beschwerden zur Depression behandelten Forscher Fatigue-Patienten mit Antidepressiva – allerdings bisher ohne messbare Erfolge.

Einer holländischen Studie zufolge klagten zum Zeitpunkt der Diagnose 40 Prozent der Patienten über Fatigue. Unter Chemotherapie waren es 80, während der Strahlentherapie 90 Prozent. 52 Prozent der Betroffenen empfanden dabei die Fatigue-Symptome als quälender und belastender als Schmerzen. Ärzten sind die gravierenden Folgen von Fatigue häufig nicht bewusst.

Der Wissenschaftler Timothy Puetz fasste die Ergebnisse von sieben Studien mit insgesamt 4900 Krebspatienten zusammen und fand heraus, dass moderate körperliche Betätigung die Fatigue-Symptome um über 60 Prozent im Vergleich zu inaktiven Patienten reduzierte. Je früher mit dem Training begonnen wurde, desto besser. In anderen Studien kam der Sport im Vergleich zu verhaltenstherapeutischen Maßnahmen im Rahmen einer psychoonkologischen Betreuung etwas weniger gut weg.

Muss ich zum »Psychoklempner«?

Patienten haben im Rahmen des 2008 vom Bundesministerium für Gesundheit aufgestellten nationalen Krebsplans bei Bedarf Anspruch auf eine »angemessene psychoonkologische Versorgung«. 2014 wurde die S3-Leitlinie Psychoonkologie veröffentlicht. Sie beinhaltet Empfehlungen zur Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten und dient als Leitfaden für die Arbeit in Kliniken und im ambulanten Bereich. 

Von der Diagnose über die Therapie bis hin zum Wiedereinstieg in Job und Alltag soll sie Patienten und Angehörigen helfen, mit ihren Problemen besser umzugehen. Der Psychoonkologe kann auch helfen, eine Tumor-Fatigue von einer möglichen Depression abzugrenzen.

Studien belegen, dass eine psychoonkologische Begleitung grundsätzlich positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen hat. Etwa ein Drittel der Patienten äußert den Wunsch nach psychosozialer Unterstützung. Sich Hilfe zu suchen und anzunehmen sei ein wichtiger Aspekt, wenn es um psychische Widerstandsfähigkeit gehe, sagt Diplom-Psychologin und Psychoonkologin Franziska Neufeld.

Keine guten Studien gebe es allerdings, die zeigen, dass eine sogenannte Krebsdiät die Krankheitsprognose verbessere, so Schoenberg. Immer wieder diskutiert wird beispielsweise die ketogene Diät, bei der weitgehend auf Kohlenhydrate, vor allem auf Zucker verzichtet wird. Durch den niedrigen Zuckergehalt in der Ernährung werde der Stoffwechsel der Krebszelle nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt und das Krebswachstum gehemmt, so die Forscher. Tatsächlich zeigen verschiedene klinische Studien, dass diese Diät von Krebspatienten gut vertragen wird. Der Beleg, dass sie das Tumorwachstum hemmt, steht aber noch aus. Bis dahin raten Experten der Deutschen Krebsgesellschaft davon ab.

Eine Krebsdiät gibt es nicht

»Ich denke, es darf bezweifelt werden, dass es eine Krebsdiät gibt, die pauschal auf alle Patienten und alle unterschiedlichen Krebserkrankungen übertragen werden kann, da jeder Mensch unterschiedlich verstoffwechselt«, so Schoenberg. Individuell unterschiedliche Beschwerden wie Appetitlosigkeit und verändertes Geschmacksempfinden, Kau- und Schluckbeschwerden, Durchfall und Verstopfung, Über- oder Untergewicht während und nach der Therapie erforderten vielmehr eine individuelle Ernährungstherapie. Speziell auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, die Gewichtsstabilisierung und Erhaltung der Lebensqualität müsse man achten. Empfehlenswert sei eine Diät, die landläufig als »mediterran« bezeichnet werde: mit frischem Gemüse und Obst, wenig rotem Fleisch, Vollkornprodukten und dem Verzicht auf sogenanntes prozessiertes Essen, das durch Verarbeitungsprozesse an Nährstoffen verloren hat und durch künstliche Zusatzstoffe »optimiert« wurde. »Große Beobachtungsstudien legen nahe, dass diese Ernährungsempfehlungen das Wiederauftreten eines gerade überwundenen Tumors vermeiden und die Entstehung eines Zweittumors verhindern helfen«, so Schoenberg. Außerdem fördern sie den Genuss – und damit auch die Lebensqualität. /

Michael H. Schoenberg: Aktiv leben gegen Krebs. Heilungschancen und Lebensqualität verbessern durch Bewegung,Ernährung und eine stabile Psyche.354 Seiten, gebunden. Piper-Verlag 2016. ISBN: 978-3-492-05738-7. EUR 22.

(Pharmazeutische Zeitung 33/2016, 15.8.16, Ulrike Abel-Wanek)

 

 

 

Bewegung nach Krebs kann Rückfallrisiko um bis zu 67% senken

Krebsspezialist bekräftigt vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse aus 15-jähriger Forschungsarbeit: Patienten können ihre Prognose nach einer Krebserkrankung selbst positiv beeinflussen.

Endlich gibt es für Patienten einen einfach zu verstehenden Weg, nach einer Krebstherapie selbst etwas zu tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen: durch ein eigenes, in den Alltag integrierbares Bewegungsprogramm.

„Internationale Langzeitstudien haben gezeigt, dass körperliche Aktivitäten das Risiko von Krebsru?ckfällen bis zu 67% senken kann“, so Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Sozialmedizin.

Die Erkenntnisse seiner eigenen 20 Jahre andauernden Forschungsarbeit hat er bereits auf zahlreichen nationalen und internationalen Fachkongressen präsentiert und möchte diese nun auch der breiten Öffentlichkeit, und speziell den betroffenen Krebspatienten, zugänglich machen. Aus seiner Sicht haben sich die Möglichkeiten in der Krebsnachbehandlung sowie die Rahmenbedingungen für Prävention in den letzten 10 Jahren grundlegend verbessert.

Dazu veröffentlicht Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann auf einem eigens eingerichteten YouTube-Kanal ein erstes Video, in dem er seine wissenschaftlich evaluierten Hintergründe, vor allem für Patienten, kurz und verständlich erläutert.

Hintergrund

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann hat sich schon seit seinem Studium an den Universitäten in Regensburg, Würzburg und der Mayo Clinic in Rochester, MN, USA intensiv mit dem Thema Krebsentstehung und Krebsprävention auseinandergesetzt und in eigenen Projekten die Auswirkungen von Bewegung auf den menschlichen Körper erforscht.

Als Chefarzt an der Asklepios Fachklinik für Onkologie, Anschlussrehabilitation und Rehabilitation in Triberg/Schwarzwald integriert Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Widmann eigene wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen mit denen internationaler Forschergruppen in ein eigenständiges Therapie- und Bewegungskonzept. Es baut auf der Kern-Erkenntnis auf, dass durch ein regelmäßiges Bewegungsprogramm eine Aussicht für Patienten besteht, das Krebsrückfallrisiko signifikant zu senken. Dabei gilt der Grundsatz: „Etwas Bewegung senkt das Krebsrückfallrisiko etwas und etwas mehr Bewegung senkt das Krebsrückfallrisiko auch mehr. Eine Anleitung zu einem solchen Bewegungsprogramm erhalten Patienten während eines Aufenthaltes in der Klinik.

(inar.de, 10.8.16, Rittweger)

 

 

Neue Untersuchung

So hilft Sport im Kampf gegen den Krebs

Menschen mit Krebs sollen am besten sofort nach der Diagnose mit Sport beginnen. Eine Studie zeigt: Intensive Bewegung kann das Tumorwachstum bremsen. Ein Krankenkassen-Programm sammelt Erfahrungen.

Die Diagnose Krebs ist im Leben jedes Betroffenen ein Einschnitt. Ab sofort ist der Alltag ein anderer – und er ist meist deutlich eingeschränkt. Viele sind unendlich müde und kraftlos oder haben Angst. Mit Bewegung und Sport können sie diese Probleme in Angriff nehmen – davon sind Experten überzeugt. "So können Patienten aus ihrer Passivität und Schockstarre geholt werden", ist Professor Martin Halle von der Technischen Universität München überzeugt. Dabei gehe es nicht um Fußballspielen oder Höchstleistungen, sondern um eine speziell auf den Patienten abgestimmte Sporttherapie. Die soll dem Krebspatienten nicht nach der Therapie, in einer Reha, verordnet werden, sondern schon zu Beginn – wenn der Erkrankte seine Diagnose bekommt. "Der Patient soll wissen, dass er seine Krankheit auch in der Hand hat und dafür verantwortlich ist, dass seine Therapie optimal wirkt", erklärt Halle. Nur ein wirklich fitter Patient könne die Chemotherapie tolerieren, seine Prognose sei besser.

Im Klinikum rechts der Isar ist die Sporttherapie auf Rezept bei den drei häufigsten Krebsarten an Lunge, Darm und Prostata bereits Teil der Behandlung – genauso wie eine psychische Betreuung oder Ernährungsmedizin. Jetzt startet die Techniker Krankenkasse (TK) ein Programm, damit Patienten davon bundesweit profitieren. Im zweiten Quartal diesen Jahres sollen Krebskranke überall in Deutschland über ein telemedizinisches Modell an einem Programm teilnehmen können. Mit dem Modell hat die TK bereits Erfahrungen bei Diabetes und Koronarer Herzkrankheit gesammelt, von denen die Krebs-Patienten dann profitieren sollen.

Telemedizin bringt Sporttherapie nach Hause

Beim derzeit für Münchner verfügbaren Therapiekonzept vor Ort kommen die Patienten dreimal in der Woche zum angeleiteten Training in ein Rehazentrum. Später wird weniger angeleitet und zusätzlich eigenständig trainiert. Nach einer Zwischenbilanz nach zwölf Wochen wird das eigenständige Training auf viermal pro Woche gesteigert und der "Sportler" nur noch einmal pro Woche betreut.

Wenn das Programm im zweiten Quartal um den telemedizinischen Aspekt erweitert wird, sollen Betroffene auch zuhause oder in ihrer Nähe trainieren können. Das kann begleitet von einer Internetplattform geschehen – oder Fachärzte betreuen den Patienten gemeinsam mit einem Reha-Zentrum vor Ort.

Dass Bewegung dem Körper helfen kann, Krebszellen zu bekämpfen, bestätigte erst jüngst eine Studie an Mäusen. Liefen die Tiere regelmäßig im Hamsterrad, schrumpften ihre Tumore verglichen mit denen untätiger Artgenossen um etwa die Hälfte. Das berichten dänische Forscher im Fachmagazin "Cell Metabolism".

Adrenalin mobilisiert Immunzellen bei Krebs

Bei intensiver Bewegung freigesetztes Adrenalin mobilisiert demnach krebsbekämpfende Immunzellen und lässt sie über den Blutstrom an jene Stelle im Körper gelangen, an der der Tumor wächst. Deutsche Forscher gehen davon aus, dass es vergleichbare Effekte auch beim Menschen gibt.

"Dieses Ergebnis bringt das Feld ein ganzes Stück voran", sagt Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln, der nicht an der Studie beteiligt war. Die einzelnen Puzzlesteine gebe es schon länger, nun aber seien sie ein Stück weit zusammengesetzt. Ein direkter Bezug zwischen Sport und Antitumorwirkung werde gezeigt.

"Das ist eine spannende Studie", sagt auch Adelheid Cerwenka vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Das Ergebnis sei wahrscheinlich auf den Menschen übertragbar. Darauf wiesen bisherige Erkenntnisse in dem Bereich hin.

Zellen vermehren sich unkontrolliert

Ein Tumor entsteht, wenn sich – etwa wegen angehäufter Erbgutschäden – Zellen unkontrolliert zu vermehren beginnen und umliegendes Gewebe verdrängen. Dass regelmäßiger Sport das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen vermindern und die Wahrscheinlichkeit für die Rückkehr eines Tumors reduzieren kann, haben bereits mehrere Analysen gezeigt. Auch während einer Krebserkrankung kann sich Bewegung positiv auswirken. Veränderungen von körperlicher Verfassung, Hormonausschüttung, Entzündungsprozessen und Immunsystem werden als Vermittler dieses Effekts vermutet.

"Dass es Zusammenhänge gibt, ist bekannt, die mechanistischen Prozesse dahinter aber sind meist noch nicht gut verstanden", erklärt DKFZ-Forscherin Cerwenka. Das Team um Line Pedersen und Pernille Hojman von der Universität Kopenhagen untersuchte die zugrundeliegenden Abläufe nun bei Mäusen verschiedener Tumorlinien. Unter anderem ließen sie Mäuse mit Haut-, Lungen- und Leberkrebs im Hamsterrad laufen und verglichen ihr Tumorwachstum mit dem untrainierter Artgenossen. Im Mittel legten die Tiere gut vier Kilometer täglich in dem Rad zurück. Auf ihr Gewicht habe dies überwiegend kaum Einfluss gehabt, erklären die Forscher.

Doch Analysen zeigten, dass bei den trainierten Mäusen bestimmte Gene aktiver waren, die für das Immunsystem und Entzündungsprozesse bedeutsam sind. Im nächsten Schritt prüften die Forscher, wie stark der jeweilige Tumor von Immunzellen durchsetzt war. Bei den Tieren, die über Wochen das Hamsterrad genutzt hatten, hatten deutlich mehr natürliche Killerzellen – kurz NK-Zellen genannt – den Tumor infiltriert.

Keine Bewegung – kein Nutzen

Diese im Knochenmark entstehende Gruppe weißer Blutkörperchen gehört zum angeborenen Immunsystem. Ihre Aufgabe ist es, Tumor- und Virus-infizierte Zellen zu erkennen und abzutöten. Die NK-Zellen liefern eine Art ersten Zündfunken: Sie setzen Signalstoffe frei, über die weitere Zelltypen des Immunsystems aktiviert werden.

Indem die Forscher Mäusen Adrenalin spritzten, erzielten sie einen ähnlichen Effekt auf die Menge natürlicher Killerzellen in den Tumoren wie bei regelmäßiger Bewegung. Keine Minderung des Tumorwachstums trotz Bewegung gab es dagegen, wenn die Funktion des Adrenalins blockiert wurde. An Mäusen ohne NK-Zellen zeigten die Wissenschaftler, dass mit der gezielten Zugabe solcher Zellen ein Tumor bei diesen Tieren schrumpfte. Geprüft wurde auch, ob Mäusen ohne NK-Zellen Bewegung nutzt – was nicht der Fall war.

Zusammengenommen belegten die Daten eine führende Rolle natürlicher Killerzellen bei der bewegungsabhängigen Regulation des Tumorwachstums, schreiben die Forscher. «Es war bekannt, dass das Eindringen von NK-Zellen die Größe von Tumoren kontrollieren und regulieren kann, aber niemand hat bisher geprüft, wie Bewegung dieses System beeinflusst», wird Hojman in einer Mitteilung des Magazins "Cell Metabolism" zitiert.

Hamsterrad analog zum Ausdauersport

Als Mittler fungiere bei diesem Prozess das Signalmolekül Interleukin-6 (IL-6), heißt es in der Studie weiter. Bei körperlicher Anstrengung werde das Molekül von den Muskeln verstärkt freigesetzt und helfe den Immunzellen, aus dem Blutstrom zum Tumor zu gelangen. Eine künstliche Zufuhr von IL-6 allein habe aber keinen positiven Einfluss auf das Tumorwachstum, schreiben die Forscher. Notwendige Basis sei die bewegungsabhängige Mobilisierung der NK-Zellen. Adrenalin beeinflusse vor allem für IL-6 empfängliche NK-Zellen.

Die Studie zeige ein stark vereinfachtes Schema, erklärt der Kölner Krebsmediziner Bloch. Viele Faktoren blieben unberücksichtigt. "Der Mechanismus ist weit komplexer." Deutlich wäre dies geworden, hätten die dänischen Forscher den Effekt von IL-6 zusammen mit Adrenalin geprüft. "Das hätte sicher gezeigt, dass noch andere Dinge nötig sind", ist Bloch überzeugt. Nicht optimal sei auch die Verwendung des Hamsterrades, das eher Ausdauersport bedeute. Die Ausschüttung von IL-6 und Adrenalin sei aber intensitätsabhängig – es gehe also eher um kurze, aber intensive Bewegung.

Krebspatienten stellten häufig die Frage, ob und wie umfassend sie Sport machen dürften, erklärt Studienautorin Hojman. Das neue Ergebnis weise darauf hin, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, sich intensiv zu bewegen. Bisher sei allerdings unklar, ob sich die bei Mäusen gefundenen Ergebnisse tatsächlich auf den Menschen übertragen lassen. Zudem fehlten Analysen zum Einfluss von Bewegung auf die Bildung von Metastasen und das langfristige Überleben bei Krebs.

Prüfung für jede Sportart einzeln nötig

"Die mechanistische Aufarbeitung muss noch weitergehen", ergänzt Cerwenka, Leiterin der DKFZ-Arbeitsgruppe Angeborene Immunität. Für den Menschen müsse für jede Krebsart einzeln geprüft werden, welchen Einfluss Adrenalin und IL-6 haben. Gerade für Interleukin-6 sei gezeigt, dass ein erhöhtes Level auch schlecht für die Überlebensprognose sein könne.

Gut an einer Bewegungstherapie sei, dass darüber nicht nur das Immunsystem, sondern auch andere Mechanismen positiv beeinflusst würden. "Entzündungsreaktionen zum Beispiel", erklärt Cerwenka, die ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. "Ich bezweifle, dass Bewegung allein einen deutlichen Effekt haben würde", lautet ihr Fazit. Kombiniert mit Wirkstoffen aber könne die Wirkung einer Sporttherapie sicher erheblich sein.

Sporttherapien in die Tumorbehandlung einzubeziehen, müsse zum Standard werden, ist Bloch überzeugt. Am Deutschen Krebsforschungszentrum etwa werde dieser Ansatz schon vielfach umgesetzt, in Köln ebenso. "Die Frauenklinik hier hat ein eigenes Fitnessstudio." Kurze, intensive Trainingsblöcke mehrmals die Woche seien während und nach der Therapie sinnvoll – und vielfach auch schon vor der OP. "Eine halbe Stunde reicht da schon aus, um den IL-6- und Adrenalin-Spiegel hochzubringen."

Ein großes Problem sei allerdings noch die Kostenübernahme – kaum eine Krankenkasse zahle die Sporttherapie derzeit. Nötig seien zudem genaue Standards vergleichbar denen der medikamentösen Therapie. "Das muss genau abgestimmt werden, zeitlich und von der Intensität her." Auch wenn eine flächendeckende Kombination aus Sport- und herkömmlicher Therapie sicher noch ein ganzes Stück entfernt liege: "Da wird einiges passieren in nächster Zeit."

(Die Welt, 17.2.16, Claudia Liebram, Annett Stein)

 

 

 

 

 

Sport als Waffe gegen den Tumor  

Dem Krebs kann man ein Stück weit davonlaufen

Wer an einer schweren Krankheit leidet, sollte meistens seine Kräfte schonen. Dieser Rat scheint bei Krebs nicht zu gelten. Mediziner empfehlen Tumorpatienten sogar, eine Sporttherapie in die Behandlung miteinzubeziehen. Das steigere nicht nur das Wohlbefinden, sondern unterstütze auch das Immunsystem im Kampf gegen den Krebs. 

In einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Fachmagazin "Cell Metabolism", wiesen dänische Forscher nach, dass intensive Bewegung gegen Krebs wirkt. Dabei handelt es sich zwar um einen Versuch an Mäusen, Experten gehen jedoch davon aus, dass beim Menschen ähnliche Schutzmechanismen greifen. 

Hohes Laufpensum bremst Tumorwachstum  

Im Tierexperiment hatten sich bei krebskranken Mäusen, die regelmäßig im Hamsterrad liefen, die Tumoren verkleinert. Verglichen mit den Geschwulsten untätiger Artgenossen waren sie um rund die Hälfte geschrumpft. Der Grund hierfür liegt nach Ansicht der Forscher im Adrenalin, dass durch intensive Bewegung freigesetzt wird. Es aktiviere die krebsbekämpfenden Immunzellen, die über das Blut zum Tumor gelangten. 

Doch lassen sich die Ergebnisse der Tier-Studie tatsächlich auf den Menschen übertragen? "Nicht in vollem Umfang", sagt Professor Karen Steindorf, Leiterin der Abteilung Bewegung, Sport und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Das Immunprofil des Menschen sei zu komplex, um mit dem von Mäusen verglichen zu werden. Wenn sich die Ergebnisse der Studie auf den Menschen übertragen ließen, wäre dies ein großer Fortschritt für die Krebstherapie. Doch der Weg bis dahin sei noch weit, so Steindorf.

Sportlich aktive Menschen überleben den Krebs öfter 

"Fest steht aber, dass sich Sport in vielerlei Hinsicht positiv auf eine Krebserkrankung auswirkt , vor allem was Wohlbefinden und Lebensqualität angeht," so die Expertin. Das gelte nicht nur für die sogenannte Fatigue (chronische Müdigkeit), die oft bei Krebspatienten auftritt, sondern auch für belastende Behandlungen wie OPs, Strahlen- und Chemotherapie.

Bislang gebe es  jedoch noch keine klinischen Studien, die einen direkten Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Tumorwachstum nachweisen konnten. "Wohl aber liegen Beobachtungsstudien vor, nach denen die Überlebenswahrscheinlichkeit von körperlich aktiven Patienten höher ist als bei denjenigen, die sich schonen", sagt Steindorf. 

Um zu verstehen, welche Faktoren sich auf das Krebswachstum beim Menschen auswirken, müssten aber weitere, sehr viel komplexere Untersuchungen durchgeführt werden.

Beobachtungsstudien für Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs 

Doch wie sieht es im Bereich der Prävention aus? Kann man durch Sport bestimmten Krebserkrankungen vorbeugen? "Auf jeden Fall", sagt Steindorf und verweist auf drei Beobachtungsstudien des DKFZ. Diese stellten fest, dass bei Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs die Sterblichkeitsrate bei bewegungsarmen Patienten höher war als bei sportlich aktiven.

Allerdings sei hier zu berücksichtigen, dass sich körperliche Bewegung grundsätzlich positiv auf den gesamten Körper auswirke, vor allem auf die Gesundheit des Herzens. Daher hätten Menschen, die sich viel bewegten, generell eine höhere Lebenserwartung. 

Krebsexpertin: Jeder zweite Tumor ist vermeidbar

Dennoch gehen Onkologen davon aus, dass körperliche Aktivität ein wesentlicher Faktor ist, um einem Tumor vorzubeugen. "Wir wissen, dass jede zweite Krebserkrankung durch einen vernünftigen Lebensstil vermeidbar wären", sagt Steindorf. Zu diesem gehörten neben einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzicht von Nikotin und Alkohol vor allem auch regelmäßige körperliche Bewegung.

Ist es also möglich, dem Krebs ein Stück weit davonzulaufen? "Ja", sagt Steindorf. Auch wenn die Zusammenhänge zwischen Tumorwachstum und sportlicher Aktivität nicht ausreichend bewiesen seien, habe Bewegung zahlreiche positive Effekte in Bezug auf die Vorbeugung und den Verlauf von Tumorerkrankungen. Daher sollten sich Menschen, die an Krebs erkrankt sind, körperlich fordern, sofern es ihr Gesundheitszustand zulässt.

Sporttherapie in die Behandlung miteinbeziehen  

Tumorpatienten empfiehlt Steindorf sogar eine gezielte Sporttherapie. Bewährt habe sich eine Mischung aus Ausdauersport und Krafttraining. Wichtig dabei sei, dass es sich um ein Trainingsprogramm handelt, das den körperlichen Zustand des Krebspatienten und mögliche Beeinträchtigungen berücksichtigt. "Hierzu gibt es onkologisch geschulte Trainer mit einer speziellen Ausbildung", sagt Steindorf. 

Zudem entstehen mittlerweile in vielen Regionen Sportangebote für Krebspatienten, bei denen man unter fachkundiger Aufsicht trainieren kann. Ein großes Problem sei allerdings noch die Kostenübernahme. Nur wenige Krankenkassen zahlen für die Sporttherapie.

Einen ersten Schritt macht derzeit die Technikerkrankenkasse (TK). Sie weitet ihr Angebot "Sport als Therapie" jetzt auch auf die häufigsten Krebserkrankungen aus. Im zweiten Quartal dieses Jahres können Krebskranke in ganz Deutschland über ein telemedizinisches Modell an einem entsprechenden Programm teilnehmen. 

(t-online.de, 18.2.16, Andrea Goesch)

 

 

 

Sport bei Krebs: "Laufen war ein Stück Normalität"

Sandra Otto, Jahrgang 1977, promovierte im Bereich Rechnungslegung. 2011 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Das Laufen half ihr, die Krankheit zu bewältigen. Sandra Otto hat einen Ratgeber geschrieben: "Brustkrebs - Hilfe im Bürokratie-Dschungel: Insidertipps für sozialrechtliche Fragen". Sie arbeitet in Leipzig. - Sandra Otto war 34 Jahre alt, als bei ihr Brustkrebs entdeckt wurde. Trotz Warnungen der Ärzte hielt sie an ihrem Hobby Laufen fest. Ein Gespräch über Ausdauer, bürokratische Hürden und Läufer-Tunnelblick.

SPIEGEL ONLINE: Frau Otto, wann haben Sie erfahren, dass Sie Brustkrebs haben?

Otto: Im September 2011. Ich dachte mir schon, dass was nicht stimmt, aber meine Frauenärztin hatte meine Beschwerden wiederholt als Zyste abgetan. Nach der richtigen Diagnose ging es sehr schnell: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die Diagnose aufgenommen?

Otto: Es war ein Schock. Ich habe mich gefragt: Warum ich? Ich rauche nicht, trinke nicht, treibe Sport und ernähre mich gesund. Ich habe die Schuld bei mir gesucht und gedacht, dass mein Leben vorbei ist. Heute weiß ich: Man kann viele Risikofaktoren ausschließen - ich habe einfach Pech gehabt.

SPIEGEL ONLINE: Wie ging es dann weiter?

Otto: Die erste Prognose sah nicht gut aus. Ich habe Tag und Nacht nur geheult - bis ich irgendwann gedacht habe, so kann es nicht weitergehen. Auch wenn keiner weiß, wie lange mein Leben noch geht. Ich muss etwas finden, was mich jeden Tag aufstehen lässt. Da habe ich auf meine Konstante Sport zurückgegriffen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben im September die Diagnose bekommen, im Oktober war die OP und Chemo. Ab wann durften Sie joggen?

Otto: Ich habe immer, so gut es ging, versucht mich zu bewegen, auch wenn es nur ein Spaziergang ums Krankenhaus war. Die Ärzte haben gesagt, ich solle mich bloß nicht überanstrengen. Der Winter stand vor der Tür, die Chemo und das Kortison greifen die Knochen an - ich konnte mir also schneller Brüche zuziehen. Anfangs bin ich ganz langsam gelaufen. Ich habe mir sogar ein Laufband gekauft.

SPIEGEL ONLINE: Warum war Laufen für Sie so wichtig? Das kostet doch Kraft.

Otto: Im Gegenteil. Ich habe sehr viel Kraft aus dem Laufen geschöpft. Durchs Laufen konnte ich mir beweisen: Du kannst was. Die Krankheit hat dich nicht völlig im Griff. Das Ganze war zwar mit Beschwerden und Schmerzen verbunden, das kann ich nicht abstreiten, aber ich habe mir mit dem Laufen Lebensqualität, Lebenskraft und Lebensfreude erhalten. Laufen war ein Stück Normalität.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie einen Trainingsplan?

Otto: Ich habe meine Routine beibehalten. Ich war wie immer vier Mal in der Woche laufen - nur mit reduzierten Umfängen. An den anderen drei Tagen bin ich spazieren gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich während des Laufens gefühlt?

Otto: Ich war ständig außer Puste, hatte therapiebedingt Gliederschmerzen, aber ich habe gemerkt, wie gut der Sauerstoff mein Gehirn durchpustet. Schmerzen, Tränen, Trauer, Angst - mit jedem Schritt wurde alles leichter und verflog. Zu Hause angekommen, habe ich das Blut in meinen Adern gespürt und gemerkt: Ich bin noch am Leben.

SPIEGEL ONLINE: Spüren Sie körperliche Beschwerden beim Sport?

Otto: Ich habe mich mit den Einschränkungen arrangiert. 2013 hatte ich einen Rückfall, eine Brust wurde mir abgenommen. Die Narbe wird mich mein Leben lang begleiten, aber optisch kann ich es gut kaschieren. Der unangenehme Narbenschmerz vergeht mit der Zeit. Unter der Achsel habe ich ein Taubheitsgefühl, weil man mir Lymphknoten entfernt hat. Bei extremen Temperaturschwankungen staut sich die Lymphflüssigkeit in den Achseln oder oberhalb der Brust - das schmerzt.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat sich die Bedeutung von Sport für Sie gewandelt?

Otto: Früher war Sport Spaß, Freizeit, Freunde treffen und ein Stück weit Selbstbestätigung. Heute genieße ich viel mehr. Morgens zwischen 7 und 9 ist meine Zeit. Ich schaue: Wie ist der Geruch des Laubes? Wie ist der Lichteinfall? Die Intensität des Erlebens ist ganz anders. Laufen gehört für mich zum Tag wie Zähneputzen.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihnen Ihre Ausdauer beim Bewältigen Ihrer Krankheit geholfen?

Otto: Definitiv. Diese typische Läufermentalität hat mir geholfen, das alles durchzustehen. In manchen Situationen habe ich mir gesagt, dass das jetzt wie beim Marathon bei Kilometer 35 ist. Ab hier wird es noch mal richtig hart. Da konnte ich den Tunnelblick aktivieren und mich auf das Ziel konzentrieren.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie durch die Krankheit eine andere Läuferin geworden?

Otto: Ja, ich bin ausdauernder, leidensfähiger und zäher geworden. Es fällt mir leichter, die Zähne zusammenzubeißen und meine Kräfte besser einzuteilen. Ich höre auf meinen Körper und nehme mir Pausen. Außerdem habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich verzichte auf Fleisch und Wurst, Milchprodukte, Reis, Nudeln, Brot, Brötchen, Weizen, Roggen und vor allem Zucker. Früher habe ich auch mal ein Glas Nutella in der Woche leergemacht. Jetzt lasse ich Süßes komplett weg. Dafür viel frisches Obst und Gemüse. Ich fühle mich weniger müde.

SPIEGEL ONLINE: Was viele vergessen: Während der Krankheit hat man auch viel Bürokratie zu erledigen. Sie haben einen Ratgeber darüber geschrieben. Was hat Sie am meisten schockiert?

Otto: Es hat unglaublich lange gedauert, bis die Versicherungen gezahlt haben. Und was Krebskranken in einer Situation, in der man um sein Leben kämpft, an Bürokratie aufgebürdet wird, ist respektlos und der Situation nicht angemessen. Ich sollte zehnseitige Formulare ausfüllen. Die Sachbearbeiter versuchen abzuwimmeln und Ansprüche abzuschmettern. Vielen fehlt die Kraft und die Zeit dagegen vorzugehen. Das hat System. Deswegen habe ich den Ratgeber geschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es Ihnen jetzt?

Otto: Derzeit bin ich krebsfrei - soweit man das sagen kann. Ich bin mir jetzt darüber bewusst, wie schön es ist, jeden Tag zu leben. Ich plane auch nicht mehr für fünf Jahre im Voraus. Ich lebe mehr in den Tag hinein. Laufen ist mein Lebenselixier

(Spiegel online, 6.11.15, Achim Achilles)

 


 

 


Präventionskongress

Reha lohnt sich bis zum Tod

Rehabilitation vor und in der Pflege lohnt sich in jedem Alter, betonte der Arzt und Alterswissenschaftler Professor Andreas Kruse beim Präventionskongress in Berlin. Und auch Gesundheitsminister Gröhe mahnte: Es gibt ein Missverhältnis zwischen Pflegebegutachtungen und Reha-Empfehlungen.

BERLIN. Vor einer Herabsetzung der Würde alter Menschen hat der Heidelberger Gerontologe und Kulturwissenschaftler Professor Andreas Kruse gewarnt.

Das Alter eines Menschen tauge nicht als Argument, ihm rehabilitative oder pflegerische Leistungen vorzuenthalten, schrieb Kruse zur Eröffnung des 7. Präventionskongresses von Bundesgesundheitsministerium und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (BVPG) Ärzten, der Pflege und Politikern ins Stammbuch.

Zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf ein Missverhältnis zwischen der Zahl der Pflegebegutachtungen und der daraufhin ausgesprochenen Reha-Empfehlungen hingewiesen. Bei einer Million Begutachtungen im Jahr komme es zu lediglich 5300 Überweisungen in die Rehabilitation.

Ressourcen des Alters wahrnehmen

Die Gesellschaft müsse dringend daran arbeiten, die Ressourcen des Alters wahrzunehmen. "Wenn wir über Prävention und Pflege sprechen, geht es darum, unsere eigenen Altersbilder kritisch zu reflektieren", sagte Kruse. Im Moment bestimme die Ablehnung des Alters das Handeln.

Wissenschaftlich belegt sei aber, dass sich Lebensstiländerungen und Rehabilitation auch im hohen Alter, bis in den Sterbeprozess hinein, positiv auf Patienten auswirken könnten. Körperliche und kognitiv-emotionale Mobilisierung sowie die Stimulierung des Kohärenzgefühls lohnten sich.

Nach Schlaganfällen sollten bereits in der Stroke-Unit die Rehapotenziale bestimmt werden. Dabei sollten die Ärzte beachten, dass das Lebensalter keine statistisch bedeutsame Komponente des Rehapotenzials darstelle.

Das scheint auch bei sich allmählich einstellenden Demenzen eine Rolle zu spielen. Ein Teil der neurodegenerativen Demenzen könnte sich zurückdrängen lassen, sagte Kruse.

Voraussetzung sei eine Prävention der vaskulären Komponente durch rechtzeitige Kontrolle der Lebensstile. Dabei dürfe durchaus auch an Sport für Hochbetagte gedacht werden. Die Bewegungsangebote sollten von kognitiven Interventionsprogrammen begleitet sein.

Der Gerontologe plädierte dafür, Komponenten der Rehabilitation regelhafter in die Palliativmedizin zu integrieren. Könne der Sterbende wieder sitzen oder eventuell sogar wieder stehen, versetze ihn das in die Lage, den Sterbeprozess besser zu verstehen.

Dies sei eine gemeinsame Aufgabe von Reha und Pflege. Der Expertenstandard Mobilität, der derzeit aufgestellt werde, lege einen Schwerpunkt unter anderem auf die Verringerung von Schmerzimpulsen.

(Ärzte Zeitung online, 22.06.2015, af)

 

 

 

 

Sport bei Krebs

Die Studienlage für sportliche Betätigung bei Krebs ist gesichert und wird an zahlreichen Kliniken sowie Rehabilitationszentren umgesetzt.

Die frühere Empfehlung, sich bei einer Krebserkrankung auszuruhen, ist überholt. In jeder Phase der Erkrankung können Betroffene von Bewegungstherapien und Sport profitieren.

Natürlich gibt es auch Gegenanzeigen und Empfehlungen, die bei bestimmten Erkrankungen unterlassen werden sollten. Zu individueller Abstimmung wird geraten. Basis jedes Planes ist das Ausdauertraining wie Walking, Radfahren oder Jogging. Ebenso gibt es Übungsprogramme, die dem Muskelschwund entgegen wirken können. Übungen mit dem Theraband gehören dazu. Übungsanleitungen erhalten Betroffene in der Therapie und in der Rehabilitationsphase.

Übereinstimmend bewerten Betroffene und Ärzte körperliches Training ähnlich einer psychologischen Therapie. Patienten, die Sport machen, fühlen sich lebendiger, optimistischer und der Weg ins Leben wird wieder klarer.

(Medical Tribune März 2015, kzenon)

 

 

Sport: Aktiv gegen Krebs

 

Bewegung spielt nicht nur nach der Krebsbehandlung eine wichtige Rolle – schon während der Therapie bessert sie die Lebensqualität erheblich

Sport als Therapie: Bewegung kann Krebspatienten helfen

Anton J. trainiert für sein Comeback. Im Ostpark, schräg gegenüber seiner Wohnung im Münchner Stadtteil Perlach, will der passionierte Läufer bald wieder seine Runden drehen. „Ich bin aber erst bei 50 Prozent meiner Leistungsfähigkeit“, schätzt der 75-Jährige, der statt „erst“ auch „schon“ sagen könnte.

Schließlich hat er im vergangenen halben Jahr eine Menge durchgestanden. Krebsdiagnose, Operation und Chemotherapie liegen hinter ihm. Doch nun liegt der Ostpark wieder vor ihm. „Ich war schon immer ein Läufer“, sagt er und freut sich auf den Tag, an dem er das erste Mal seit dem Beginn der Erkrankung wieder die üblichen drei Kilometer joggen wird.

Sport trotz Krebs: Ist das möglich?

Die Begeisterung für sportliche Aktivität teilen viele der rund 400.000 Menschen, bei denen in Deutschland jedes Jahr Krebs festgestellt wird. „Das Thema Sport kommt in der Sprechstunde ständig vor“, berichtet der Krebsspezialist Professor Irenäus Adamietz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie St.-Josef-Hospital im Katholischen Klinikum Bochum. „Besonders wichtig ist es für Krebspatienten unter 60 Jahre. Etwa zwei Drittel von ihnen wollen wissen, ob sie weiterhin Sport treiben können.“

Noch vor nicht allzu langer Zeit beantworteten Experten diese Frage mit einem klaren „Nein“. Schluss mit jeder körperlichen Anstrengung, war die vorherrschende Meinung. Die Befürchtung: Sport belaste das Immunsystem und erschwere den Kampf des Körpers gegen den Krebs. Noch vor etwa 30 Jahren galten Sport und Krebs daher als zwei Begriffe, die sich gegenseitig ausschlossen. „Das hat sich grundlegend geändert“, bestätigt Adamietz. Einem Fortbildungsartikel über Sport und Krebs, erschienen in einer Fachzeitschrift, gab er den prägnanten Titel „Schonen war gestern“.

Bewegung für Krebspatienten von Vorteil

Großen Anteil an diesem Richtungswechsel hat der Sportmediziner Dr. Fernando Dimeo. In den 1980er-Jahren ließ er sich vom Kopfschütteln der Krebsspezialisten nicht abhalten und führte erste Studien mit Patienten durch. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Die Teilnehmer vertrugen die Aktivität nicht nur gut, sondern sie tat ihnen auch gut. Zahlreiche neue Studien bestätigten Dimeos Schlussfolgerung: Sport bessert nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern steigert zudem die Lebensqualität.

„Vielen Krebspatienten hilft Sport zurück in den Alltag“, berichtet der Internist und Sportmediziner Professor Martin Halle. Seit Jahren wirbt der ärztliche Direktor der Klinik für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München bei Betroffenen wie Ärzten für Sport. Er hat Lehrbücher veröffentlicht, Kongresse veranstaltet und bietet die Sprechstunde „Sport, Ernährung und Krebs“ an. „Mit der Diagnose und der anschließenden Behandlung gerät für viele Patienten die Welt aus den Fugen“, beschreibt Halle das psychische und körperliche Loch, in das etliche fallen. „In dieser Situation vermittelt sportliche Aktivität das Gefühl, Oberhand über die Krankheit zu gewinnen. Die Patienten schöpfen neues Vertrauen in ihren Körper.“

Jeden Tag ein bisschen mehr fordern

Anton J. erinnert sich noch gut an das Loch, in das er nach der Diagnose „Magenkrebs“, der Operation und der Chemotherapie fiel. Anfangs hatte er kaum genug Kraft, um aufzustehen und ein paar Meter zu gehen. „Ich sagte zu mir: Das musst du steigern! Du musst dich jeden Tag ein bisschen mehr fordern.“ Heute trainiert J. zweimal pro Woche im Reha-Zentrum, macht Kraft- und Gymnastikübungen zu Hause und nimmt jeden Dienstag am Training einer Krebssportgruppe teil. 

Die Sportgruppe wird von der Bayerischen Krebsgesellschaft veranstaltet. Juliana Mangold, Beraterin für den Bayerischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband, leitet den Kurs: „Als wir anfingen, war die erste Gruppe schnell ausgebucht.“ Inzwischen bietet die Übungsleiterin einen zweiten Termin an. Die Teilnehmer schätzen die leichten Belastungen – sowie die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten zu trainieren. Da brauche es keine Worte über die Krankheit, sagt J.  

In Krebssportgruppen angepasst trainieren

Weil Mangold weiß, wie sehr die Belastbarkeit der Teilnehmer von einer Woche zur anderen schwankt, organisiert sie – nach einem Aufwärm- und Dehnprogramm – mal leichte Ballspiele, mal zeigt sie, wie man mit dem Latexband trainiert, oder macht Gymnastikübungen vor. Abwechslung und Spaß stehen im Vordergrund. „Ich versuche, Freude an der Bewegung zu vermitteln und die Teilnehmer zu motivieren, auch außerhalb des Kurses aktiv zu sein“, berichtet Mangold. Krebssportgruppen gibt es inzwischen an vielen Orten – organisiert von der Deutschen Krebsgesellschaft, ihren Landesverbänden oder von örtlichen Sportvereinen

„Von einem flächendeckenden Angebot sind wir aber noch weit entfernt“, sagt Professorin Karen Steindorf, die am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg die Arbeitsgemeinschaft Bewegung und Krebs leitet. In Heidelberg und Umgebung wurde daher das Netzwerk OnkoAktiv aufgebaut: „Wir bündeln jene Fitness-Center und Reha-Einrichtungen, die aufgrund der Qualität ihres Angebots für Krebspatienten geeignet sind.“ Ähnliche Initiativen gibt es auch an anderen Orten.

Sport als Medikament

Steindorf sorgt sich aber nicht nur um ein besseres Angebot, sie untersucht auch die Wirksamkeit von Sport. „Wäre sportliche Aktivität ein Medikament, hätten wir mit unseren letzten Studien die Zulassung beantragen können.“ So beschreibt sie, mit welchem Aufwand sie ihre Forschung betreibt. Unter anderem hat sie mit ihrem Team kürzlich den Einfluss von Krafttraining auf jene lähmende Müdigkeit von Krebspatienten untersucht, die Ärzte Fatigue nennen.

„Bei Brustkrebspatientinnen, die mit Strahlentherapie behandelt wurden, wirkte regelmäßiges Krafttraining deutlich besser gegen die Müdigkeit als Entspannungsübungen“, erklärt Expertin Steindorf. „Das zeigt: Bewegung nutzt bereits während der Therapie – und nicht erst in der Nachbehandlung.“

Krebsspezialist Adamietz mahnt jedoch: „Die Medikamente, die bei Chemo- oder Immuntherapie zum Einsatz kommen, dämpfen für einige Stunden die Aktivität das Immunsystems und machen die Patienten in dieser Zeit anfälliger für Infektionen.“ Er rät, in dieser Phase weniger Sport zu treiben und mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, welche Zeitspanne eingehalten werden sollte.

Krankengymnastik nach Strahlentherapie hilfreich

Darüber hinaus wirbt Adamietz vor allem für Dehnübungen. „Krankengymnastik hilft, jene Bewegungseinschränkungen zu verhindern, die nach Strahlentherapien häufig auftreten“, sagt der Krebsexperte.

Zudem wirkt Dehnen gegen Schmerzen. Beispiel Prostata. Die Bestrahlung führt zu Schmerzen, sodass die Männer nachts eine Schonhaltung einnehmen. Die unmittelbare Folge: Becken- und Rückenmuskeln verkürzen sich. Die langfristige Folge: Kreuzschmerzen. Verhindern lässt sich dies mit Dehnen – oder mittels eines Rudergerätes. Adamietz: „Das wirkt sensationell: Schon zehn Minuten Rudern täglich reicht.“

Sport aktiviert das Immunsystem

Mit zehn Minuten Training gibt sich Professor Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, nicht zufrieden. Sein Team hat Krebspatienten im Rahmen einer Studie auf einen Halbmarathon vorbereitet – mit intensiveren und längeren Belastungen. „Dabei besserte sich nicht nur die Lebensqualität der Teilnehmer“, berichtet Bloch. „Wir konnten zudem eine Aktivierung des Immunsystems nachweisen.“

Im Fokus der Forscher: die natürlichen Killerzellen. Sie erkennen Krebszellen und schalten diese aus. Bei den Trainierten waren sie aktiver. „Wir gehen daher davon aus, dass intensivere sportliche Belastung besser vor einem Rückfall schützt“, sagt Bloch. Er ist sich sicher: „Auch große Anstrengungen haben ihre Berechtigung im Kampf gegen den Krebs.“

Moderat belasten

Allerdings sehen die derzeit gültigen internationalen Richtlinien moderate Belastungen und Aktivitäten vor. „150 Minuten pro Woche mit niedriger Intensität oder 75 Minuten pro Woche mit höherer“, sagt Karen Steindorf.

Hier offenbart sich ein grundsätzliches Dilemma: Während nämlich die psychischen Wohltaten von Sport unbestritten sind, gibt es in Bezug auf seinen biologischen Nutzen noch einige Fragen zu klären. Wie genau beeinflusst beispielsweise sportliche Aktivität das Immunsystem von Krebspatienten? Wie schützt Sport vor einem Rückfall, und welche Intensität eignet sich dafür am besten? Antworten auf diese Fragen hoffen Steindorf und andere Forscher im Speichel, Blut und Urin ihrer Studienteilnehmer zu finden.

Sonja Schultz (Name geändert) nimmt an keiner Studie teil. Die 67-Jährige, die in einem Münchner Reha-Zentrum trainiert, braucht keine wissenschaftlichen Beweise, um sich zu motivieren. Sie weiß, wie wichtig Sport für sie ist – auch dann, wenn sie sich schlapp fühlt.

Wie vor anderthalb Jahren, als der Krebs ein zweites Mal zuschlug: „Weiter Sport zu treiben half mir damals, mit dem Rückfall umzugehen. Das Training gehörte zu meinem Alltag, und ich wollte mir möglichst viel Normalität erhalten.“ Zwei Trainingseinheiten gehören für sie daher seit Jahren zum festen Wochenprogramm – natürlich auch jetzt, wo es ihr wieder besser geht. Zudem winkt nach der Anstrengung eine Belohnung beim Lieblings-Italiener. „Die Lasagne dort ist fantastisch“, schwärmt die 67-Jährige und lacht.

(Apotheken Umschau, 27.4.15, Dr. Ralph Müller-Gesser)

 

 

Diagnose Krebs

"Erst in der Krise merkte ich, was in mir steckt"

Beziehung gescheitert, Arbeitsplatz verloren, Diagnose Krebs: Brigitte Armbruster war am Ende. Doch dann lief sie ihren ersten Marathon - während der Chemotherapie. Und fand so zurück ins Leben.

"Eigentlich schien in meinem Leben alles in Ordnung. Mit 38 Jahren jedoch trafen mich gleich drei Schicksalsschläge: Meine langjährige Beziehung ging nach sechs Jahren in die Brüche. Einen Monat später verlor ich meinen Arbeitsplatz. Kurz danach erhielt ich auch noch eine niederschmetternde Diagnose: Lymphknotenkrebs. Innerhalb von drei Monaten war meine Lebenswelt in Trümmer zerbrochen. Ich war psychisch völlig am Ende und sah keinerlei Perspektive mehr. Mehrere Wochen lang überlegte ich sogar, die Krebsbehandlung zu verweigern, damit die Krankheit meinem Leben bald ein Ende macht. Ich fühlte keinerlei Kraft mehr zum Weiterleben; erst recht nicht für einen Kampf gegen den Krebs.

Ohne rechte Überzeugung begab ich mich schließlich dennoch in die Chemotherapie. Oder, vielmehr: Durch die vielen Diagnose- und Facharzttermine geriet ich fast von selbst in die Behandlungs-Maschinerie - ohne es recht zu wollen und ohne die Kraft zu haben, mich aktiv dagegen zu wehren. Die Chemotherapie sollte alle 14 Tage ambulant verabreicht werden und ein Vierteljahr dauern. Am 16. Juli ging es los; die nächsten Wochen verbrachte ich trotz strahlendem Sommerwetter auf dem Sofa, fühlte mich dumpf und niedergeschlagen. Ich hatte mich in meiner passiven Verzweiflung und im Selbstmitleid richtig häuslich eingerichtet. Eine enge Freundin konnte das irgendwann nicht mehr mit ansehen und sagte lakonisch: 'Dann stirb doch!'

Durch diese bewusste Provokation regte sich - endlich! - mein Widerstandsgeist. Nein - ich war noch nicht bereit zu sterben! In all meiner Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung spürte ich da auf einmal eine innere Kraft, die ich vorher nicht gekannt hatte. Diese Kraft gab mir plötzlich wieder Vertrauen und Sicherheit - und brachte mich dazu, meine "lebens-müde" Einstellung zu überdenken. Mir wurde klar, dass ich wieder zurück ins Leben wollte; und dass ich dafür eine neue Perspektive und ein neues Ziel finden musste.

Ich würde meinen ersten Marathon laufen

Innerhalb von ein, zwei Tagen kam dann eine Idee zurück, mit der ich mich schon lange vorher immer wieder beschäftigt hatte: Ich würde in diesem Jahr meinen ersten Marathon laufen. Und zwar während der Chemotherapie!

Seit Jahren war ich eine trainierte Läuferin - dennoch rieten mir meine Ärzte dringend von meinem Vorhaben ab. 'Das ist unmöglich! Die Chemotherapie ist ohnehin eine schwere Belastung für den Körper. Sie gefährden Ihre Heilungschancen! Bewegung ja - nur bitte in Maßen!' Aus ihrer Sicht heraus konnten sie auch gar nichts anderes sagen: Es entsprach ihren Erfahrungswerten; und das, was ich da vorhatte, hatte es noch nie gegeben. Aber mein neues Ziel gab mir so viel Auftrieb, dass ich auf stur stellte. Ich wollte - nein, ich musste es zumindest versuchen! Es war für mich die einzige Chance, wieder ins Leben zurückzufinden.

Diagnose Krebs Sport während der Behandlung

Auch wenn ein Marathonlauf während der Chemotherapie ein außergewöhnlicher Einzelfall ist: Ein moderates, auf den Patienten abgestimmtes Bewegungsprogramm während einer Krebserkrankung wird heute von den meisten Onkologen befürwortet. Es kann sich auf die Lebensqualität von Krebspatienten äußerst positiv auswirken; sowohl körperlich als auch psychisch. Spezielle onkologische Sportprogramme wie etwa Walking, Rudern oder Gymnastik werden heute an vielen deutschen Krebszentren angeboten; in der Regel sind sie für den Patienten kostenfrei. Diese Programme sind selbstverständlich professionell geleitet und an der individuellen Leistungsfähigkeit der einzelnen Patienten ausgerichtet.

Ich entschied mich, mir die Haare abrasieren zu lassen. Ich wollte nicht darauf warten, dass sie mir irgendwann im Laufe der Chemotherapie ausfielen. So viel Autonomie wollte ich mir bewahren.

Und ich startete mein Marathon-Training auf eigene Faust. Meine Ärzte sahen schließlich ein, dass sie mich davon nicht abbringen konnten. Um wenigstens das Risiko zu minimieren, das ich da auf mich nahm, wiesen sie mich auf ein Sportprogramm speziell für Krebspatienten hin, das an der Uni Frankfurt damals als Pilotprojekt lief. Fortan wurde dort mein Training kontinuierlich sportmedizinisch begleitet. So konnte ich mein Laufprogramm mit wissenschaftlicher Unterstützung noch besser auf meinen Gesundheitszustand abstimmen und mich vor einer Überanstrengung bewahren, die für mich lebensbedrohlich gewesen wäre.

Vertrauen in den eigenen Körper

Meine Tagesform schwankte durch die Chemo sehr stark; entsprechend flexibel musste ich mein Trainingsprogramm gestalten. Direkt nach den einzelnen Chemo-Behandlungen ging ein, zwei Tage gar nichts; danach begab ich mich vorsichtig wieder auf die Laufstrecke. Dabei verließ ich mich ganz auf mein Körpergefühl; es signalisierte mir bei jedem einzelnen Lauf, wie viel ich mir an diesem Tag zumuten konnte. Mal war es nur ein kurzer Spaziergang, mal die kleine Sieben-Kilometer-Runde, mal zwölf, mal 20 Kilometer - eben immer so viel, dass ich mich dabei wohlfühlte. Nicht feste Trainingspläne mit starren Tempo- oder Streckenvorgaben bestimmten mein Training, sondern allein meine persönliche Komfort-Zone. Zur Sicherheit hatte ich außerdem immer ein Handy und etwas Geld dabei, um im Notfall im Taxi nach Hause fahren zu können.

Im Laufe der Trainingswochen ging es mir körperlich und mental immer besser. Ich bekam wieder Vertrauen in meinen Körper, der mich durch die Erkrankung - so empfand ich es - so schmählich im Stich gelassen hatte. Ich fühlte mich wieder stark und autonom. Ich hatte der Krankheit - und der Behandlungs-Maschinerie - etwas entgegenzusetzen! Das war auch etwas Neues für mich: Dass ich mein Vorhaben gegen den Widerstand der ärztlichen Autoritäten durchsetzte!

So etwas hatte ich vorher noch nie gewagt. Erst in der Krise merkte ich, was überhaupt in mir steckt!

Persönliche Botschaft von Brigitte Armbruster: Achten Sie auf Ihre Grenzen

Liebe Leserin, lieber Leser, sollten Sie Krebspatient und trainierter Läufer sein und sich ebenfalls am Marathon versuchen wollen: Bitte achten Sie sehr genau darauf, sich nicht zu viel zuzumuten! Selbst für gesunde Läufer ist ein Marathon mit seiner wochenlangen Vorbereitung eine große Belastung; körperlich und auch psychisch. Wie oft sieht man bei einem Marathon einzelne Teilnehmer halb ohnmächtig, blutend, sich übergebend ins Ziel wanken, weil sie sich offensichtlich zu viel zugemutet haben. Für Krebspatienten mit beeinträchtigtem Immunsystem und geschwächtem Allgemeinzustand kann eine solche Überlastung lebensbedrohlich sein! Lassen Sie Ihr Laufprogramm in jedem Fall kontinuierlich medizinisch begleiten; idealerweise - wie bei mir - sowohl von onkologischer als auch von sportmedizinischer Seite. Achten Sie bitte auf Ihre Grenzen und passen Sie gut auf sich auf. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Freude beim Laufen!

Der Weg aus meinem persönlichen Tiefpunkt

Im Laufe meiner Trainingswochen verbesserte sich mein körperlicher Zustand sogar messbar; meine Blutwerte bewiesen es. Das ist außergewöhnlich, denn normalerweise werden sie während einer Chemotherapie kontinuierlich schlechter, da die Wirkstoffe, die die Krebszellen bekämpfen sollen, auch die gesunden Körperzellen schädigen. Dieser messbar positive Effekt meines Trainings überzeugte endlich auch meine Ärzte: Ich bekam offiziell grünes Licht für mein Marathon-Projekt. Insgesamt trainierte ich neun Wochen lang. Das Ziel: der Frankfurt-Marathon am 26. Oktober 2008. Als ich die 42 Kilometer am großen Tag dann endlich in Angriff nahm, war das fast schon Routine. Nach vier Stunden und 37 Minuten lief ich glücklich lächelnd ins Ziel. Ich war wieder zurück im Leben!

2011 trat ich noch einmal bei einem Marathonlauf an. Aber dieses Mal merkte ich, dass sich meine Prioritäten völlig geändert hatten. Inzwischen war ich wieder im Berufsleben, hatte die Krebsbehandlung hinter mir und war sogar frisch verliebt. Der Marathon hatte da einfach nicht mehr den Stellenwert wie noch drei Jahre zuvor. Bei Kilometer 26 stellte sich mir auf einmal die Frage, ob ich jetzt wirklich noch 16 Kilometer weiterlaufen will. Meine Antwort war ein klares "Nein, das will ich nicht. Ich will viel lieber mit meinem besten Freund und mit einem Döner und einem Bier in der Sonne sitzen!" Und genau das tat ich dann auch - ich brach den Lauf ab und verabredete mich mit dem Freund. Es war die richtige Entscheidung; ich habe sie nie bereut.

Mein erster Marathon ist jetzt fast sieben Jahre her. Er wurde zum ersten dokumentierten und wissenschaftlich publizierten Marathonlauf während einer Chemotherapie. Für mich war er mein ganz persönlicher Lauf zurück ins Leben."

Brigitte Armbruster, 45, Frankfurt am Main, ist ausgebildete Mediengestalterin und arbeitet heute als freiberufliche Lektorin und Texterin.

(Süddeutsche Zeitung, 9.4.15, Protokoll: Lars Langenau)

 

 

  

Kraft- und Ausdauertraining für Tumorpatienten

Schonen sollten sich früher die Kranken. Doch diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler sogar, ob und wie schwer Krebskranke von Sport und Bewegung profitieren können.

"Oftmals, das kennen wir ja auch als Gesunde, ist natürlich eine körperliche Bewegung etwas, was uns hilft, uns abzulenken, von Gedanken abzulenken und tatsächlich wie wir wissen, auf einer physiologischen Ebene Veränderungen bringt."

Sagt Dr. Anette Brechtel, die Leiterin der psychoonkologischen Ambulanz am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Aber körperliche Bewegung hilft nicht nur, auf andere Gedanken zu kommen, auch Nebenwirkungen der Krebsbehandlung lassen sich dadurch in vielen Fällen lindern.

"Mittlerweile haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Patienten - besonders mit Problemstellungen wie dieser ausgeprägten Erschöpfung oder Ermüdung, wenn wir von Fatigue sprechen -, sehr stark von solchen Sportangeboten, Bewegungsangeboten, profitieren können."

Bewegung gegen Erschöpfung und Ermüdung

Das ist von großer Bedeutung, denn über Erschöpfung und Ermüdung als Nebenwirkung der Krebsbehandlung klagen viele Patienten. Ob und wie Bewegung auch Tumorpatienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium hilft, das untersucht derzeit Dr. Joachim Wiskemann in mehreren Studien. Er ist wissenschaftlicher Koordinator des Projektes "Bewegung und Krebs" am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg.

"Die Studie dreht sich darum, bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom zu untersuchen, inwieweit eine begleitende bewegungstherapeutische Maßnahme hilfreich ist, die Lebensqualität zu verbessern bei einer durchschnittlichen Überlebenssituation des Patienten bei zehn bis zwölf Monaten."

Größtenteils kann der Tumor bei den Kranken nicht mehr operiert werden und sie leiden auch unter den Begleiterscheinungen von Chemo- und Strahlentherapie. Dadurch ist ihre körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigt.

"Die Patienten haben häufig eine Kurzatmigkeit, das heißt, sie bekommen schwer Luft, weil sich der Tumor schon sehr weit im Organ der Lunge ausgebreitet hat. Das heißt, die Erkrankung ist nicht mehr einzudämmen, sondern nur noch zu kontrollieren und das Überleben ist eben begrenzt. Das macht die Situation für den Patienten sehr schwierig. Und genau da setzt die Bewegungstherapie an durch systematisches Training, ganz langsam am Anfang, diese Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Und man kriegt auch dadurch eine Verbesserung der Atmung, der Kurzatmigkeit hin."

Mehrere Studien untersuchen Wirkung von Bewegung

Bisher beteiligen sich über 70 Lungenkrebs-Patienten an der Studie. Sie berichten, dass es ihnen durch das leichte Kraft- und Ausdauertraining, Spazierengehen und Walking schon besser oder zumindest nicht schlechter geht.

"Manche Patienten sind am Anfang extrem verblüfft und sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich so was noch kann. Also überhaupt sowas wie leichtes körperliches Training zu machen. Ich habe gedacht, das geht alles nicht mehr. Von daher sind sie überrascht, dass sie gewisse Dinge können."

Dr. Wiskemann arbeitet an zwei weiteren Studien mit schwer Krebskranken, wie beispielsweise Patienten mit Blutkrebs, die sich einer Stammzelltransplantation unterziehen. Auch bei diesen Lymphom- und Leukämiepatienten zeigte sich, dass sie weniger erschöpft und ermüdet waren, wenn sie am Bewegungstraining teilnahmen.

"Wir sehen auch, dass die Patienten eine schnellere Herstellung des blutbildenden Systems wieder haben, das heißt, sie werden schneller wieder resistenter gegen Keime, die vonseiten der Umwelt auf sie einprasseln. Und darüber hinaus haben wir erste Daten, die uns nahelegen, dass vermutlich auch etwas in der Prognose passiert, das heißt, dass die Patienten, die systematisch sport- und bewegungstherapeutisch arbeiten, auch länger leben."

Konkretere Aussagen dazu erhoffen sich die Wissenschaftler in ein bis zwei Jahren. Ein wichtiger Aspekt für den Erfolg des Bewegungstrainings scheint zu sein, dass die Patienten selbst aktiv sein können.

"Denn sie waren vorher nur verdammt, zu warten, spricht die Therapie an, wird etwas besser und mit dem Trainieren, mit dem körperlich aktiv sein merken sie, hoppla, ich kann selbst etwas tun und dadurch verändert sich subjektiv wahrgenommen meine Gesundheit und die Dinge, die ich im Alltag kann."

(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 6.1.15, Renate Rutta)

 


Sport während der Krebstherapie steigert das Wohlbefinden

Krebspatienten sollten auf Sport nicht verzichten. Bewegung kann den körperlichen Abbau verringern, den Krankheit und Therapie zur Folge haben.

Krebs und seine Therapie schwächen den Körper. Mit Sport können Patienten gegensteuern. Das ist aber gar nicht so leicht, wenn Erschöpfung und Müdigkeit die Motivation erschweren.

Bewegung während einer Krebstherapie kann sich positiv auf das Wohlbefinden des Patienten auswirken. Es stärkt das Immunsystem, verbessert die Herz-Lungen-Funktion und steigert das Selbstwertgefühl. Außerdem können Krankheits- und therapiebedingte Begleiterscheinungen wie Fatigue, Schlafstörungen und Depressionen durch körperliche Aktivität reduziert werden. Darauf weist die Deutsche Krebshilfe in ihrem Ratgeber «Schritt für Schritt. Mehr Bewegung, weniger Krebsrisiko» hin. Gleichzeitig kann Sport den körperlichen Abbau verringern, der den Patienten als Folge von Krankheit und Therapie zu schaffen macht.

Durch die Krebserkrankung und die Therapie bekommen Muskelzellen nicht mehr genügend Sauerstoff. Die Folgen sind Blutarmut, Muskelveränderungen und Schmerzen, Veränderungen an den Blutgefäßen sowie eine verringerte Lungenfunktion. Das vermindert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern kann auch die Psyche negativ beeinflussen. Weil viele Krebspatienten gleichzeitig unter starker Erschöpfung leiden, bewegen sie sich fast gar nicht mehr. Ihr Zustand verschlechtert sich deshalb noch.

Bei der Wahl der Sportart ist deshalb am wichtigsten, dass sie Spaß macht, damit die Patienten motiviert sind, sich zu bewegen. Eine pauschale Empfehlung, welche Sportarten besonders gut sind, gibt es nicht: Betroffene können sich mit ihren Ärzten und Therapeuten besprechen. Faktoren wie Diagnose, Stadium der Erkrankung, Behandlungsphase, Nebenwirkungen und Begleiterkrankungen spielen bei der Wahl der Sportart eine Rolle.

Der Ratgeber kann kostenfrei bestellt werden unter Deutsche Krebshilfe, Postfach 14 67, 53004 Bonn oder im Internet.

(dpa, 6.1.15, Inga Kjer)

 

Schonen war gestern

Darum profitieren Krebskranke von Sport

Krebspatienten sollten sich nicht schonen, sondern Sport treiben. Denn körperliches Training kann nicht nur die unerwünschten Wirkungen der Therapie verringern, sondern sogar den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Supportivtherapie in der Onkologie ist mehr als das Lindern von Schmerzen und die Prophylaxe von Übelkeit, Anämie und Neutropenie. Körperliches Training etwa reduziert Therapie-Nebenwirkungen und verbessert die physische sowie auch die psychische Situation der Patienten. Und: Das Körpertraining beeinflusst den Krankheitsverlauf.

"Schonen war gestern", meint Professor Irenäus Adamietz, Strahlentherapeut an der Ruhr-Universität Bochum, in einem Fortbildungsbeitrag der Zeitschrift CME (CME 2014; 11: 63-72).

Praktisch jeder Krebspatient könne von einem individuell angepassten Trainingsprogramm profitieren: "Die früher propagierte Schonung ist heute obsolet", meint Adamietz. Professor Elke Jäger aus Frankfurt am Main ergänzt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Die Erkenntnis ist noch nicht alt, dass Sport bei Krebs und bei laufender Krebstherapie etwas Gutes ist. Seit zehn Jahren prüfen wir, ob das stimmt. Inzwischen ist klar, dass sich Muskelabbau, Schmerzen, Appetitmangel, Depression und Antriebsarmut mit gezielter Sporttherapie, bevorzugt mit Ausdauer- und Krafttraining, bekämpfen lassen."

Psychologische Auswirkungen der Bewegung

"80 Prozent aller Krebspatienten, und zwar über alle Diagnosen und Therapieformen hinweg, klagen weniger über Fatigue", so Jäger, die am Krankenhaus Nordwest die Abteilung für Onkologie und Hämatologie leitet. Man könne auch sagen, die Patienten werden "leidensfähiger". Sie strengen sich mehr an, brechen seltener eine Therapie ab.

Im Wesentlichen scheint dies auf die psychologischen Auswirkungen der Bewegung zurückzuführen zu sein. Der Krebspatient wird aus seiner bevorzugt passiven Situation als Empfänger schlechter Nachrichten, Befunde und schlecht verträglicher Therapien herausgeholt.

Gerade palliativ behandelte Patienten werden vom Gedanken beherrscht, dass es nun ans Sterben ginge und ihre Tage gezählt seien.

Jäger: "Im Szenario des Trainings erleben sich die Patienten völlig neu, sie spüren die Zunahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, Genuss und Freude an körperlicher Bewegung, ja auch am Leben.

Das sind für sie unerwartete Erfahrungen." Nun können aus eigener Initiative heraus spür- und messbare Ergebnisse erreicht werden.

Stärkung der Tumorabwehr?

Inwieweit immunologische Faktoren die Wirksamkeit des Sports bei Krebs beeinflussen, ist Gegenstand der Forschung. Studienergebnisse weisen darauf hin, dass die körpereigene Tumorabwehr gestärkt wird, etwa über eine erhöhte Aktivität natürlicher Killerzellen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt entsprechende Forschungsvorhaben derzeit mit rund 1,4 Millionen Euro.

Nach Jägers Erfahrung ist es günstig, so früh wie möglich körperliches Training als Teil des onkologischen Therapiekonzepts anzusprechen, unter Umständen sofort nach Diagnosestellung.

Allerdings reichen allgemeine Empfehlungen an die Patienten nicht aus. In Frankfurt ist ein Sportmediziner Teil des Behandlungsteams, der die Patienten bereits bei der Visite kennenlernt. Körperliches Training wird verordnet, wie andere Maßnahmen auch.

Voraus geht eine sportmedizinische Untersuchung, um die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten zu prüfen. Viele haben noch nie in ihrem Leben Sport getrieben, umso schwerer ist es, ausgerechnet in der Situation einer schweren Erkrankung damit zu beginnen.

Wohl dosiertes Körpertraining

Die Zusammenarbeit mit einem Institut für Sportmedizin habe sich als Schlüssel zum Erfolg erwiesen, erklärt Jäger. Denn so kann das Training wohl dosiert und individuell gestaltet werden.

"Das Schwierigste ist die Motivation zum ersten Schritt, weil es Berührungsängste gibt, weil die Haare ausgefallen sind und Ängste vor Stigmatisierung bestehen", so Jäger weiter. "Sobald ein sportmedizinischer Befund vorliegt und eventuell sogar die Anbindung zu einer Krebssportgruppe besteht, sind viele gar nicht mehr zu bremsen."

Natürlich sind eine Reihe von Besonderheiten zu beachten. Bei akuten oder neuen Beschwerden wie Fieber, Durchfall oder Schmerzen darf keine körperliche Aktivität stattfinden, bei einer Thrombopenie von unter 10/nl ist das Blutungsrisiko zu hoch und eine Anämie mit Hämoglobinwerten von unter 8,0 g/dl machten ein Training unmöglich, so Adamietz. D

er Strahlentherapeut weist darauf hin, dass sich bei ausgeprägter Anämie erstmalig eine koronare Durchblutungsstörung bei körperlicher Belastung bemerkbar machen kann. Bei immunsupprimierten Patienten müssen hygienische Richtlinien eingehalten werden, grippeähnliche Beschwerden unter Immuntherapien wie mit Interferon oder Interleukin-2 sollten zunächst abklingen, bevor wieder trainiert wird, und bei Knochenmetastasen ist die Frakturgefahr zu beachten.

Trotz solcher Einschränkungen sind die Wirkungen körperlichen Trainings nicht zu unterschätzen. "Inzwischen wurde gezeigt, dass körperliche Aktivität die Mortalität und das Überleben beeinflusst", erklärt Adamietz in seinem Zeitschriftenbeitrag.

So sei bei Brustkrebspatientinnen eine relative Senkung der Mortalität um 24 bis 67 Prozent beobachtet worden - allerdings stammen diese Daten nicht aus Interventionsstudien, weshalb sie mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Sportgruppen für Krebskranke

Unabhängig davon, sollte jeder Krebspatient trainieren, der sich belasten darf. Jäger empfiehlt, sich beim jeweiligen Landessportbund nach Krebssportgruppen zu erkundigen. Viele praktische Hinweise und Kontaktadressen finden sich außerdem in der Broschüre "Bewegung und Sport bei Krebs" aus der blauen Ratgeberreihe der Deutschen Krebshilfe.

Diese Broschüre kann online heruntergeladen oder bestellt werden, und zwar auf: www.krebshilfe.de.

(Thomas Meißner, Ärzte Zeitung, 20.08.2014)

 

 

„Bewege dich – trotz Krebs!“

Gemeinsam bewegen und damit noch Gutes tun für Mitmenschen - das machen die Teilnehmer am Sonntag bei der Benefizregatta "Rudern gegen Krebs".

Amateure mit Profis, Krebspatienten mit Ärzten - am Sonntag treten ab 9 Uhr auf dem Neckar bei Neuenheim bunt gemischte Ruderteams in über 50 Rennen gegeneinander an. Höhepunkt ist ein Schauwettkampf gegen 16.30 Uhr mit Weltmeister Marcel Hacker, dem Deutschland-Achter und dem nationalen Frauen-Doppelvierer. Und das alles für einen guten Zweck: Der Erlös von "Rudern gegen Krebs" fließt in das Programm "Bewegung und Krebs" des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). Wir haben vorab mit Dr. Joachim Wiskemann vom NCT gesprochen.

Herr Dr. Wiskemann, die Benefizregatta findet zum fünften Mal statt - ist die Veranstaltung endgültig angekommen?

Dr. Joachim Wiskemann: Auf jeden Fall. Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist einfach toll: Wir haben mit 60 Booten angefangen, in den letzten beiden Jahren waren schon jeweils 90 am Start. Die Regatta wird sehr wohlwollend wahrgenommen und ist eine wichtige Sportveranstaltung in der Region mit 3000 bis 4000 Zuschauern geworden.

Dr. Joachim Wiskemann

Der 34-Jährige ist Co-Leiter der Arbeitsgruppe "Bewegung und Krebs" am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen.

Er ist studierter Sportwissenschaftler und -psychologe und in dem Programm "Bewegung und Krebs" für Forschung und Therapie zuständig.

Der Hesse arbeitet seit acht Jahren in diesem Bereich - zunächst vier Jahre am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim.

Was steckt hinter dem Programm "Bewegung und Krebs"?

Wiskemann: Das Besondere an dem Konzept ist, dass wir Krebspatienten unmittelbar nach der Diagnose vermitteln, dass systematisches Sport- und Bewegungstraining wichtig ist. Wir bieten ihnen auf freiwilliger Basis parallel zur normalen Therapie Training für Kraft, Ausdauer und auch gegen bestimmte Nebenwirkungen - wie zum Beispiel ein extremes Müdigkeitsgefühl - an. Das Training wird individuell auf die Patienten zugeschnitten. Für Personen mit chemotherapiebedingten Nervenschädigungen sind etwa Koordinationsübungen sehr wichtig. Und wir bieten - das ist, denke ich, ein einmaliges Angebot für eine Klinik in Deutschland und vielleicht sogar in ganz Europa - Rudern an. Das geht aber erst, wenn die Akuttherapie - wie Bestrahlung oder Chemotherapie - abgeschlossen ist.

Inwiefern trägt Sport bei Krebspatienten zur Gesundung bei?

Wiskemann: Es gibt erstens sehr große Beobachtungsstudien mit Krebspatienten, die befragt wurden: Diejenigen, die während der Therapie körperlich aktiv waren, haben danach länger gelebt. Und es gibt zweitens eine Reihe von Studien, in denen festgestellt wurde, dass körperlich aktive Patienten besser Chemotherapien vertragen: Sie sind in der Lage, Nebenwirkungen besser wegzustecken, können dadurch länger und höhere Dosen der Medikamente aufnehmen und erhalten damit bessere Behandlungsergebnisse. Außerdem kann sportliche Betätigung relevante Signalwege und das sogenannte Milieu eines Tumors beeinflussen. Erste Studie zeigen, dass dadurch die Krebszellen in Ihrem Wachstum gehemmt werden können.

Wie wird das Programm bei den Patienten aufgenommen?

Wiskemann: Die Teilnehmer bleiben meist noch Jahre bei uns, auch wenn die Therapie bereits abgeschlossen ist. Sie tun dann weiterhin etwas für ihr körperliches Wohlbefinden und wollen mit dem Sport auch das Rückfallrisiko senken - das freut uns natürlich sehr. Bei einigen der beteiligten Patienten kann der Krebs allerdings nicht mehr geheilt werden - bei ihnen wollen wir erreichen, dass sie während ihrer verbleibenden Zeit die bestmögliche Lebensqualität haben.

Was kann mit den Spendengeldern bewegt werden?

Wiskemann: Als Reinerlös blieben bei der letzten Benefizregatta rund 30.000 Euro übrig - damit kann man einen Therapeuten bezahlen, der sich voll und ganz um die Patienten kümmert. Jährlich haben wir um die 300 neue Patienten. Hinzu kommen 200, die bereits dabei sind. Das bei der Regatta gesammelte Geld fließt komplett in das Programm für Therapie und Personal. Wir ermöglichen den Patienten kostenloses Training, da die Krankenkassen das Sportprogramm während der Akuttherapie nicht unterstützen. Wir möchten die Krankenkassen überzeugen, dass ein entsprechendes Sportprogramm begleitend zur Chemo- oder Strahlentherapie sinnvoll ist.

Wer Krebs hat, sollte Sport treiben?

Wiskemann: Die Diagnose einer Krebserkrankung ist immer ein Schicksalsschlag. Jeder sollte aber wissen: Als Betroffener ist man in der Lage, selbst dazu beitragen zu können, dass die Therapie und deren Nebenwirkungen positiv verlaufen. Wir wollen jeden Patienten ermutigen: Treibe Sport, bewege dich trotz der Krebserkrankung! Sport ist hilfreich und kann zur Genesung beitragen. Denn Bewegung ist neben Medikamenten und Operationen ein wichtiger Bestandteil der Krebstherapie - unser Wunsch ist, dass das irgendwann auch die Krankenkassen erkennen und Sporttraining in ihren Leistungskatalog aufnehmen. 

(Christian Beister © Mannheimer Morgen, Freitag, 05.09.2014)

 

 

 

Sport hilft gegen Krebs

Wichtig ist, dass der Sport den Betroffenen auch Spaß macht.

Wer regelmäßig Sport treibt, kann nach bisherigen Erkenntnissen sein Risiko, an Krebs zu erkranken, senken. Bei Krebspatienten sinkt mit regelmäßiger Bewegung das Rückfallrisiko. Das gilt besonders für Betroffene, die vor der Diagnose sportlich nicht aktiv waren. Bei ihnen reduziert körperliche Aktivität das Risiko für einen erneuten Ausbruch der Erkrankung. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Studien.

Sport ist gut gegen Krebs

Sport hat einen direkten Einfluss auf die Entstehung von Krebs und kann den Verlauf einer Krebserkrankung beeinflussen. Wichtig dabei: Die Bewegung muss Spaß machen.

Sport hilft gegen chronische Erschöpfung

Besonders gut erforscht ist diese Wirkung für Brust-, Darm- und Prostatakrebs. Aber auch bei Leukämie konnten positive Effekte nachgewiesen werden. Im Rahmen der Studien hat sich auch gezeigt, dass körperliche Aktivität typische Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit durch Chemo-, Strahlen- oder antihormonelle Therapien reduzieren kann. Wissenschaftler des Krebsforschungszentrum Heidelberg konnten nachweisen, dass körperlich aktive Brustkrebspatientinnen wesentlich weniger an Fatigue, also der chronischen Erschöpfung bei Krebs, leiden.

Positiver Einfluss auf die Psyche

Sport verbessert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern hat auch einen positiven Einfluss auf die Psyche. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt und die Lebensqualität insgesamt gesteigert. Feste Trainingszeiten sorgen für eine Struktur im Alltag und lenken die Gedanken von der Krebserkrankung ab. Auch der Austausch mit Menschen, die das gleiche Schicksal teilen, kann sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Dabei ist es wichtig, den Trainingsplan individuell an die körperlichen Möglichkeiten der Betroffenen anzupassen. Denn gerade Brustkrebspatientinnen haben Angst, ihren Körper zu belasten und trotz der empfindlichen Operationsnarben zu trainieren.

Genaue Vorgänge im Körper noch unbekannt

Die biologischen Vorgänge, warum Sport diesen unmittelbaren Einfluss auf Krebserkrankungen hat, sind weitestgehend unbekannt. Das liegt vor allem daran, dass die Krebsentstehung ein komplexer Vorgang ist. Sicher ist, dass Sport den Stoffwechsel anregt und dabei hilft, ein gesundes Körpergewicht zu halten. Außerdem vermuten Wissenschaftler, dass Sport Reparaturmechanismen der Erbsubstanz verbessert, den Insulinspiegel senkt und die Menge entzündlicher Botenstoffe reduziert. Bei Frauen mit hormonabhängigen Tumoren wird messbar der Östrogenspiegel im Blut gesenkt.

(N3 – Visite, 23.09.2014, Anna Schubert)

 

 

 

Duisburger ist dem Krebs buchstäblich davon gepaddelt

Die Diagnose vor vier Jahren war für Reimund Buick (67) ein Schock, die Strahlen- und Hormonbehandlung danach eine Tortur. Doch er entdeckte seine alte Leidenschaft für Kanusport wieder und begann mit dem Training. Nun wurde er in Österreich sogar Weltmeister der Senioren.

Das Drama trifft tausende, täglich in Arztpraxen. Die Diagnose Krebs. Ein Schock, nach dem das Leben ein anderes ist . Der Tumor von Reimund Buick (67) wurde 2010 festgestellt. Nach überstandener Operation ist er dem Krebs buchstäblich davon gepaddelt. Und wurde im September in Ottensheim bei Linz in Österreich Weltmeister der Senioren im Kanufahren. Seine Geschichte will Buick nach diesem Triumph über das Schicksal ganz bewusst öffentlich erzählen. Als Mutmacher.

„Ich war mein Leben lang Sportler und dachte, ich habe die Gesundheit für mich gepachtet“, erzählt der Mitinhaber des Fitness-Studios Pallas in Mülheim von seinem Leben vor dem Krebs. Doch sein Arzt, der Urologe Prof. Dr. Berthold Schneider, drängte zu einer genaueren Untersuchung der Prostata, weil ihm einige Blutwerte verdächtig vorkamen. Buick zögerte die Gewebeprobe ein Jahr hinaus. „Als das Ergebnis kam, hab’ ich schon an seinem Gesicht gesehen: Der ist sauer, weil ich so lange gewartet hatte.“ Die Biopsie bestätigte den Verdacht des Mediziners: Ein bösartiges Geschwulst.

Die Therapie hinterließ Spuren - 15 Kilo Übergewicht, schmerzende Knochen

Doch statt sich sofort operieren zu lassen, fuhr Buick erst in den Urlaub nach Korsika. „Das brauchte ich, um runterzukommen“, erzählt er. Nach der OP im April 2010 dann der nächste Schock: Der Tumor war hochaggressiv geworden und ausgebrochen. Buick wurden Lymphknoten entfernt, es folgten Strahlen- und Hormontherapie, die Spuren hinterließen: 15 Kilo Übergewicht, Schmerzen in den Knochen, der früher so agile und zähe Mann nahezu unbeweglich. „Als ich nach zwei Jahren wieder in ein Kanu gestiegen bin, bin ich mehr reingeplumpst als eingestiegen. Und das Aussteigen war noch schlimmer.“

Trotzdem überredete ein Freund Reimund Buick zu einer Wanderfahrt auf der Elbe. „Das war ein Traum. Ich hab’ mich gut erholt.“ Regelmäßig ging der langsam Genesende zur Regattabahn, nicht zum Paddeln, sondern zum Quatschen mit Kumpeln oder Treffen in der Sauna. Bis Hans Günther, Trainer im Verein Bertasee, ihn fragte, ob er nicht bei den Seniorenmeisterschaften starten wolle. Kanute Franz Frank suchte einen Partner für den Zweier. Buick sagte zu, trainierte hart – und wurde 2013 Deutscher Vizemeister. „Da hab ich gesehen, das klappt wieder. Ich hab’ Spaß gekriegt und regelmäßig trainiert.“ In diesem Jahr wurde er in Wiesbaden Sechster bei der Deutschen Meisterschaft im Einer, zehn Sekunden schneller als noch ein Jahr zuvor. „Ein Quantensprung.“ Und im September dann tatsächlich zusammen mit Axel Giesen Kanu-Weltmeister über 2000 Meter im Zweier. Längst hat Reimund Buick da seine alte Sportlichkeit wiedergewonnen.

„Durch den Sport habe ich wieder Normalität erreicht“

Und das will er erzählen: Wie ihm der Sport geholfen hat, wieder Mut zu fassen, aus der Krankheit herauszukommen. „Dadurch habe ich wieder Normalität erreicht. Das hat mich unheimlich aufgebaut.“ Und seine Frau Sabine, die „unglaublich zu mir gehalten hat“.

Heute sagt Buick, er fühle sich geheilt. „Alle Werte sind super. Ich bin zufrieden. Ich würde sogar sagen: glücklich.“ Denn sein altes Leben hat er trotz Genesung nicht wiederbekommen. Sondern ein anderes, vielleicht sogar besseres. „Ich lebe heute positiver, mehr in der Gegenwart. Und das Materielle ist für mich unwichtig geworden.“ Radikal hat er sich von Dingen getrennt, die ihn belasten, das Ferienhaus auf Korsika, sein Sommercabrio. Selbst die Pokale aus seinem früheren Kanu-Leben, die Titel als Drachenbootfahrer und Kanupolo-Spieler hat er schlicht weggeschmissen. . .

(Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 8.10.2014, Ludger Böhne)

  

 

Bremen

Vereine erweitern Sportangebot für Krebskranke

Passend zu den Bremer Krebs-Informationstagen stellten am Sonnabend Bremer Vereine ihr Angebot vor, das auch Erkrankte nutzen können.

Sport und Krebs, passt das zusammen? „Ja!“, betonten am Sonnabend zwölf Sportvereine aus Bremen und Niedersachsen und informierten zwischen 11 und 14 Uhr Krebserkrankte, Angehörige und Interessierte. „Wir wollen den Besuchern bewusst machen, dass sich Betroffene nicht in Watte packen müssen, sondern weiterhin Sport treiben können“, sagte Marie Rösler von der Bremer Krebsgesellschaft. Gemeinsam mit den Kollegen vom Landessportbund Bremen organisierte die Leiterin der Beratungsstellen dieses Jahr erstmalig den Krebssporttag.

Zeitlich passend: Am Donnerstag und Freitag fanden die 11. Bremer Krebs-Informationstage statt. Dort hatten Experten aus Wissenschaft und Praxis rund um das Thema Krebs referiert. Anders als früher angenommen, zeigten aktuelle Studien, dass Bewegung, nicht Schonung, für Heilung sowie Selbstwert- und Lebensgefühl förderlich sei, sagte Svenja Held vom Landessportbund. Bisher gebe es im Land Bremen 26 Sportgruppen bei mehreren Vereinen, in denen Erkrankte und Angehörige mit speziell ausgebildeten Übungsleitern trainieren könnten. Die Kosten dafür trage die Krankenkasse. Vom Krebssporttag erhoffen sich die Veranstalter einen Abbau von Hemmungen, Aufklärung und den Zuwachs von Teilnehmern. „Langfristig wollen wir mehr Sportgruppen mit einem Fokus auf Krebserkrankungen anbieten“, sagte Held.

Bevor es am Sonnabend in den zwölf Vereinen ans Schwitzen ging – ob bei Pilates, Wassersport oder Gymnastik – eröffnete Sport- und Innensenator Ulrich Mäurer am Vormittag die Veranstaltung auf dem Rathausplatz. Er lobte die Zusammenarbeit der Bremer Krebsgesellschaft und des Landessportbundes, die seit 25 Jahren Angebote für Krebserkrankte möglich mache. Finanziert wurde der erste Bremer Krebssporttag aus Spenden des Venuslaufes, einer Benefizaktion der Bremer Krebsgesellschaft.

Auch Übungsleiter und Teilnehmer der Sportgruppen waren an der Eröffnung beteiligt: In einem symbolischen Kreis fuhren sie mit dem Rad um die Rolandstatue, bevor es zu den Vereinen ging. Unter ihnen auch Ludwig Pabst: „Fahrradfahren hält fit.“ Mit der Diagnose Prostatakrebs besuchte der 63-Jährige vor drei Jahren zum ersten Mal eine Männersportgruppe des Vereins ATS Buntentor – und blieb begeistert dabei, erzählte er. Der Krebssporttag sei eine gute Idee, um das begleitende Angebot bei Therapie und Nachsorge in der Stadt publik zu machen, so Pabst.

(Weser-Kurier, 12.10.14, Saskia Bücker)

 

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