Onkologisches Forum Celle e. V.

10.05.18: Stammzellentherapie unter Beschuss
11.08.17: Schulmedizin wirkt
10.08.17: Nachtschichten sind gefährlich
17.05.17: Gefälschte Medikamente auch bei uns?
14.02.17: Verlust von Muskelmasse bei Chemotherapie verkürzt Lebenserwartung
22.11.16: Sind alternative Therapien sinnvoll?
22.09.16: Mangelnde Erfahrung bei Prostatakrebs-Therapien
24.05.16: Sie nehmen Tode in Kauf
05.05.16: DC-CIK-Therapie
25.08.14: "Es gibt leider viel Hokuspokus"
15.04.16: Angeblich wirksame Mittel
13.12.15: Heilpraktiker angeklagt - Frau starb an Krebs
15.10.15: Arte-Dokumentation über selbsternannte Heiler
26.01.16: Wunderfrucht Gaviola?
15.10.15: Antioxidianten - nützlich oder gefährlich?
08.10.15: Wenn Vitamine mehr schaden als nützen
17.06.15: Brokkoli & Co. - Angeblich effektiver als Chemotherapie
31.10.14: Natürlich gegen Krebs
20.03.15: Die Scharlatanerie mit Krebsdiäten
26.01.15: Alternativmedizin: Nachsitzen!
09.08.14: Gefährliches "Wundermittel" gegen Krebs
14.08.14: Warnung vor "Miracle Mineral Supplement (MMS)"
17.01.15: MMS erreicht Kassel
26.02.15: MMS jetzt illegal
14.10.14: Gefälschtes Avastin in NRW aufgetaucht
24.11.14: Kostenerstattung bei Komplementärtherapien
02.03.15: "Wellness"-Kämpferin stirbt mit 30 Jahren an Krebs
10.08.15: Kinder sollen Fruchtbarkeit erhalten
23.05.16: Ukrain-Hersteller zu Haft verurteilt

 

 

Umstrittene Behandlung

Washington erhebt Zivilklage wegen Stammzelltherapien

Die amerikanische Regierung geht gegen Anbieter von Stammzelltherapien vor. Das Justizministerium in Washington reichte am Mittwoch Zivilklagen gegen Kliniken in Kalifornien und Florida ein, da die Wirksamkeit der Behandlungen bislang nicht nachgewiesen sei. Zudem habe die Arzneizulassungsbehörde (FDA) die Therapien nicht genehmigt. Das Ministerium verlangt die Schließung von etwa 100 Einrichtungen wie dem California Stem Cell Center, die damit werben, Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Multiple Sklerose durch Stammzellengaben zu heilen.

„Wir widersprechen der Darstellung, dass die Therapien gefährlich sind. Die Stammzellen der Patienten sind keine Medikamente. Wir stellen keine Arzneimittel her“, sagte der Mediziner Mark Berman, der in Südkalifornien mehrere Kliniken betreibt, dem Sender NBC. In den Vereinigten Staaten bieten Unternehmen seit einigen Jahren Therapien an, bei denen mit Chemikalien angereicherte Stammzellen aus Fettgewebe in erkrankte Körperteile injiziert werden. Die Eingriffe kosten bis zu 50.000 Dollar.

Wie Untersuchungen der Arzneizulassungsbehörde in den vergangenen Wochen zeigten, werden die Stammzellen angeblich nicht wie vorgeschrieben aufbewahrt und verarbeitet. Immer wieder sei es nach den umstrittenen Eingriffen zu Infektionen gekommen. „Die unerforschten und möglicherweise gefährlichen Behandlungen stellen eine Gefahr für die Konsumenten dar. Das Justizministerium sorgt dafür, dass auch die Anbieter experimenteller Therapien ihre Forschungen sicher und legal vornehmen“, begründete das Justizministerium die Klage.

(FAZ, 10.05.2018, Christiane Heil)

 

 

Ohne Schulmedizin sinken die Überlebenschancen

Wer sich gegen eine etablierte Krebstherapie entscheidet und auf alternative Medizin setzt, senkt seine Chancen, die kommenden fünf Jahre zu überleben – durchschnittlich steigt das Sterberisiko um das 2,5-Fache. Das berechneten Forscher von der Yale School of Medicine in Connecticut anhand der Daten von 840 Patienten mit Erstdiagnose behandelbarer Krebsarten wie Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatatumoren. 560 Probanden hatten eine konventionelle Behandlung mit Chemo-, Strahlen-, Hormontherapie oder Operation gewählt. 280 Erkrankte hatten sich dagegen entschieden. Welche Alternativen die Patienten ausprobierten, ob Homöopathie, Anthroposophie, hoch dosierte Vitamine, spezielle Diäten oder anderes, wurde in der Studie nicht weiter aufgeschlüsselt.

Bei Brustkrebs stieg das Sterberisiko bei alleiniger alternativer Behandlung um das 5,7-Fache, bei Darmkrebs um das 4,6-Fache und bei Lungenkrebs um das 2,2-Fache, schreiben die Mediziner im «Journal of the National Cancer Institute». So überlebten 41 Prozent der Lungenkrebs-Patienten unter konventioneller Therapie die kommenden fünf Jahre im Gegensatz zu 20 Prozent unter alternativer Behandlung. Bei Darmkrebs überlebten 79 Prozent unter herkömmlicher Behandlung im Gegensatz zu 33 Prozent, die sich der Schulmedizin verweigerten.

«Wir haben nun Evidenz zur der Annahme, dass der Gebrauch alternativer Medizin anstelle etablierter Krebstherapien zu schlechteren Überlebensraten führt», kommentiert Hauptautor Dr. Skyler Johnson. Die Wissenschaftler hoffen, dass diese Information bei der Entscheidung von Patienten und Ärzten für oder gegen eine bestimmte Therapie helfen kann.

(Pharmazeutische Zeitung, 16.08.2017, dh)

 

 

 

Nachtschicht: Durchmachen bis zum Krebs

Wer immer wieder nachts arbeitet, stellt nicht nur seinen Biorhythmus auf den Kopf, sondern erhöht auch sein Krebsrisiko. Schuld daran könnte ein Mangel des Schlafhormons Melatonin sein, das an der DNA-Reparatur beteiligt ist.
Ob häufiges Arbeiten in der Nacht krebserregend ist, wird schon lange diskutiert. Bereits vor zehn Jahren hat die International Agency for Research on Cancer Nachtschichten, die einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus verhindern, als „wahrscheinlich“ krebserregend eingestuft. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt diese Ansicht. Vorausgegangen war unter anderem eine im Jahr 2001 veröffentlichte Studie, die gezeigt hatte, dass Krankenschwestern, die über 30 Jahre nachts arbeiteten, ein 1,5-fach höheres Brustkrebsrisiko hatten als ihre Kolleginnen, die nachts schliefen und tagsüber arbeiteten.

Nachts funktioniert die DNA-Reparatur besser

Epidemiologen haben nun molekulare Mechanismen, die hinter der erhöhten Brustkrebsrate bei nächtlich arbeitenden Frauen vermutet wird, untersucht. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass der menschliche Körper Schäden an der DNA nachts effektiver reparieren kann als tagsüber. Parveen Bhatti vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle und seine Kollegen hatten in einer vorherigen Studie an Krankenschwestern und anderen Angestellten herausgefunden, dass Menschen, die häufig nachts arbeiteten, weniger 8-Hydroxydesoxyguanosin (kurz: 8-OH-dG) ausschieden.
8-OH-dG entsteht, wenn der DNA-Bestandteil Guanosin oxidiert. „Dazu kommt es routinemäßig, da in normalen Stoffwechselprozessen reaktiver Sauerstoff frei wird. Dieser reagiert mit der DNA und kann dort Mutationen hervorrufen“, erklären die Wissenschaftler den Prozess. DNA-Reparaturenzyme entfernen das schädliche 8-OH-dG und ersetzen es durch unoxidierte Guanosin-Moleküle.
Licht stört den Biorhythmus in der Nacht
Scheidet ein Mensch 8-OH-dG in ausreichender Menge über den Urin aus, gehen Wissenschaftler davon aus, dass ihre DNA-Reparatur intakt ist. Bhatti und seine Kollegen vermuten, dass die verminderte Ausscheidung von 8-OH-dG der häufig nachts arbeitenden Frauen ein (Mit-)Grund für ihre erhöhte Brustkrebsanfälligkeit sein könnte. An der DNA-Reparatur ist offenbar auch das oft als „Schlafhormon“ bezeichnete Melatonin beteiligt.
„Zwischen 19 und 20 Uhr beginnt die Melatonin-Konzentration im Körper anzusteigen. Sie erreicht ihren Peak zwischen 1 und 2 Uhr nachts und fällt dann bis in die frühen Morgenstunden wieder ab“, so die Epidemiologen. Licht sorgt dafür, dass die Zirbeldrüse im Gehirn die Melatoninproduktion reduziert. Auch Licht aus Laptops und Smartphones beeinträchtigen die Synthese des Schlafhormons. „Melatonin synchronisiert die physiologischen Abläufe und den Rhythmus des menschlichen Körpers“, so Bhatti. Das Hormon sei vergleichbar mit dem Mond, der die Gezeiten rhythmisch koordiniert.

Niedriger Melatoninspiegel korreliert mit verminderter 8-OH-dG-Ausscheidung

Die Forscher mutmaßen, dass der menschliche Schlaf unter anderem der Abwehr von Krebs dient. In früheren Studien wurde sowohl Melatonin als auch die DNA-Reparatur von 8-OH-dG mit der Nukleotidexzisionsreparatur (NER) in Verbindung gebracht. Mit diesem System korrigiert der Körper fehlerhafte Stellen, die eine Art „Buckel“ im DNA-Molekül erzeugen und dadurch die Helixstruktur stören.
Bhatti und seine Kollegen haben nun untersucht, ob der Melatonin-Spiegel mit der ausgeschiedenen 8-OH-dG-Menge im Urin korreliert. Dazu nutzte das Team die Daten von 50 Probandinnen, die im vergangenen Jahr an seiner Studie teilgenommen hatten und besonders niedrige Melatonin-Werte aufgewiesen hatten. Die Untersuchungen bestätigten Bhattis Verdacht: Nachtarbeitende Frauen mit einem niedrigen Melatoninspiegel schieden auch etwa 80 Prozent weniger 8-OH-dG aus als ihre nachtschlafenden Kolleginnen.

Melatonin nicht auf eigene Faust einnehmen

Im Moment handelt es sich bei diesem Phänomen jedoch nur um eine beobachtete Korrelation. Einen kausalen Zusammenhang wollen Bhatti und seine Kollegen in einer weiteren Studie untersuchen. Dabei wollen sie die Frage klären, ob die Gabe von Melatonin die nächtliche 8-OH-dG Ausscheidung erhöhen und damit mutmaßlich die DNA-Reparatur verbessern kann. Ist das der Fall, müssten langfristig angelegte Studien klären, ob sich die Gabe von Melatonin bei Schichtarbeiterinnen dauerhaft positiv auf das Brustkrebsrisiko auswirkt. Bhatti warnt ausdrücklich davor, aufgrund der vorliegenden Daten Melatonin auf eigene Faust einzunehmen. Dazu wisse man bisher zu wenig über den Nutzen, eine möglicherweise nützliche Dosierung und Nebenwirkungen, die eine solche Einnahme mit sich bringen könnten.
Bis belastbare Daten vorliegen, rät Bhatti allen Schichtarbeitern, noch mehr als anderen, die gängigen Ratschläge für eine stabile Gesundheit zu berücksichtigen: Ausreichend langer Schlaf, gute Ernährung und regelmäßige Bewegung.

Quellen: Shift work and chronic disease: the epidemiological evidence
X-S. Wang et al.: Occupational Medicine, doi: 10.1093/occmed/kqr001; 2011
Oxidative DNA damage during night shift work
Parveen Bhatti et al.: Occup Environ Med, doi: 10.1136/oemed-2017-104414. 2017

(doccheck.com, 10.8.17, Sonja Schmitzer)

 

Leben von Münchnerin gefährdet

Apotheke verkauft Fälschung - Krebs kehrt zurück

Weil eine Apotheke ein gefälschtes Krebsmedikament verkauft hat, bildeten sich bei einer Münchnerin wieder Metastasen - ihr Arzt meint, "sie hat Lebenszeit verloren." Und es scheint kein Einzelfall zu sein.

München - Im Uniklinikum München wurde einer Krebspatientin ein lebensnotwendiges Medikament verschrieben. Es verlangsamte ihre Krankheit um Jahre - bis die Frau an eine gefälschte Packung geriet. Danach bildeten sich neue Metastasen, der Krebs kam zurück. Das berichtet die tagesschau in einem Beitrag.

Es handelt sich um das Mittel "Sutent" der Firma Pfizer: Ein teures, aber effektives Medikament - bis die Wirkung auf einmal aussetzte. Man muss davon ausgehen, "dass das eine Medikamentenfälschung war", sagt der behandelnde Arzt. "Nach Einnahme des gefälschten Medikaments kommt es zum Wachstum von neuen Metastasen."

"Sie hat Lebenszeit verloren"

"Durch die Einnahme eines wirkungslosen Medikaments hat sie sicher Lebenszeit verloren." Das gefälschte Medikament wurde von einer niedergelassenen Apotheke verkauft - wie es in den Umlauf kam, ist nicht ganz klar. Es könnte sich um einen Re-Import handeln, der das Leben der Menschen gefährdet, um Profit zu machen. Pfizer weiß von keinen Fälschungen, die Ärzte gehen aber davon aus, dass bis zu sieben Todesfälle auf das gefälschte Medikament zurückzuführen sind.

Die Staatsanwaltschaft eröffnet keine Ermittlungen: Die Tabletten sind verbraucht, die Beweise damit verloren. In Essen wurden unlängst gefälschte Medikamente im Wert von 14 Millionen Euro gefunden, die von einem internationalen Fälscherring ins Land geholt worden waren. Über die Niederlande und Indien soll der illegale Handel organisiert und abgewickelt worden sein.

Die betroffene Münchnerin fühlt sich hilflos: "Der Nierenkrebs ist eine ganz fiese Krebsart - und dann geben die was, was vielleicht gar nicht hilft." Sie kann nur weiter gegen die Krankheit kämpfen - doch dass die Händler das Leben von Menschen riskieren und ungeschoren davonkommen, macht sie wütend.

(Abendzeitung, München, 17.5.17, vs)

 

 

Verlust von Muskelmasse bei Chemotherapie verkürzt Lebenserwartung

Überlebenschancen können durch gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung erhöht werden.

Wien. Eine aktuelle Studie des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH hat ergeben, dass ein starker Verlust an Muskelmasse (Sarkopenie) im Rahmen einer Chemotherapie bei Speiseröhrenkrebs die Lebenserwartung von Patienten durchschnittlich um 32 Monate verkürzt. Das teilte die MedUni Wien am Dienstag in einer Aussendung mit.

Speiseröhrenkrebs ist die achthäufigste Krebserkrankung in Österreich. Patienten, bei denen der Tumor zwar fortgeschritten, aber noch nicht metastasiert ist, wird vor einer Operation eine Behandlung mittels Chemotherapie bzw. eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie empfohlen. Als Nebenerscheinung kann es allerdings zu Sarkopenie, also dem starken Verlust von Muskelmasse, kommen. Laut der Studie des CCC bedeutet das eine deutlich verkürzte Lebenserwartung im Vergleich zu Patienten ohne Sarkopenie.

420 Personen erkranken in Österreich jährlich an Speiseröhren-Krebs, wobei die Häufigkeit steigt, ergab eine Erhebung der Statistik Austria. Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum aber auch eine Refluxerkrankung, die eine Zellveränderung in der unteren Speiseröhre verursacht, gehören zu den Risikofaktoren, welche das Entstehen eines solchen Karzinoms begünstigen können. In einer weiteren Studie soll nun erforscht werden, ob eine Kombination aus Ernährungsberatung und physischem Training, die Überlebenschancen von Sarkopenie-Erkrankten erhöhen könnte. "Sarkopenie ist nicht unbedingt eine Nebenwirkung der Chemotherapie. (...) Die Gründe für diesen Verlust der generellen Muskelmasse sind schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung", fügte Matthias Paireder von der Universitätsklinik für Chirurgie in der Presseaussendung hinzu.

(Wiener Zeitung, 14.2.17, APA)

  

 

Sind alternative Therapien sinnvoll?

Diagnose Krebs: Nach dem ersten Schock und belastenden Therapien hoffen viele Betroffene auf unterstützende und lindernde Effekte aus der Naturheilkunde, zum Beispiel Vitamin-Cocktails und Pflanzenextrakte zur Stimulierung des Immunsystems. In Deutschland gibt es mehr als 500 sogenannte biologische Krebsmittel, in der Regel fehlen jedoch wissenschaftliche Beweise für deren Wirksamkeit. Viele Ärzte halten einen unbestimmten Nutzen der natürlichen Methoden für möglich, wissen selbst aber wenig darüber.

Als Ergänzung zur Schulmedizin hoffen viele Krebskranke auf Therapien aus der Naturheilkunde. Wie sinnvoll ist die Behandlung mit Pflanzen, Enzymen und Vitaminen?

Schulmedizinische Krebstherapie nicht abbrechen

Wer auf schulmedizinische Therapien verzichtet, gibt auch einen Teil der Heilungschancen auf. Daher sollten Chemotherapie und Bestrahlung nicht wegen einer alternativen Therapie abgebrochen werden. Der betreuende Arzt sollte wissen, welche Therapien der Krebskranke zusätzlich anwendet. Denn zusätzliche Behandlungen können die Haupttherapie beeinträchtigen oder den Krebs sogar verschlimmern. Nicht alles hilft bei jedem Krebs und in verschiedenen Stadien. Schädlich ist eine Zusatztherapie auch, wenn sie nichts nützt, den Patienten aber finanziell belastet und so in Schwierigkeiten bringt.

Unseriöse Krebstherapeuten erkennen

Immer wieder werden Fälle von unseriösen Therapeuten bekannt, zum Beispiel die experimentelle Therapie eines Heilpraktikers mit der Substanz 3-Bromopyruvat (3BP), bei der drei Menschen starben. Bei alternativen Krebstherapien ist in folgenden Fällen große Vorsicht geboten:

Der Anbieter besteht darauf, dass alle schulmedizinischen Behandlungen wie Chemo- und Strahlentherapie abgebrochen werden.

Er besteht auf einen langfristigen privaten Behandlungsvertrag.

Die Wirksamkeit der Therapie wird allein mit Referenzen, Empfehlungen und Fallberichten "belegt", aber ohne anerkannte wissenschaftliche Publikationen.

Die Sprache der "Belege" klingt wissenschaftlich und ist für Nicht-Mediziner schwer zu verstehen.

Die Therapie wirkt angeblich gegen alle Krebserkrankungen in allen Stadien und gegen andere schwere Erkrankungen wie AIDS und Multiple Sklerose.

Die Methode wird als natürlich, sanft und zugleich nebenwirkungsfrei angepriesen.

Angeblich wurde eine Vielzahl von Erkrankten geheilt, die von Schulmedizinern bereits aufgegeben wurden.

Der Anbieter verweist auf eine Verschwörung schulmedizinischer Ärzten und der Pharmaindustrie, die den Durchbruch einer alternativen Methode verhindern soll.

Verfahren der komplementären Onkologie

Zunehmend werden alternative Krebstherapien auch in der Schulmedizin erforscht und eingesetzt. Meist handelt es sich um Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, der Pflanzenheilkunde, der Ayurvedischen Medizin sowie um Entspannungstechniken und Meditation. Dazu zählen:

Aus der Hanfpflanze synthetisch gewonnen Substanzen (Cannabinoide) sollen Schmerzen lindern sowie Übelkeit und Erbrechen bei Strahlen- und Chemotherapien lindern. In Deutschland sind Cannabinoide ab 2017 kontrolliert zugelassen.

Der Effekt von Mistelextrakt auf die Stärkung des Immunsystems ist wissenschaftlich umstritten. Eine Misteltherapie kann subjektiv die Lebensqualität steigern. Bei bestimmten Krebsarten kann die Einnahme aber gefährlich sein.

Weihrauch wird bei Hirntumoren als zusätzliches Mittel gegen Gewebeschwellungen eingesetzt.

Bei einer Strahlen- oder Chemotherapie sollen Enzyme (Papain, Chemotrypsin, Trypsin, Glutathion) und  Pflanzen (Ingwerwurzel, Shiitake-Pilze) Nebenwirkungen wie Haarverlust, Erbrechen und Nerven-Gefühlsstörungen lindern.

Eine Ernährungstherapie soll einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen vorbeugen. Bei Betroffenen mit Leberkrebs und Darmkrebs sollen ernährungsmedizinische Ansätze lebensverlängernd wirken können.

Eine onkologische Sporttherapie soll das Immunsystem stärken, die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität erhöhen. Auch Tai-Chi und Quigong werden Krebskranken häufig empfohlen.

Meditation kann die negativen psychischen Folgen einer Krebserkrankung reduzieren.

Selen nicht immer sinnvoll

Das Spurenelement Selen kann der Körper nicht selber herstellen, sondern muss es mit der Nahrung aufnehmen. Sowohl in der Prävention als auch in der Krebstherapie wird Selen als unerlässlich angesehen: Das Mineral hilft, schädliche Radikale einzufangen, stabilisiert Immunzellen und kann die DNA reparieren. Zudem soll der Stoff vor Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie schützen. Allerdings stehen zellschützende Mittel wie Selen oder bestimmte Vitamine im Verdacht, auch die Krebszellen zu schützen. Daher sollten diese Mittel erst als Nachsorge zur Chemotherapie in der Aufbauphase eingenommen werden.

Krebszellen töten, ohne gesunde Zellen zu schädigen

Die Schwierigkeit im Kampf gegen Tumore besteht nicht darin, Krebszellen abzutöten. Das wäre mit einfachen Hausmitteln wie Alkohol oder Salz möglich. Dabei werden jedoch auch gesunde Körperzellen geschädigt. Voraussetzung für eine Krebstherapie ist, dass Mediziner Medikamente finden, die ausschließlich in Krebszellen wirken, ohne gesunde Zellen zu schädigen.

Interviewpartner

PD Dr. Jutta Hübner, Fachärzten für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie
Deutsche Krebsgesellschaft e. V., Kuno-Fischer-Straße 8, 14057 Berlin
Tel. (030) 322 932 951, Fax. (030) 322 932 966
E-Mail: huebner@krebsgesellschaft.de
Internet: www.krebsgesellschaft.de
Priv.-Doz. Dr. Isabell Witzel, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Zentrumsleiterin
Brustzentrum
Universitätsklinikum Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 23800, Fax. (040) 7410 54355
E-Mail: iwitzel@uke.de
Internet: www.uke.de

(NDR-Visite, 22.11.2016, Tina Roth)

 

 

Fehlende Erfahrung:

Prostatakrebs-OP kann für Patienten gefährlich werden

Für Prostatakrebs-Operationen benötigen Kliniken Erfahrung. Eine Studie zeigt, dass diese in der Praxis aber nicht vorhanden ist. Eine Gefahr für Patienten.

Bei Prostatakrebs gibt es Empfehlungen für die Behandlung. Die Fachgesellschaft empfiehlt Operationen zur Entfernung der Prostata nur in Kliniken, mit viel Erfahrung. Mindestens 50 Eingriffe im Jahr sollten die Voraussetzung sein.

Die Wirklichkeit sieht laut einer Studie anders aus. Wie im Fachjournal "Prostate Cancer and Prostatic Diseases" beschrieben wird, finden Operationen bei Prostatakrebs oft in Kliniken mit geringer Erfahrung statt. "Zwischen 2006 und 2013 hat sich der Anteil dieser Patienten von 16 auf 28 Prozent fast verdoppelt", sagte Studienleiter Johannes Huber.

Für die Studie wurden 221.000 Eingriffe analysiert, bei denen Ärzte die Prostata entfernt haben. Nun fordern sie, Prostatakrebs-Operationen zu zentralisieren.

Prostatakrebs: Keine festen Regeln bei Operationen zur Prostata-Entfernung

Nach Angaben von Studienleiter Huber zeige die Studie, dass sich das deutsche Gesundheitswesen von Empfehlungen zu Prostata-Operationen entfernt. Darunter leide die Versorgungsqualität und die Sicherheit der Patienten.

Zwar gibt es auch in Deutschland feste Regeln für Operationen - aber die betreffen nur wenige Eingriffe wie Transplantationen von Leber und Nieren oder Operationen an Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre oder Herzkranzgefäßen.

Nun fordern die Autoren der Studie, dass auch für Operationen bei Prostatakrebs verbindliche Regeln vorgeschrieben werden sollte. Dann dürften nur noch Kliniken mit einer jährlichen Mindestmenge an Fällen die Prostata entfernen.

(Augsburger Allgemeine, 22.9.16, dpa)

 

 

Nach Todesfällen in Krebszentrum

Was taugen alternative Krebstherapien?

Der Tod von drei Patienten einer alternativen Krebsklinik in Nordrhein-Westfalen hat die Debatte um die Wirksamkeit von biologischen Therapien gegen den Krebs neu entfacht. Experten warnen: Einige Methoden können Patienten ernsthaft schaden.

Ob "Krebsdiäten", Entgiftungen oder Mistelpräparate - viele Krebspatienten setzen neben der Schulmedizin mit Operation, Strahlen- oder Chemotherapie ihre Hoffnung auf alternative oder komplementäre Methoden. Sie erhoffen sich davon eine wirksamere Bekämpfung des Tumors und die Linderung von Nebenwirkungen. Manche Patienten und Anbieter setzten sogar ausschließlich auf solche Alternativverfahren. Für viele dieser Methoden fehlt nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) allerdings ein Wirksamkeitsnachweis. Auch über Nebenwirkungen ist oft wenig bekannt.

Das alternative Krebszentrum in Brüggen-Bracht wirbt damit, dass 3-Bromopyruvat das "aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung" sei. Das Mittel werde seit einigen Jahren in "experimentellen Grundlagenstudien" untersucht, sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des zum DKFZ gehörenden Krebsinformationsdienstes in Heidelberg. Das Mittel soll den Zuckerstoffwechsel hemmen, so dass Krebszellen zugrunde gehen. Es handelt sich um ein organisches Molekül, das durch ein Brom-Atom ergänzt wird.

Der Ansatz, der auch mit 3-Bromopyruvat verfolgt wird, hat Weg-Remers zufolge "durchaus Berechtigung". Bislang habe es aber erst Untersuchungen an Zellkulturen in der Petrischale und erste Studien an Mäusen und Ratten gegeben. Tierversuche sind aber nicht einfach auf den Menschen übertragbar, etwa wegen des unterschiedlichen Stoffwechsels. "In den Datenbanken haben wir noch keine Hinweise auf klinische Studien am Menschen gefunden, die Voraussetzung für eine Zulassung als Arzneimittel wären", sagt Weg-Remers. Solche Ansätze sind also nicht unbedenklich. Alternativmediziner bewegten sich damit in einem "rechtlichen Graubereich".

Expertin rät von Krebsdiät ab

Die Bandbreite alternativer Krebstherapien reicht aber noch viel weiter - von pflanzlichen Präparaten über Nahrungsergänzungsmittel bis hin zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Mistelextrakte sind die am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamente bei einer Krebsbehandlung - und zugleich eine der umstrittensten Therapien. Ob die Mistel gegen Krebs wirkt, lässt sich bis heute trotz umfangreicher Forschung nicht zweifelsfrei beantworten. Es gibt Hinweise, dass sich Patienten damit allgemein besser fühlen und ihre Lebensqualität während einer Chemotherapie weniger leidet.

Eine Krebsdiät, mit der man Tumore heilen könnte, gibt es nicht. Die Vorstellung, man könne einen Tumor durch Fasten oder kohlenhydratfreie Nahrung "aushungern", sei naiv, sagt Weg-Remers. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft rät Patienten von einer kohlenhydratarmen oder -freien Ernährung ab. Es habe bislang für keine Diät überzeugend gezeigt werden können, "dass sie Krebserkrankungen aufhalten und die Überlebenszeit verlängern könnte". Eine strenge Krebsdiät könne sogar den oft ohnehin schlechten Ernährungszustand von Patienten verschlimmern.

Abgesehen vom fehlenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis können "sanfte" Methoden und vermeintlich harmlose pflanzliche Mittel zudem unerwartete Wechselwirkungen mit einer Chemotherapie haben. Patienten sollten ihre Ärzte deshalb informieren, wenn sie eine Alternativbehandlung anstreben. Vorsicht ist nach Angaben des Krebsinformationsdienstes auch geboten, wenn ein Anbieter verspricht, dass seine Methode gegen alle Krebsarten helfe oder das Mittel per Internet aus dem Ausland bestellt werden muss.

(ntv, 5.8.16, Andrea Hentschel/AFP)

 

 

Sie nehmen Tode in Kauf

Kaffee-Einlauf und Heil-Musik: Das skrupellose Geschäft mit der Krebs-Angst

Die Alternativmedizin verspricht Heilung ohne Nebenwirkungen, ohne Chemie oder Pharmaindustrie. Vor allem wenn es um lebensbedrohliche Krankheiten wie Krebs geht, sind Patienten und ihre Angehörigen bereit, alles zu tun - und alles zu zahlen.

Doch hinter den Versprechen der "Heiler" verbergen sich oft Mittel und Methoden, die gar keine Wirkung zeigen, im schlimmsten Fall sogar schädlich sind. Quacksalber und Scharlatane spielen mit den Ängsten und Hoffnungen der Kranken - und machen mit falschen Heilversprechen ordentlich Kasse.

Um diese Thematik geht es in der SWR Dokumentation "betrifft: Krebs: Das Geschäft mit der Angst. Gefährliche Folgen alternativer Behandlung", zu sehen am Mittwoch, 1. Juni, 20:15 Uhr, SWR Fernsehen.

Nach Behandlung bei Heilpraktiker: Brustkrebspatientin tot

Die an Brustkrebs erkrankte Irit Lauven legt ihre ganze Hoffnung in die so genannte Galvanotherapie. Mit Hilfe von Strom will ein Heilpraktiker ihre Tumore zum Schrumpfen bringen. Doch trotz der angeblichen Erfolge, die er in Zusammenarbeit mit einem Röntgeninstitut verspricht, geht es Irit Lauven immer schlechter. Kurz vor ihrem Tod merkt sie, dass sie auf einen Scharlatan hereingefallen ist und erstattet Anzeige. "Für mich ist das ganz klar eine Körperverletzung", sagt ihre Anwältin Maia Steinert. Doch lässt sich das auch vor Gericht beweisen?

Welche zum Teil abstrusen Therapien Heilpraktiker und Ärzte krebskranken Patienten anbieten, hat Filmautorin Claudia Ruby in einer monatelangen Undercover-Recherche herausgefunden. Sie besuchte mehrere 'alternative' Praxen und Kliniken und präsentierte dort den Fall eines Krebspatienten, der mit klassischer Chemo- und Strahlentherapie gut heilbar wäre.

Bittere Aprikosenkerne und Kaffeeeinläufe gegen Krebs?

Aus den medizinischen Unterlagen ging das eindeutig hervor, doch die "Heiler" setzten stattdessen auf Heilmusik, bittere Aprikosenkerne, Kaffeeeinläufe und Krebsdiäten. Ratschläge, die für einen echten Betroffenen den sicheren Tod bedeuten würden.

Gibt es Wundermittel gegen den Krebs? Weshalb wenden sich so viele Patienten von der klassischen Medizin ab? Und warum ist die Justiz oft machtlos gegen geschäftstüchtige Scharlatane? Der Film gibt wissenschaftlich fundierte Antworten und liefert schockierende Einblicke in das Geschäft der angeblich sanften Medizin.

(Focus, 24.5.16, dpa)

 

 

DC-CIK-Therapie

Tod eines Studenten lenkt Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Krebstherapie

Der Tod eines 21-jährigen Studenten hat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf eine teure Krebstherapie gelenkt, auf die in China in den vergangenen Jahren geschworen wurde.

Wei Zexi, Student an der Xidian-Universität in der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi, starb am 12. April an synovialem Sarkom, einer seltenen Krebsart des Weichteilgewebes, nachdem er in einem Krankenhaus des Beijinger Bewaffneten Polizeikorps behandelt worden war.

Die DC-CIK-Therapie, mit der Wei behandelt worden war, wurde als eine Art der Immunotherapie angewendet. Das eigene Immunsystem des Patienten wird genutzt, um gegen den Krebs zu kämpfen. Allerdings wurde die DC-CIK-Therapie bereits im Westen gestoppt, weil es schwierig war, ihre Auswirkungen zu bewerten. „In den USA wurden die klinischen Tests der traditionellen CIK-Therapie gestoppt“, so Zhang Minhui, Forscher vom Medizinischen Zentrum an der Tsinghua-Universität.

Die ungehinderte Entwicklung der Therapie wird teilweise von riesigen Gewinnen angetrieben. Ein Branchenexperte sagte, dass jeder mit 500.000 Yuan (66.830 Euro) bis 600.000 Yuan (81.000 Euro) in das Geschäft einsteigen könne. Eine vollständige Therapie koste rund 200.000 Yuan (26.730 Euro). “Schon mit weniger als zehn Patienten macht man Gewinn“, so der Branchenexperte.

Schludrige Kontrolle der Regierung wird ebenfalls für die Entwicklung der Therapie verantwortlich gemacht. 2015 lockerte die Nationale Kommission für Gesundheit und Familienplanung die Beschränkungen für Krankenhäuser, die berechtigt sind, die DC-CIK-Therapie anzubieten. 2013 reichte Zeng Yixin, führender Onkologe, Vorschläge für Therapiestandards bei betreffenden Behörden ein, doch er hat bis heute keine Antwort erhalten. In der Tat ist unklar, welche Regierungsabteilung für die Überwachung der Angelegenheit zuständig ist. Experten debattieren, ob sie in die Zuständigkeit der Chinesischen Verwaltung für Lebensmittel und Medikamente oder der Nationalen Kommission für Gesundheit und Familie fällt, da sie nicht entscheiden können, ob sie als Medikament oder Behandlungsmethode angesehen werden soll.

Es hat sich außerdem herausgestellt, dass Krankenhäuser in dieser Hinsicht keine Selbstdisziplin haben. Um zu vermeiden, die notwendigen internen Inspektionsverfahren zu durchlaufen, vergeben Krankenhäuser häufig Unterverträge für einen Teil der Therapie an Labors von Drittparteien. Trotz schludriger Überwachung, einem Mangel an Standards und umstrittener Wirkung ist die Therapie immer noch in vielen Provinzen und Regionen im Leistungspaket des öffentlichen Gesundheitswesens enthalten.

(http://german.china.org.cn, 5.5.16)

 

 

„Es gibt leider viel Hokuspokus“

KREBSTHERAPIE Prof. Franz-Josef Prott über den sinnvollen Einsatz von Naturheilkunde / Online-Plattform im Aufbau

WIESBADEN - Naturheilkunde und Krebstherapie sind zwei scheinbar unvereinbare Parallelwelten der Medizin. Doch viele Patienten nehmen zusätzlich alternative Medikamente. Eine Nachfrage, die sich nicht selten „Wunderheiler“ zunutze machen. Professor Dr. Franz-Josef Prott ist zweiter Vorsitzender von Prio, einer Gruppe von Medizinern, die für einen sinnvollen Einsatz von Naturheilkunde in der Onkologie wirbt.

Professor Dr. Franz-Josef Prott hat an der Universität in Münster Medizin studiert und leitet seit 16 Jahren das Zentrum für Radiologie und Strahlentherapie am St.-Josefs-Hospital in Wiesbaden.

Herr Prof. Prott, die Alternativmedizin wird von Schulmedizinern häufig als unseriös abgetan. Sie setzen sich im Gegensatz dafür ein, naturheilkundliche Aspekte in die Onkologie zu integrieren. Wie geht das zusammen?

Alternativmedizin ist in unserem Fall nicht zutreffend, sondern eher Komplementärmedizin. Die drei Säulen der Onkologie sind die Chirurgie, die Chemo- und die Strahlentherapie. Komplementär bedeutet, dass naturheilkundliche Aspekte die konventionelle Therapie ergänzen: mit naturheilkundlichen Medikamenten, mit Sport, Ernährung und psychoonkologischer Betreuung. Um für diesen Ansatz zu werben, haben wir Prio gegründet.

Was ist Prio?

Das ist eine Arbeitsgruppe unter dem Dach der Deutschen Krebsgesellschaft. Prio steht für Prävention und integrative Medizin in der Onkologie. Ausschlaggebend waren neue Studien, denen zufolge unabhängig vom Typ der Krebserkrankung 40 Prozent aller Patienten zusätzlich komplementäre Medikamente nutzen. Bei Brustkrebspatientinnen sind es sogar bis zu 90 Prozent.

Nach Absprache mit dem behandelnden Onkologen?

Nein, da liegt das Problem. Viele trauen sich nicht zu fragen, weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden. Wir möchten darüber informieren, welche naturheilkundlichen Medikamente Sinn machen. Und ungefährlich sind.

Das ist ein wichtiger Punkt, gerade mit der Not von Krebspatienten wird Geschäft gemacht. Dubiose Medikamente und Wunderheiler versprechen Hilfe...

Ja, leider, es gibt verschiedene Produkte, vor denen wir explizit warnen. Medikamente aus China sind oft stark belastet mit Schwermetallen. Wunderheiler werben mit glücklichen Einzelfällen, bei denen eine Heilung auch ganz ohne ihr Zutun möglich und wahrscheinlich war, jedoch werden diese Fälle nie genau untersucht. Solche Spontanheilungen gibt es aber auch in der konventionellen Medizin gelegentlich, hier erfolgt aber immer eine entsprechende wissenschaftliche Auswertung.

Liegt der Erfolg dieser Wunderheiler daran, dass Patienten in ihrem Onkologen bisher keinen Ansprechpartner für ergänzende Heilmethoden gesehen haben?

Nicht nur. Hier kommt besonders der Aspekt der „sanften Medizin“ ins Spiel. Viele Patienten, die die Diagnose Krebs erhalten, schrecken vor der Therapie mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie zurück und wenden sich Alternativmethoden zu. Die Folgen sind fatal. Wir behandeln oft besonders Frauen mit Brustkrebs, die bei der Diagnose zuerst heilbar gewesen wären und dann, wenn sie zu uns kommen, können wir nur noch palliativ die Symptome behandeln.

Mit Prio möchten Sie nun solche Patienten abholen?

Der Patient und sein Bedürfnis, selbst etwas zu tun, stehen im Mittelpunkt. Außerdem arbeiten wir an einer internetbasierten Plattform, über die sich Ärzte und Patienten über komplementäre und präventive Medizin informieren können. Es ist das erste Angebot in dieser Richtung, und es ist sehr wichtig. Es wird leider viel Hokuspokus verbreitet, wir wollen mit einem fundierten Informationsdienst dem gegensteuern.

Welche Mittel der Naturheilkunde helfen?

Selen senkt beispielsweise die Nebenwirkungen am Darm bei Bauchbestrahlungen. Wir wenden Selen hoch dosiert sehr gerne bei Patientinnen an, die nach Bestrahlung der Lymphabflusswege bei Brustkrebs einen Lymphstau des Arms bekommen haben. Salbei, Ingwer und Honig haben wir fest im Programm bei Beschwerden der Hals- und Rachenregion.

Bekannte Hausmittel, die in der Onkologie helfen sollen?

Ja, unseren Patienten, die wir im Kopf- und Halsbereich bestrahlen, raten wir gerne, einen Löffel voll Honig zwischendurch einzunehmen und warmen Salbeitee stets griffbereit zu haben. Salbei wirkt antibakteriell und ist fester Bestandteil unserer Mundspülungen. Zudem helfen Traubensilberkerzenextrakte gegen Hitzewallungen, die bei einer Anti-Hormon-Therapie von Brustkrebspatientinnen oft auftreten können.

Das sind Beispiele für begleitende Mittel, wie sieht es in der Prävention aus?

Die Ernährung ist sehr wichtig, bei Darmerkrankungen zum Beispiel. Eine ballaststoffreiche Ernährung wirkt vorbeugend gegen Darmkrebs. Auf der anderen Seite sind wir erklärte Feinde jeder Krebs-Diät.

Eine Krebs-Diät?

Nach dem Motto, wenn Sie dieses oder jenes essen oder darauf verzichten, schaden Sie Ihrem Krebs, das ist Unsinn. Auch die sogenannte ketogene Ernährung, die oft genannt wird. Da gibt es keine seriösen Studien. Die Belastungen durch die Krebstherapie sind groß genug, da sollten sich die Patienten ausgewogen ernähren und nicht mit einer Diät belasten.

Ist Wiesbaden für Prio der entscheidende Standort?

Wir hoffen, dass wir Prio und den Gedanken der Arbeitsgruppe in Wiesbaden etablieren können. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es hier viele Menschen gibt, die sehr gesundheitsorientiert sind.

Aber auch für das Fachpersonal, Sie laden doch auch zu Schulungen ein?

Wir bieten zertifizierte Fortbildungsveranstaltungen zur integrativen Onkologie an. Wir möchten Kollegen aufklären, welche Medikamente sinnvoll sind, welche nur viel Geld kosten oder gar schaden. Wir vermuten, dass onkologische Patienten jährlich etwa sechs Milliarden Euro für solche Medikamente ausgeben.

(Wiesbadener Kurier, 25.8.2014, das Interview führte Alexandra Maus)

 

 

 

Angeblich wirksam

Mittel gegen Krebs? Wenn Ihnen ein Freund dazu rät, seien Sie skeptisch

Pseudo-Studien gegen Krebs helfen. Doch sind die Mittel tatsächlich effektiv? Diese sechs vermeintlichen Heilmittel sollten Sie im wahrsten Sinne des Wortes mit Vorsicht genießen.

So manche Schlagzeilen machen Hoffnung, einfache Methoden könnten Krebs vorbeugen oder heilen. Wenn Ihnen jemand mit diesen angeblichen Wundermitteln kommt, sollten Sie genauer hinschauen:

1. "Brokkoli hilft gegen Krebs"

Eine Studie des Texas A&M Health Science Centers will zeigen, dass Brokkoli dabei helfen kann, Krebs aktiv zu bekämpfen. Das enthaltene Sulforaphan hemmt die Entstehung von Prostata- und Darmkrebszellen.

Bisher liegen allerdings nur Ergebnisse aus Untersuchungen an Mäusen und Mini-Studien mit sehr geringer Teilnehmerzahl vor.

2. "Algen transportieren Medikamente in die Tumorzellen"

Forscher aus Australien wollen ein Mittel gegen Krebs gefunden haben: Kieselalgen sollen Krebsmedikamente direkt in die Tumorzellen transportieren.

Doch bevor Sie sich jetzt mit Algen eindecken: Im Test an Mäusen konnten die mit Medikamenten angereicherten Algen zwar bis zu 90 Prozent der bösartigen Tumorzellen zerstören. An Menschen wurde die Methode aber bislang noch nicht getestet.

3. "Nahrungsergänzungsmittel halten gesund und schützen vor Krebs"

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben häufig damit, dass unser Essverhalten keinen ausreichenden Schutz vor Krankheiten bietet – und wir zusätzlich Vitamine einnehmen sollten.

Dabei lässt sich ein ungesunder Lebensstil mit ein paar Tabletten nicht ausgleichen. Außerdem deuten Studien darauf hin, dass hochdosierte Vitamintabletten das Krebsrisiko sogar steigern könnten, warnt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums.

4. "Ingwer hemmt die Krebszellen"

Immer wieder weckt eine Studie Hoffnung auf die heilende Wirkung von Ingwer. Forscher konnten bereits zeigen, dass bestimmte Bestandteile der Knolle das Wachstum von Krebszellen hemmt.

Doch alle Versuche fanden bislang nur im Reagenzglas statt. Der Weg zu einem effektiven Ingwer-Medikament ist noch lang. Ingwer zu essen oder als Tee zu trinken, hilft nicht gegen Krebs.

5. "Die Graviola-Frucht hilft besser als jede Chemotherapie"

Die Tropenfrucht Graviola soll Krebs heilen, behauptet eine Studie, die im „Journal of Natural Products“ erschien. Im Netz kursiert die Annahme, die Frucht könne Krebs 1000-mal besser heilen als eine Chemotherapie.

Doch die Studie beschreibt nur einen Laborversuch. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf den menschlichen Körper übertragen.

6. "Täglich ein paar Aspirin-Tabletten"

Forscher des Medizinischen Universitätszentrums Leiden haben Daten von mehr als 13.000 Menschen mit Krebs im Verdauungstrakt ausgewertet. Sie behaupten: Eine geringe Dosis Aspirin pro Tag verlängert das Überleben von Krebspatienten.

Doch die Untersuchung ist mit Vorsicht zu genießen. Die Forscher verknüpften die Daten der Patienten mit Arzneimittelverordnungen. Möglicherweise haben nicht alle Patienten die verschriebenen Medikamente auch tatsächlich eingenommen. Andere könnten sich Aspirin ohne Rezept besorgt haben. Die Wissenschaftler kündigten bereits eine Folgestudie mit höheren Standards an.

(Focus online, 15.4.16)

 

 

Heilpraktiker angeklagt: Frau starb an Krebs

Bedauerlicher Tod einer jungen Kärntnerin hat gerichtliches Nachspiel. Eine Heilpraktiker aus Deutschland versicherte der Frau, sie habe nur eine Brustentzündung und nicht Krebs. Er behandelte sie homöopathisch.

Die Mutter eines schulpflichtigen Mädchens starb im Jahr 2013 an Brustkrebs. Die Frau aus Unterkärnten wurde nur Mitte 40. „Für den bedauerlichen Tod der Frau ist die Vorgehensweise eines Heilpraktikers verantwortlich“, sagt Ernst Maiditsch, der Anwalt der Hinterbliebenen. Mittlerweile hat auch die Staatsanwaltschaft Regensburg Anklage gegen den Heilpraktiker, er ist Deutscher, erhoben. „Dem Mann wird fahrlässige Tötung durch Unterlassung vorgeworfen“, bestätigt Oberstaatsanwalt und Pressesprecher Theo Ziegler.

Der Heilpraktiker war in Kärnten und Deutschland tätig. Die Unterkärntnerin suchte ihn auf, weil bei ihr Ende 2008 Brustkrebs diagnostiziert worden war. Die Ärzte des Landeskrankenhaus Wolfsberg empfahlen der Frau eine Brustentfernung (Masektomie). „Die Betroffene wollte eine zweite Meinung, deshalb ging sie im Jänner 2009 zu dem Heilpraktiker“, sagt Maiditsch Dieser erklärte der Patientin, sie würde nicht an Krebs leiden und habe auch keinen bösartigen Tumor, sondern lediglich eine Brustdrüsenentzündung. So steht es in der Anklageschrift. Mittels Auspendeln sei der Heilpraktiker zu seiner „Diagnose“ gekommen, heißt es weiter. Als Therapie verordnete er der schwer kranken Frau „selbst hergestellte homöopathische Mittel in erheblichen finanziellen Umfang“, schreibt die Staatsanwaltschaft.

"Pflichtwidrig"

„Allein für Medikamente und Behandlungen hat die Frau dem Heilpraktiker 27.500 Euro bezahlt“, konkretisiert Anwalt Ernst Maiditsch, der den Fall ins Rollen gebracht hat. Knapp vier Jahre lang war die Betroffene bei dem Heilpraktiker in Behandlung. Der Verdächtige habe gegen alle Regeln verstoßen, die Heilpraktiker anzuwenden haben, betont Maiditsch. „Er unterließ es, die Frau über die tatsächliche Erkrankung und die Risiken aufzuklären und sie an medizinisches Fachpersonal zu verweisen“, heißt es von der deutschen Staatsanwaltschaft. Der Heilpraktiker habe pflichtwidrig gehandelt. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung könne man davon ausgehen, dass sich die Patientin einer angemessenen medizinischen Behandlung unterzogen hätte, wenn sie vom Heilpraktiker sachgerecht aufgeklärt worden wäre. Anwalt Maiditsch betont: „Bei einer rechtzeitigen Operation hätte der frühe Tod der Frau verhindert werden können.“Ein medizinischer Gutachter schreibt unmissverständlich: „In dem Fall eine alleinige homöopathische Behandlung einzuleiten erscheint aus onkologischer Sicht unvertretbar und grob fahrlässig.“

"Keine Sorgen machen"

Doch warum hat die Mutter dem Heilpraktiker geglaubt? „In Ihrer Angst vor dem Krebs ergriff die kranke Frau wohl jeden Strohhalm“, meint Maiditsch. Laut Maiditsch gibt es einen Zeugen, der gesehen hat, wie der Heilpraktiker die Frau kurz vor ihrem Tod im Krankenhaus besucht hat. Sogar damals soll der Verdächtige noch gesagt haben: „Machen Sie sich keine Sorgen. Sie haben keinen Krebs.“

Die Anwältin des Verdächtigen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Es ist davon auszugehen, dass der Heilpraktiker alle Vorwürfe bestreitet. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

(Kleine Zeitung, Kärnten, 13.12.15, Manuela Kalser)

 

 

Arte-Doku über selbsternannte Krebs-Heiler

Blindes Vertrauen in Scharlatane

Die Schulmedizin bringt Krebspatienten oft an ihre Grenzen. Eine Arte-Dokumentation deckt auf, wie Alternativmediziner und Wunderheiler diese Situationen ausnutzen.

Die meisten Menschen verbinden mit Krebs einen nahen, extrem leidvollen Tod. Und obwohl die Realität heute oft anders aussieht und immer mehr Patienten die Krankheit überwinden können, bleibt die Therapie eine Folter. Viele Betroffene fühlen sich nach der ersten Behandlung, als würden sie bereits sterben. Und manche sind nach der ersten Tortur von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung nicht mehr bereit, den Kampf mit diesen brutalen Mitteln fortzusetzen. Wie im Fall von Irit Lauven.

Die Deutsche wohnt in Australien, genießt das Leben. Dann bekommt sie Brustkrebs - mit Anfang 30. Sie will weiterleben, macht das komplette Programm durch, sie kotzt, leidet. Am Ende der Tortur schwört sie, trotz des medizinischen Erfolgs, diese Strapaze nie wieder mitzumachen. Nie wieder. Vier Jahre später kehrt der Krebs zurück und stellt ihren Schwur auf die Probe.

Die Arte-Dokumentation "Krebs: Das Geschäft mit der Angst" zeigt, wie sich Irit und andere Menschen in dieser Situation für einen Weg jenseits der Schulmedizin entscheiden und ihr Schicksal in die Hände von Alternativmedizinern und selbsternannten Heilern legen. Gerade in Deutschland genießen deren Praktiken großes Vertrauen, jeder Vierte glaubt an Wunderheiler und unerklärbare Phänomene.

Im Fall von Irit ist es ein Mann aus Köln, der behauptet, er könne ihre Krebszellen mit schwachem Gleichstrom vernichten. Für die Wirksamkeit dieser "Galvanotherapie" gibt es keinerlei Belege. Doch Not schafft Vertrauen. Blindes Vertrauen.

Die Eltern der mittlerweile verstorbenen Irit sollten sich später fragen, warum sie die Sache nicht durchschauen wollen. Als sie beim Heiler und in der anhängigen Radiologiepraxis cash bezahlen müssen. Und als es der Tochter immer schlechter geht, obwohl die Galvanotherapie nach Aussage des Heilers wirkt und den Krebs stoppt. Irit macht weiter, bis es nicht mehr geht und die Familie ein öffentliches Krankenhaus aufsucht. Ein einziges Röntgenbild gibt die Wahrheit preis: Sie hat jede Chance versäumt, ihren Krebs zu besiegen. Ihr Körper ist voller Metastasen.

"Es war wie eine Sucht"

Die Kölner Wissenschaftsjournalistin Claudia Ruby hat für ihren Film in Praxen verdeckt recherchiert. Hat Betroffene, Angehörige in Deutschland und Frankreich aufgesucht und verschiedene Verfahren unter die Lupe genommen, von Handauflegen bis hin zur Neuen Germanischen Medizin und deren französischem Ableger, der Biologie Totale.

Es ist nicht der erste Anlauf, dem Phänomen der Krebs-Scharlatane auf die Spur zu kommen: Der Stern hat erst im vergangenen Jahr eine Undercover-Recherche in 20 deutschen Heil- und Arztpraxen mit alternativen Krebstherapien veröffentlicht. Doch "Das Geschäft mit der Angst" fokussiert weniger auf die absurden Methoden, mit denen alternative Ärzte und Heilpraktiker Patienten das Geld aus der Tasche ziehen. Dass vorgeblich "intelligente" Ströme, Kaffee-Einläufe und Anti-Krebs-Musik keine Tumore wegschmelzen, ist vielen Zuschauern wohl ohnehin klar.

Alternativmedizin Weißbrot gegen Krebs

Sie wähnen sich im Besitz exklusiven Wissens und überschreiten oft selbstbewusst ihre Befugnisse: Dabei kann man in Deutschland Heilpraktiker werden, ohne je einen Patienten gesehen zu haben. Erfahrungsbericht aus einer Heilpraktiker-Ausbildung.

Was aber bringt intelligente Menschen dazu, ihr Leben solchen obskuren Therapeuten und Therapien anzuvertrauen? Warum folgen sie einem Betrüger, wenn der Betrug längst offenkundig ist? Warum entfernen sich Kranke in ihrer leidvollen Situation lieber von ihrer Frau, als von den leeren Versprechen einer Biologie Totale? Was enthält ihnen die Schulmedizin vor, die letztlich doch die besten Chancen auf Heilung bietet?

Die Schulmedizin bekommt ihr Fett weg

Angst und Verzweiflung treiben die Patienten an, auch die Enttäuschung über die fehlende Fürsorge in den Krankenhäusern spielt eine Rolle, das macht die Produktion der Kölner TV-Firma Längengrad sehr deutlich. Die Schulmedizin bekommt ihr Fett weg, denn anders, rücksichtsvoller, schonender ginge es allemal. Doch im Film wird auch klar, dass Patienten auch abhängig werden können von ihren Heilern. "Es war wie eine Sucht", sagt die Ehefrau eines Betroffenen.

Irit schreibt nach der Offenbarung ihres Zustands im Krankenhaus einen verzweifelten Brief an ihren Heiler. Er hat sie um Lebenszeit, wenn nicht sogar ums Überleben gebracht - des Geldes wegen. Beweisen kann sie das allerdings nicht. Und dann geht Irit wieder hin. Sie lässt sich weiter von diesem Mann behandeln. Bis zum bitteren Ende.

(SZ, 16.10.15, Kathrin Zinkant)

 

 

 

Der Fakten-Check von FOCUS Online

Wunderfrucht Graviola hilft gegen Krebs? Das ist wirklich dran an der Studie

Eine Webseite für vegane Ernährung macht Krebspatienten Hoffnung: Die Tropenfrucht Graviola soll Krebs heilen. Das beweisen angeblich Studien. Aber ist das wirklich möglich? FOCUS Online checkt für Sie die Fakten und erklärt, was hinter der Behauptung steckt.

„Ungewöhnliche Frucht ist 1000-mal wirksamer gegen Krebs als Chemotherapie“ – mit dieser sensationellen Schlagzeile wärmt die Seite „Bewusst-vegan-froh“ vermeintliche Hoffnungsmeldungen auf. Sie zitiert eine 1996 im „Journal of Natural Products“ erschienene Studie.

Deren Ergebnis soll gewesen sein: Die Tropenfrucht Graviola und vor allem ihre Samen enthalten eine zytotoxische Substanz. Diese sei gegen Krebs 10.000-mal wirksamer als starke Chemotherapeutika und 1000-mal effektiver als eine Chemotherapie.

Der Haken: Die Studie beschreibt einen Laborversuch. In diesem wirkten einzelne Bestandteile aus der Graviola-Frucht gegen bestimmte Krebszellen tatsächlich ähnlich gut wie das Chemotherapeutikum Adriamycin. Darunter waren beispielsweise Zellen von Lungenkrebs, Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Laborergebnisse sind allerdings keinesfalls direkt auf Wirkung im menschlichen Körper übertragbar.

(Focus, 26.1.16, keko)

 

 

Was dem Krebs hilft

Antioxidantien in Vitaminpräparaten und Nahrungszusätzen galten lange als Allheilmittel. Jetzt zeigt sich: Sie hemmen nicht das Tumorwachstum, sondern fördern es offenbar.

Wer Krebs verhindern oder etwas gegen eine Tumorerkrankung tun will, kommt auf viele Ideen. Besonders populär ist es, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die freie Radikale abfangen sollen. Doch sind diese Antioxidantien offenbar nicht hilfreich. Im Gegenteil: Die zumeist frei verkäuflichen Tabletten und Pülverchen aus der Apotheke scheinen das Krebswachstum sogar zu befeuern, wie eine Untersuchung in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature (online) nahelegt.

Wissenschaftler um Sean Morrison von der University of Texas in Dallas haben beobachtet, dass sich bei Krebserkrankungen unter dem Einfluss von Antioxidantien weitaus häufiger und schneller Tochtergeschwülste bilden. Werden menschliche Hautkrebszellen in Mäuse übertragen, entwickeln sich Metastasen offenbar nur, wenn die Beilagen stimmen. "Unter starkem oxidativen Stress sterben die meisten metastasierenden Krebszellen ab", sagt Morrison. "Nach Zugabe von Antioxidantien überleben hingegen mehr zirkulierende Tumorzellen, und die Menge und Größe der Metastasen nimmt zu."

Diese Erkenntnisse stammen zwar aus Tierversuchen, welche sich oft nicht auf den Menschen übertragen lassen. In diesem Fall spricht allerdings einiges dafür, dass die Analogie zulässig ist und auch Krebspatienten nicht von Antioxidantien profitieren und vermutlich sogar Schäden davontragen. Einerseits kann mithilfe des Tiermodells erstaunlich zuverlässig vorausgesagt werden, bei welchen Patienten mit Hautkrebs sich Metastasen bilden: Entwickeln transplantierte Tumorzellen in der Maus Absiedlungen, sind sie auch bei jenen Patienten zu befürchten, von denen die Krebszellen stammen. Bleibt das übertragene Krebsgewebe in der Maus hingegen auf den Primärtumor begrenzt, ist auch bei den entsprechenden Menschen keine Streuung zu erwarten.

Noch überzeugender sind die Hinweise aus diversen klinischen Studien mit Krebspatienten. "Der Glaube, dass Antioxidantien hilfreich und nützlich sind, war ja lange so stark, dass in vielen Untersuchungen die Präparate an Tumorkranken getestet wurden", sagt Morrison. "Einige dieser Studien mussten sogar vorzeitig abgebrochen werden, weil Patienten, die Antioxidantien bekamen, eher starben. Unsere Befunde liefern die mutmaßliche Erklärung dafür: Krebszellen profitieren von Antioxidantien stärker als normale, gesunde Zellen."

Anzeige

Werden zusätzlich zur normalen Ernährung Vitamin- und Ergänzungspräparate aufgenommen, kommen Lungenkrebs und Prostatakrebs häufiger vor und Patienten sterben schneller daran, wie diverse Studien in der Vergangenheit gezeigt haben. Das Gleiche gilt für Nahrungsergänzungsmittel und Brustkrebs. Auch hier schreitet der Tumor rascher voran, wenn Patientinnen antioxidative Substanzen schlucken. Überblicksartikel zeigen, dass Krebs insgesamt durch Ergänzungsmittel nicht seltener wird, im Gegenteil. "Vermutlich fördern diese Präparate die Ausbreitung der Krankheit, indem sie die Bildung von Metastasen anregen", schreiben die Autoren der aktuellen Studie.

Es könnte erhebliche Auswirkung auf die Gesundheit von bis zu 160 Millionen Menschen haben

Im Jahr 2007 hatte eine große Meta-Analyse für Aufsehen gesorgt, weil die Autoren zeigten, dass die regelmäßige Einnahme von antioxidativen Vitaminpräparaten das Leben verkürzt. "Wenn man bedenkt, dass zwischen zehn und 20 Prozent der Erwachsenen in Nordamerika und Europa Vitaminzusätze nehmen, hat das erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von 80 bis 160 Millionen Menschen", warnte seinerzeit der Erstautor Goran Bjelakovic. Die Untersuchung war schwer zu widerlegen, denn die Forscher vom renommierten Cochrane-Zentrum in Kopenhagen hatten gründlich gearbeitet und Daten von mehr als 230 000 Probanden ausgewertet.

Weil mit den Präparaten weltweit Milliarden verdient werden und Vitaminen der Ruf vorauseilt, ein unbedenkliches Allheilmittel zu sein, gab es dennoch Proteste - und zwar nicht nur von industrienahen Wissenschaftlern, sondern auch von Laien, die ihr Weltbild in Gefahr sahen und ungern auf ihre Brausetabletten und Aufbauspritzen verzichten wollten. Inzwischen wurden die Befunde wiederholt bestätigt. 2013 zeigte eine große Auswertung für die US Preventive Services Task Force, eine Gruppe unabhängiger Vorsorgeexperten in Amerika, dass Präparate mit Vitaminen, Mineralien und Multivitaminen weder vor Herzkreislaufleiden wie Infarkt und Schlaganfall schützen noch vor Krebs.

Als natürlicher Bestandteil der Nahrung gelten Vitamine & Co. auch weiterhin als gesund. Offenbar ist jedoch das - von Forschern noch nicht ganz verstandene - Zusammenspiel in Apfel, Orange, Nüssen, Fisch oder Innereien nötig, um segensreich im Körper zu wirken. Die Antioxidantien der organisch gewachsenen Nahrung sind in der Lage, Defekte zu reparieren, die in der täglichen Routine des Stoffwechsels immer wieder entstehen und schädliche Abfallprodukte zu neutralisieren. Dies gelingt allerdings nur im Orchester mit den mindestens 1000 Substanzen, die allein in einem Apfel und anderen Nahrungsmitteln eben auch enthalten sind. Ohne diese Mitspieler, isoliert in Pulver- oder Tablettenform, helfen die Multivitamine und Nahrungsergänzungsmittel hingegen nicht, sondern schaden eher.

Die Hoffnung, Tumorleiden mit ausreichend Obst und Gemüse zu behandeln, hat sich zerschlagen

Frisches Obst und Gemüse, Pflanzenöle, Zimt, Granatapfel, aber auch Bier, Wein, Kakao und Gewürze wie Oregano oder Zimt enthalten besonders viele Antioxidantien und sind Bestandteil einer gesunden Ernährung. Hier ist besonders der Nutzen für Herz und Kreislauf erwiesen. Vor Krebs schützen diese Lebensmittel allerdings auch nicht. Die vor einigen Jahren mit viel Werbeaufwand proklamierten Wirkungen der Fünf-am-Tag-Kampagne mussten zurückgenommen werden, denn der erhoffte Effekt, wonach bis zu ein Drittel der Tumorleiden mit ausreichend Obst und Gemüse auf dem Speiseplan verhindert werden könnten, erwies sich als Wunschdenken und ließ sich nicht belegen.

Die scharfe Unterscheidung zwischen künstlichen Vitaminpräparaten, wozu auch als naturidentisch angepriesene Produkte gehören, und natürlichen Lebensmitteln ist mittlerweile so evident und wissenschaftlich unterfüttert, dass Forscher wie Sean Morrison sogar eine gänzliche Umkehr der Vitamin-Saga für diskutabel halten: "Inzwischen müsste klar sein, dass Krebskranke ihre Ernährung nicht mit Vitaminpräparaten und anderen Ergänzungsmitteln anreichern sollten", so der Wissenschaftler. "Vielleicht sollten wir die Möglichkeit in Erwägung ziehen, Tumore sogar mit Pro-Oxidantien zu behandeln."

(SZ, 15.10.15, Werner Bartens)

 

 

Wenn Vitamine & Co mehr schaden als nützen

Vitamine sind gut, davon kann man nicht genug haben - so die vorherrschende Meinung. Aber im Gegenteil: Es mehren sich in letzter Zeit Studien, die zeigen, dass Antioxidantien das Tumorwachstum sogar fördern können.

Heidelbeeren, Brombeeren oder Cranberries – diese und viele weitere Lebensmittel gelten als besonders gesund. Grund ist ein hoher Anteil von Antioxidantien wie zum Beispiel Vitamin C und E, welche auch vor Krebserkrankungen schützen sollen. Täglich nehmen daher viele Menschen Vitaminpräparate und andere Antioxidantien zu sich – nach dem Motto: viel hilft viel. Positive Effekte einer hohen Dosis dieser Substanzen auf die Gesundheit konnten Wissenschaftler bislang aber nicht feststellen. Im Gegenteil: Forscher der Universität Göteburg im Fachblatt „Science Translational Medicine“ haben eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass im Tierversuch die Gabe von bestimmten Antioxidantien Hautkrebs nicht etwa hemmte, sondern die Tumore je nach Dosierung deutlich schneller wuchsen. Die Forscher fütterten Mäuse mit der Verbindung N-Acetylcystein (NAC). Anstatt einer Verbesserung durch die „gesunde“ Kost verschlimmerte sich der Zustand der Mäuse: Der Krebs breitete sich im ganzen Körper aus. Im Vergleich zu Mäusen ohne NAC-Gabe verdoppelte sich allein die Zahl der Lymphknoten-Metastasen. Der Test mit menschlichen Krebszellen in der Petrischale brachte ein ähnliches Ergebnis. Bereits Anfang 2014 war dasselbe Forscherteam bei Versuchen mit Mäusen, die an Lungenkrebsvorstufen litten, zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung lassen sich aber nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Welchen Einfluss Antioxidantien auf gesunde Menschen haben und ob sie das Krebsrisiko erhöhen, darüber können erst klinische Studien Auskunft geben. Dennoch: „Die Einnahme von Antioxidantien verbessert die Situation von Krebspatienten nicht. Unter bestimmten experimentellen Bedingungen können Antioxidantien Krebs sogar verschlimmern“, sagt Dr. Katrin Schröder, die eine Arbeitsgruppe zum Thema freie Radikale am Institut für Kardiovaskuläre Physiologie der Goethe-Universität Frankfurt leitet.

Dabei scheint der Grund, warum Antioxidantien als „Gesundheitshelfer“ gelten, einleuchtend: Sie neutralisieren die sogenannten freien Radikale - Atome und Moleküle, die sehr reaktionsfreudig sind und deshalb wichtige Grundbausteine unseres Organismus wie Proteine und Nukleinsäuren angreifen. Freie Radikale entstehen als Nebenprodukt im Stoffwechsel und sind in großen Mengen giftig für den Körper. Sie können zum Beispiel dadurch Alterungsprozesse beschleunigen. Weil Antioxidantien die aggressiven Radikale eliminieren, sind sie auch in manchen Kosmetika enthalten.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille: Denn freie Radikale sind genauso nützlich, da sie auch Bakterien und Viren sowie sich schnell teilende Tumorzellenangreifen angreifen und so für einen langsamen, kontrollierten Zelltod sorgen. „Antioxidantien verhindern dies, indem sie die Produkte der Radikale eliminieren. Zumindest im Experiment  kann dies dazu führen, dass Tumorzellen aktiviert werden, sich teilen und im Körper ausbreiten“, so Schröder.

Nobelpreisträger und Entdecker der DNS-Struktur, James Watson, hatte bereits vor über zwei Jahren Stellung zum Thema genommen. „Wenn wir herausfinden könnten, wie wir die Antioxidantien-Konzentration in Krebszellen reduzieren können, wären wir in der Lage, viele Formen von Krebs auch im späten Stadium zu behandeln, die jetzt noch unheilbar sind“, so Watson.

Jetzt aus Angst vor dem Krebs Vitamine zu meiden, wäre auch gefährlich. Denn wer etwa zu wenig Vitamin C zu sich nimmt, leidet schnell an Skorbut. Die Krankheit war früher unter Seeleuten gefürchtet, die Wochen auf See unterwegs waren und kein frisches Obst oder Gemüse bekamen. Wie immer in der Medizin kommt es auf die richtige Dosis an.

(WirtschaftWoche, 8.10.15, Eva Mühle)

 

 

Angeblich effektiver als Chemotherapie

Vermeintliche Wunderwaffe: Könnte eine Brokkoli-Pille gegen Krebs helfen?

Erst war es Ingwer, jetzt Kresse: Immer wieder kommt das Gerücht auf, dass pflanzliche Lebensmittel Krebszellen effektiver bekämpfen könnten als eine Chemotherapie. Allerdings sind solche Erfolgsmeldungen mit äußerster Vorsicht zu betrachten.

* Studien ergaben: Eine Substanz in bestimmten Gemüsesorten hemmt Tumorwachstum.

* In den allermeisten Fällen stammen solche Ergebnisse allerdings nicht aus Patienten-Studien.

* Laborversuche lassen sich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.

Das Gerücht, Gemüse wie Brokkoli, Kresse oder Ingwer könnten Krebs effektiv bekämpfen, hält sich hartnäckig. Immer wieder schreiben Medien über die vermeintlichen pflanzlichen Wunderwaffen gegen die bösartigen Tumorwucherungen. Aber was ist wirklich dran an den Gerüchten?

Bisher nicht viel, weiß Susanne Weg-Remers vom Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg: „Diese Aussagen finden sich immer wieder, aber sie stehen auf sehr wackligen Füßen.“

Die Gerüchte:

Erst kürzlich hatte eine Studie die Hoffnung geweckt, Ingwer könnte Krebszellen vernichten – und zwar besser als eine Chemotherapie.

Manche Medien griffen auch eine weitere neue Forschungsarbeit von der University of South Dakota auf. Sie besagt, dass Isothiocyanate gefährliche Tumorstammzellen bekämpfen könnten.

Isothiocyanate sind Inhaltsstoffe, die in kreuzblütigen Gemüsesorten wie Brokkoli, Weißkohl, Blumenkohl und Kresse vorkommen.

Diese Erkenntnis ist deshalb so spektakulär, weil sich aus den ruhenden Tumorstammzellen nach einer erfolgreichen Ersttherapie über kurz oder lang neues, bösartiges Gewebe bilden kann. An diese Zellen kommen selbst Chemo und Bestrahlungstherapie nur schwer heran.

Brustkrebs ist keine Todesursache mehr!

Wahr ist:

Tatsächlich ergeben verschiedene Studien, dass Isothiocyanate das Wachstum von Krebszellen hemmen können. So soll die Substanz Sulforaphan - ein Isothiocyanat, das in Kohlgemüse wie Brokkoli oder Blumenkohl vorkommt – die Tumorstammzellen töten.  

Allerdings sind solche Erfolgsmeldungen mit Vorsicht zu betrachten. Denn sie stammen in den allermeisten Fällen aus in vitro-Studien. Das heißt, die Forscher testen den Wirkstoff an Zellkulturen in Petrischalen im Labor und nicht am Patienten selbst.

Die Forschungsarbeiten befinden sich also noch in einem frühen Stadium und ihre Ergebnisse sind nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar.

„Bisher sind nur einige wenige Studien mit diesen Substanzen an Tieren und Menschen durchgeführt worden“, sagt Susanne Weg-Remers. Von Versuchen in der Petrischale bis zur Anwendung eines Arzneimittels mit diesem Wirkstoff am Menschen, ist es jedoch ein weiter Weg, der mit Stolpersteinen übersät ist. 

Deshalb ist eine Therapie noch weit entfernt:

So wissen die Forscher nach den Laborversuchen zum Beispiel noch nicht, ob sich durch ein solches Medikament gefährliche Nebenwirkungen für einen Krebspatienten ergeben könnten – oder, ob es im menschlichen Körper mit all seinen komplizierten Wechselwirkungen überhaupt anschlägt. 

Eine Therapie mit Isothioscyanaten in Form einer Brokkoli-Pille gegen Krebs ist daher noch weit entfernt. Auch sei die Studienlage noch nicht so weit, dass man sagen könnte, eine Ernährung mit viel Kresse, Ingwer und Kohl sei als Zusatztherapie zur Chemo sinnvoll, erklärt Weg-Remers.

In keinem Fall helfe eine Ernährungsumstellung jedoch effektiver als eine Chemotherapie, wie es bereits in den Medien angedeutet wurde.

Hier kann Gemüse wirklich helfen:

Um Krebs vorzubeugen, ist eine obst- und gemüsereiche Ernährung aber in jedem Fall sinnvoll. Denn dass die Ernährung für die Krebsentstehung von Bedeutung ist, ist unumstritten. Auf den Seiten des DKFZ heißt es: „ Rund ein Drittel aller Krebsneuerkrankungen könnte vermieden werden, wenn die Weltbevölkerung schlanker und aktiver wäre und sich gesund ernähren würde.

Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer und Nutrition) untersucht seit längerem den Einfluss der Ernährung auf die Krebsentstehung und andere chronische Krankheiten. Bisher sind Haupterkenntnisse aus der Studie:

– Ballaststoffe und Fisch reduzieren das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Umgekehrt können rotes Fleisch und Wurstprodukte das Risiko erhöhen.

– Obst und Gemüse beeinflussen allerdings nicht das Risiko für Brust- und Prostatakrebs.

– Die Kombination von vier positiv wirkenden Verhaltensweisen – Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung, moderater Alkoholkonsum und fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag – kann nach einer ersten Untersuchung das Leben um rund 14 Jahre verlängern.

(Focus online, 17.06.2015, Lisa Kleine)

 

 

Natürlich gegen Krebs:

Mit Pflanzen-Wirkstoffen lassen sich Tumore bekämpfen

Seit Jahrzehnten suchen Forscher in den Regenwäldern nach neuen Wirkstoffen gegen Krebsleiden. In Immergrün, Eibe und Glücksbaum wurden sie fündig. Weitere Arten gilt es zu erforschen.

Ob tropische Stachelannone, Goji-Beere (zu deutsch: Gemeiner Bocksdorn) oder Löwenzahnwurzel, japanischer Shiitake-Pilz, Cannabis oder Traubenkern - die Liste der angeblichen Heilmittel aus der Natur gegen Krebs ist lang. Das Internet ist voll von "Wunderfrüchten" und "-pflanzen", die bösartigem Zellwachstum mit natürlichen Substanzen zu Leibe rücken sollen. Und in Büchern erklären Wissenschaftler, welche Biowaffen aus der Küche das Tumorrisiko senken können: So sollen Tomate vor Prostatakrebs und Hering vor Brustkrebs schützen und Vollkornbrot Krebszellen abtöten.

Allen diesen Mitteln ist eines gemeinsam: Sie haben bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis über Verträglichkeit und Wirksamkeit erbracht und sind nicht als Arzneimittel anerkannt.

Trotzdem: Mit jeder Heilungsgeschichte eines Krebskranken durch spezielle Ernährung oder gar durch eine "Wunderfrucht" aus dem Regenwald wächst neue Hoffnung. Die hegen nicht nur Patienten. Auch die Krebsforschung hofft letztlich mit jedem neuen Wirkstoff, den Durchbruch zu schaffen.

Doch bis aus einer Substanz, die wie im Fall des aus dem australischen Blushwood Tree gewonnenen EBC-46, das bei Tierversuchen Erfolge erzielt hat, ein für Menschen zugelassenes Medikament wird, ist es ein langer Weg. Die klinische Arzneimittelprüfung, in der vier Studienphasen durchlaufen werden müssen, dauert neun Jahre.

Seit Jahrzehnten durchforsten Wissenschaftler die Vegetation des Regenwalds auf der Suche nach wirksamen Arzneistoffen. Denn tatsächlich können Inhaltsstoffe vieler tropischer Arten Bakterien vernichten oder das Wachstum von Krebszellen verhindern. Bereits in den 80er Jahren wurden in der Rosafarbenen Catharanthe auf Madagaskar Alkaloide entdeckt, die eine krebshemmende Wirkung entfalten. Pharmaunternehmen entwickelten sie zu einer Gruppe von Medikamenten weiter, die heute bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen in Kombination mit anderen Präparaten in der Chemotherapie zum Einsatz kommt.

Ähnlich verhält es sich mit Taxanen, die unter anderem zur Therapie von Eierstockkrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs, Prostatakrebs oder Magenkrebs zugelassen sind. "Der Prototyp, Paclitaxel, kommt in der Rinde der pazifischen Eibe natürlich vor", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, die Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. "Da der Bedarf aus dem natürlichen Vorkommen nicht gedeckt werden kann, wird Paclitaxel mittlerweile aus einem Naturstoff europäischer Eibenarten teilweise synthetisch hergestellt."

Amerikanische Forscher haben bereits im Jahr 1958 begonnen, rund 35 000 Pflanzenarten auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs zu untersuchen. Nach Jahrzehnten der Forschung und Hunderten Millionen Dollar war das Produkt Taxol 2002 das meistverkaufte Krebsmedikament weltweit.

Aus Rinde, Holz und Samen des chinesischen Straßenbaums, der auch Glücksbaum genannt wird, lässt sich die Substanz Camptothecin gewinnen, die die Grundlage für ein Medikament liefert, das beispielsweise zur Kombinationsbehandlung bei fortgeschrittenem Darmkrebs oder Lungenkrebs eingesetzt wird.

Nicht alles, was aus der Natur kommt, kann man als sanfte Medizin bezeichnen. Die Wirkung dieser aus dem madagassischen Immergrün, einem nordamerikanischen Nadelbaum und einem asiatischen Glücksbaum gewonnenen Medikamente ist - wie bei anderen Chemotherapeutika - nicht auf Krebszellen beschränkt. Auch andere, sich schnell teilende Zellen werden geschädigt. Daher ist auch bei aus der Natur abgeleiteten Präparaten eine Wirkung auf gesundes Gewebe nicht auszuschließen.

"Es mag durchaus sein, dass sich in der Schatzschatulle der Naturapotheke die eine oder andere Substanz befindet, die weiter entwickelt und eines Tages erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt wird", meint Weg-Remers. Die ersten Ergebnisse der australischen Forscher mit EBC-46 in Tierversuchen findet die Medizinerin jedenfalls "vielversprechend". Die Studienphase I, in der das Mittel in niedriger Dosierung erstmals an Patienten getestet werden soll, ist bereits in Planung. Es bleibt abzuwarten, wie sich die australische "Wunderfrucht" in den weiteren Studienphasen behauptet. Hoffnung besteht allemal.

Und für alle, die nicht so lange warten wollen, gilt: Eine gesunde Ernährung mit Lebensmitteln, denen eine krebshemmende Wirkung nachgesagt wird, schadet sicher nicht.

(Südwest Presse, 31.10.14, Christine Hofmann)

 

 

Ernährung: Die Scharlatanerie mit Krebsdiäten

Im Netz und in den Buchhandlungen wimmelt es von vermeintlich gesunden Diäten gegen Krebs: Wer auf Zucker verzichtet, hungert den Krebs aus. Antioxidantien besiegen Tumorzellen. Doch viele dieser Pseudoweisheiten sind gefährlich.

Die einen raten zum Fettverzicht, die anderen zu gutem Leinöl. Manche empfehlen, am besten nur Säfte oder Smoothies zu trinken. Einige predigen nahezu völligen Verzicht auf Eiweiß, andere schwören auf mehr Protein: Empfehlungen für die richtige Ernährung bei einer Krebserkrankung gibt es zuhauf.

Doch was ist dran an den sogenannten Krebsdiäten?

"Unstrittig ist, dass die Ernährung den Verlauf einer Tumorerkrankung beeinflussen kann", sagt Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der TU München und Leiter der Arbeitsgemeinschaft "Ernährung und Krebs" des Tumorzentrums München. "Versprechen, dass sich Krebs mit der 'richtigen Ernährung' heilen lasse, sind dagegen hochgradig unseriös."

Zwar lasse sich die Rückfallquote durch eine Umstellung der Ernährung wahrscheinlich etwas verringern, sagt der Ernährungsmedizinier. "Aber eine allgemein gültige Krebsdiät gibt es nicht." Denn während mancher Tumorpatient abmagert, kämpfen andere mit einer ungewollten Gewichtszunahme. Nötig sei deshalb vielmehr eine individuelle Ernährungsberatung, die auf den Einzelfall abgestimmt ist. "Es geht darum, den Körper mit allen nötigen Nährstoffen gut zu versorgen, um eine gute Lebensqualität zu erhalten", so Hauner.

Mangelernährung als Folge von Krebs

Bereits 2006 hatten Forscher die Ernährungssituation von deutschen Klinikpatienten untersucht. Das Ergebnis: Mehr als jeder vierte Patient wies eine Mangelernährung auf.

Bei älteren Patienten waren es sogar mehr als 40 Prozent. Besonders gefürchtet ist eine sogenannte Tumorkachexie, eine schwere Begleiterscheinung, von der etwa 50 Prozent aller Krebspatienten betroffen sind. Dabei führt eine Melange aus Appetitlosigkeit und einer Stoffwechselstörung zu einem deutlichen Verlust von Muskelmasse, Entzündungen und einer Schädigung des Immunsystems. Nach der Blutvergiftung ist die Tumorkachexie die häufigste Todesursache bei Krebserkrankungen.

"Wichtig ist es, frühzeitig mit einer hochkalorischen Kost gegenzusteuern", sagt Hauner. "Nur so lässt sich der massive körperliche Verfall stoppen und die damit verbundene Anfälligkeit für Infektionen vermeiden".

Manche bekannte Krebsdiäten fordern genau das Gegenteil, wie etwa die Fastenkur des österreichischen Elektromonteurs und Heilpraktikers Rudolf Breuß, der zu Lebzeiten davon überzeugt war, dass Krebs "nur von festen Speisen lebt, die der Mensch zu sich nimmt". Deshalb empfahl er 42 Tage nur Tee und Gemüsesaft.

Hauner hält diese Empfehlung für unverantwortlich. Ähnlich sieht das eine Analyse von deutschen Krebsexperten: Sie nennen die Breuß-Diät eine "hochgradige Mangelernährung". Es bestehe die "Gefahr der Verstärkung einer Tumorkachexie" - ein potenzielles Todesurteil.

Besonders populär ist derzeit die sogenannte Ketogene Diät. Diese fußt auf der Warburg-Hypothese, wonach Krebszellen einen eingeschränkten Stoffwechsel besitzen und besonders Glukose benötigen, um zu überleben, während normale Zellen problemlos Fette und sogenannte Ketone verstoffwechseln können. Daraus entstanden ist die Idee, Tumoren mithilfe einer kohlenhydratarmen Diät quasi auszuhungern.

Keine seriösen Studien

Ketogene Diäten sind bei einer Reihe von Stoffwechselerkrankungen oder auch bei Epilepsie durchaus sinnvoll. Doch es gibt bisher keine seriöse Studie, die einen positiven Einfluss auf Tumorerkrankungen wissenschaftlich untermauern kann. Im Gegenteil: Es gibt sogar zumindest Hinweise aus Tierexperimenten darauf, dass der Verzicht auf Kohlenhydrate kontraproduktiv sein könnte.

"Zwar führt die kohlenhydratarme Kost bei Tumor-Mäusen zunächst zu einer Wachstumsverzögerung der Zellen", sagt Hauner. "Aber danach wurde teilweise ein beschleunigtes Wachstum beobachtet." Als Ursache wird eine Resistenzbildung vermutet: "Eine Kohlenhydratrestriktion könnte die Krebszellen unter einen hohen Selektionsdruck setzen, der das Überleben von Tumorstammzellen möglicherweise fördert", so Hauner.

Doch das ficht manchen selbst ernannten Tumorspezialisten nicht an. So griff etwa ein Bestsellerautor die Idee vom Kohlenhydratverzicht als "Anti-Krebs-Ernährung" auf. Ganz nebenbei werden noch die passenden Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Gerade die Verquickung von diätetischen Ratschlägen mit dem Verkauf solcher Produkte findet Hauner deshalb hochproblematisch: "Das grenzt an Betrug." Im besten Fall brächten die Diäten nichts, mit Pech werde es gefährlich. Und das nicht nur wegen der Mangelernährung. Zum Beispiel wisse man heutzutage, dass Antioxidantien, die gern als effektive Waffe gegen Krebs gepriesen werden, in hohen Dosen "keinen Nutzen bei Menschen mit Krebserkrankungen haben und teilweise sogar krebsfördernd wirken könnten".

Wer seriösen Rat wolle, sollte sich an eines der offiziellen Tumorzentren wenden, um individuelle Ernährungsratschläge einzuholen, rät Hauner. Ansprechpartner findet man etwa beim DKFZ in Heidelberg oder auf der Homepage der LMU in München. Zwar könne keine Diät der Welt eine Krebserkrankung nachweislich heilen. Aber der Gesamtzustand und die Lebensqualität des Patienten ließen sich deutlich verbessern.

(Spiegel.online, 20.3.15, Ansgar Mertin)

 

 

Alternativmedizin, nachsitzen!

Weltweit wächst das Interesse der Patienten für alternative und ergänzende Verfahren zur sogenannten Schulmedizin. Insbesondere im onkologischen Sektor erfreuen sich alternative Methoden großer Beliebtheit. Allerdings birgt das Begehren auch beträchtliche Risiken.

Nach der oralen Verabreichung eines Amygdalin-Präparats endete der alternative Ansatz bei einem vierjährigen Jungen jäh mit einer Blausäure-Vergiftung. Die Gabe des Antidots Natriumthiosulfat führte rasch zu einer Besserung, sodass der Junge nach zweitägiger stationärer Behandlung wieder entlassen werden konnte. Nach mehrfachen Rezidiven eines anaplastischen Ependymoms (WHO Grad III) war das erkrankte Kind in der palliativen Situation mit Amygdalin behandelt worden. Amygdalin ist ein toxischer Inhaltsstoff zahlreicher Kerne von Steinfrüchten und wird unter dem irreführenden Namen „Vitamin B17“ angeboten – es handelt sich bei Amygdalin nämlich keineswegs um eine lebenswichtige Substanz. Unter enzymatischer Spaltung durch Bakterien im GI-Trakt wird lebensgefährlicher Cyanwasserstoff freigesetzt.

Anlässlich dieses Vorfalls wies die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) kürzlich auf die Gefahr einer Cyanid-Intoxikation nach oraler Amygdalin-Behandlung hin. Nach der Auffassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) müsse die Wirksamkeit von Amygdalin in der Krebstherapie als widerlegt gelten, da keine Untersuchung nach den Qualitätsstandards der evidenzbasierten Medizin einen Nutzen nachweisen konnte. In Anbetracht der erheblichen Toxizität stuft das BfArM Amygdalin stattdessen als bedenkliches Arzneimittel ein und erklärt die Abgabe unabhängig von einer ärztlichen Verordnung für unzulässig.

Shooting Star Alternativmedizin

Die Begrifflichkeiten zur Komplementär- und Alternativmedizin sind weiterhin uneinheitlich definiert – im englischsprachigen Raum haben sie immerhin die Abkürzung CAM (Complementary and Alternative Medicine) für sich beanspruchen können. Ihre Inhalte erfreuen sich jedoch trotz spärlicher Studienlage wachsender Beliebtheit. Disziplinen wie die sogenannte Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ayurveda oder die Homöopathie stellen längst keine Randerscheinung mehr dar, sondern sind in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit getreten.

In Europa befasst sich längst jeder zweite Bürger mit alternativmedizinischen Angeboten. Nach Angaben des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sind die Deutschen bei der Inanspruchnahme sogar der europäische Spitzenreiter. „Die Bürger sind der Motor für CAM. Ihre Bedürfnisse und Meinungen sind die Schlüsselpriorität“, hob Wolfgang Weidenhammer hervor, Projektkoordinator des EU-Projekts „Roadmap for European CAM research“ (CAMbrella).

Die zunehmende Popularität alternativer und komplementärer Methoden beschäftigt Fachgesellschaften und ärztliche Gremien weltweit. In einer unlängst auf der Jahrestagung der Clinical Oncology Society of Australia (COSA) präsentierten Erhebung des Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne warnen die Wissenschaftler vor dem unkritischen Gebrauch komplementärmedizinischer Mittel in der Krebstherapie. Die Projektleiterin und Pharmazeutin Sally Brooks erläuterte, dass diese Produkte mit konventionellen Medikamenten interferieren würden. Auf diese Weise könne beispielsweise eine Chemotherapie in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt oder in ihrer Toxizität gesteigert werden.

Das beste beider Welten

Das Risiko alternativmedizinischer Maßnahmen bestehe jedoch vor allem in der unzureichenden Kommunikation und Kooperation der verschiedenen Akteure. Bedauerlicherweise sprächen Patienten zu selten mit ihren Ärzten darüber und die behandelnden Ärzte fragten häufig nicht, sagt Dr. Ken Harvey von der Monash University in Melbourne. Laut einer Erhebung der Berliner Charité sind sich 57,9 % der Anwender komplementärmedizinischer Mittel nicht der Wechselwirkungen mit konventionellen Medikamenten bewusst: „Unsere Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie dringend der Schulterschluss zwischen konventioneller und komplementärer Medizin erfolgen muss“, mahnt Michael Teut von der Charité.

Zu diesem Zweck hat eine Arbeitsgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) das Programm „Komplementärmedizin für Krebspatienten“ ins Leben gerufen, an dem sich auch die Techniker Krankenkasse (TK) beteiligt. „Heilversprechen, die wahre Wunder in Aussicht stellen, gibt es in der begleitenden Krebstherapie viele. Leider kann man nur den wenigsten davon tatsächlich Glauben schenken“, bedauert die Onkologin Jutta Hübner von der Arbeitsgruppe der DKG.

Das neu geschaffene Angebot beinhaltet umfassende Informationen für Patienten und Ärzte gleichermaßen und ist bemüht, das Dickicht alternativmedizinischer Verheißungen in der Krebstherapie zu lichten. Im Zentrum stehen dabei detaillierte Informationen zu zahlreichen Vitaminen, Mineralstoffen, Enzymen und Heilpflanzen. Darüber hinaus bietet das Programm ausführliche Hinweise zur Anwendung naturheilkundlicher Maßnahmen bei den häufigsten Beschwerden im Rahmen der Krebstherapie: „Wir wollen den Betroffenen das Rüstzeug für ihre persönliche Entscheidung an die Hand geben. Sie sollen selbst fundiert entscheiden können, auf welche komplementärmedizinischen Maßnahmen sie setzen möchten – und worauf sie tatsächlich besser verzichten“, resümiert Jutta Hübner.

Evidenz umständehalber gesucht

Obwohl es bisher nur wenige wissenschaftlich valide Studien in diesem Bereich gibt, sind sich diese doch zumindest in einem Punkt einig: Alternative Therapien sollten in der Onkologie nicht anstelle konventioneller Behandlungen angewendet werden. In einer Untersuchung mit an Brustkrebs erkrankten Frauen ließ sich im Vergleich zur Standardtherapie unter alternativmedizinischer Behandlung ein signifikanter Anstieg des Rezidiv-Risikos sowie der Mortalität beobachten. Eine klinisch signifikante Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ergab sich in einer prospektiven Studie von Yun et al. an terminal erkrankten Krebspatienten, die der Alternativmedizin den Vorzug vor der konventionellen Behandlung gaben. Der massenhafte Gebrauch komplementärer und alternativer Medizin stehe daher in keinem Verhältnis zur äußerst limitierten Evidenz der Wirksamkeit, beklagt Brooks.

Allerdings zeichnete sich in manchen Studien zumindest in Ergänzung zur konventionellen Behandlung ein Nutzen der Alternativmedizin ab. In einer aktuellen Studie verglichen Yang et al. die Kombination aus dem Tyrosinkinase-Inhibitor Gefitinib und chinesischer Pflanzenheilkunde mit Gefitinib bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom. Dabei ließ sich eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien und des medianen Überlebens feststellen. Darüber hinaus geben andere Studien Hinweise auf einen Nutzen der Alternativmedizin bei der Behandlung von Tumorschmerzen und Nebenwirkungen wie Schlafstörungen und Müdigkeit oder Flushing. Schwachpunkte vieler Studien sind die zu geringen Gruppengrößen und Beobachtungszeiträume. Die wissenschaftliche Gemeinde fordert daher mehr randomisierte, kontrollierte Studien in diesem Bereich.

Auftrag an die Forschung

Vor dem Hintergrund des augenscheinlichen Stellenwerts komplementär- und alternativmedizinischer Leistungen und der unzureichenden Datenlage sieht sich die Forschung in diesem Bereich immer mehr in der Verantwortung: „Es ist wichtig, gerade in diesem Therapiebereich die Forschungsanstrengungen zu intensivieren“, fordert Norbert Gerbsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BPI. Dass die Forschung in diesem Bereich stark vernachlässigt wurde, hänge maßgeblich damit zusammen, dass sie an den Hochschulen kaum verankert sei. „Wir brauchen daher auch in Deutschland […] eine Forschungsförderung, die dem Stellenwert der Alternativmedizin gerecht wird“, fordert Gerbsch.

(DocCheck News, 26.1.15, Christopher Dietrich)

  

 

Gefährliches "Wundermittel" gegen Krebs

Bittere Aprikosenkerne werden als natürliches Mittel gegen Krebs angeboten. Doch die scheinbar harmlosen Kerne können zu tödlichen Vergiftungen führen.

"Vitamin B17" soll angeblich Tumore abtöten

Entsprechend groß ist das Angebot an bitteren Aprikosenkernen im Internet, auch in Reformhäusern sind die Kerne erhältlich, manchmal nur "unter der Ladentheke" oder auf Bestellung. Der Preis liegt bei rund zehn Euro pro Kilogramm, in Bio-Qualität sind es ein paar Euro mehr. Einige Hersteller werben mit Versprechen wie "natürlich", "gesund" und "biologisch". Und immer wieder ist die Rede von "Vitamin B17" - angeblich ein Wirkstoff, der Krebsgeschwüre im Körper abtötet.

US-Studien: Keine Wirkung gegen Krebs

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, dass Erwachsene höchstens zwei bittere Aprikosenkerne am Tag essen sollten.

Wissenschaftler wie der Krebsmediziner Professor Matthias Freund beschäftigen sich schon seit Langem mit der Wirksamkeit sogenannter alternativer Krebstherapien. Das angebliche "Vitamin B17" aus bitteren Aprikosenkernen wurde bereits in den 70er-Jahren als Wundermittel gegen Krebs angepriesen - zu Unrecht. "Studien aus den USA belegen, dass 'Vitamin B17' wirkungslos ist", sagt Professor Freund. Außerdem sei der Begriff "Vitamin" irreführend: "Der Körper braucht diesen Stoff nicht zum Leben, wie es bei echten Vitaminen der Fall ist."

Lebensgefahr: Vergiftung durch Blausäure möglich

Bittere Aprikosenkerne sind nicht nur wirkungslos gegen Krebserkrankungen, sie können nach Ansicht des Göttinger Toxikologen Dr. Martin Ebbecke sogar zu Vergiftungen führen. Der Bitterstoff Amygdalin aus den Kernen werde im Körper zu Blausäure umgewandelt - ein Gift, das die Aufnahme von Sauerstoff in den Zellen verhindert. "Dadurch ersticken die Zellen, was schließlich sogar zum Tode führen kann", sagt Ebbecke. Erste Symptome seien Übelkeit, Kopfschmerzen und Lähmungen.

Warnhinweise: Hersteller empfiehlt gefährliche Dosis

Gift ist immer eine Frage der Dosis. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, dass Erwachsene höchstens zwei bittere Aprikosenkerne am Tag essen sollten und fordert Warnhinweise auf den Verpackungen. Doch nicht alle Hersteller halten sich daran. In einer Stichprobe von Markt fehlten auf einigen Verpackungen Warnhinweise wie "enthält Blausäure" oder "von Kindern fernhalten". Auch die empfohlene Höchstdosis wurde zum Teil falsch angegeben, in einem Fall mit bis zu acht Kernen pro Tag - nach Ansicht des Toxikologen Ebbecke eine fahrlässig hohe Empfehlung.

Ministerium: Kein Verkaufsverbot für Kerne

Nur einer der Hersteller nimmt zu den Vorwürfen Stellung und schreibt: "Unsere Kunden können immer selbst entscheiden, welche Menge sie zu sich nehmen." Und: "Einige unserer Stammkunden essen bis zu 60 Kerne am Tag, und es ist bis dato nichts passiert." Ob das stimmt? Experten sind skeptisch.

Um Verbraucher zu schützen, könnte die Bundesregierung strengere Vorschriften beschließen oder den Verkauf der Kerne verbieten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sagt, man habe die Angelegenheit geprüft, aber "eine entsprechende Kennzeichnungspflicht als nicht erforderlich angesehen." Für die Hersteller und Händler bitterer Aprikosenkernen ist das eine gute Nachricht: Sie können mit den gefährlichen Kernen weiterhin Geschäfte auf Kosten von Krebspatienten machen.

Ergänzung: Vergiftungsfälle und medizinische Wirksamkeit (Stand: 9. August 2014)

Die Giftnotrufzentralen in Berlin, Göttingen, Erfurt, Freiburg und München haben seit 2006 insgesamt rund 200 Vergiftungsfälle durch den Verzehr bitterer Aprikosenkerne registriert. Keine Auskunft gaben die Giftnotrufzentralen Homburg/Saar, Nürnberg, Mainz und Bonn. Dass einige Menschen auch beim Verzehr größerer Mengen bitterer Aprikosenkerne keine Vergiftungserscheinungen zeigen, erklären Toxikologen so: Wird die Menge der verzehrten Aprikosenkerne stetig gesteigert, gewöhnt sich der Körper daran und kann ein Gegengift zur Blausäure produzieren. Vor der Behandlung mit bitteren Aprikosenkernen und dem darin enthaltenen Wirkstoff Amygdalin warnen nach Recherchen von Markt unter anderem auch das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg und mehrere Selbsthilfegruppen für Krebskranke.

(Autor/in: Thomas Roß, NDR, Markt im Dritten, 9.8.2014)

 

 

Warnung vor vermeintlichem Wundermittel gegen Krebs:

„Miracle Mineral Supplement“ (MMS)

Die Substanz wird derzeit verstärkt über Spam-E-Mail, unsichere Internet-Quellen und über Ebay angeboten. Landesdirektion Sachsen und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) raten von der Anwendung von MMS dringend ab.

Aus aktuellem Anlass warnt die Landesdirektion Sachsen Patientinnen und Patienten vor der Anwendung von Natriumchlorit als Arzneimittel. Diese Substanz wird derzeit verstärkt über Spam-E-Mail, unsichere Internet-Quellen und über Ebay unter dem Namen „Miracle Mineral Supplement“ (MMS) gemeinsam mit einer verdünnten Säure, teilweise auch mit dem Zusatz „Jim Humble“, als Chemikalie offiziell zu technischen Zwecken angeboten.

Es wird jedoch zunehmend damit geworben, dass sie durch Einnahme oder anderweitig am Menschen angewendet Krebs, Malaria, chronische Infektionen, Autismus und weitere Krankheiten heilt. Für die angegebenen Heilversprechen gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte bereits Ende Mai in einer Warnmeldung darauf hingewiesen, dass diese und vergleichbare Produkte mit Natriumchlorit als arzneilich wirksamen Bestandteil in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen sind. Produkte werden nur dann als Arzneimittel zugelassen, wenn durch ein behördliches Zulassungsverfahren ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis bestätigt wird.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von der Anwendung von MMS dringend ab.

Die Anwendung kann erhebliche Gesundheitsgefahren hervorrufen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis hin zu Nierenversagen und schweren Darmschädigungen. Nach Aufnahme der Chemikalien in den Körper entsteht das Reaktionsprodukt Chlordioxid, das auf Haut und Schleimhäuten je nach Konzentration reizend bis ätzend wirkt.

Die Landesdirektion Sachsen – als die für die Überwachung des Verkehrs mit Arzneimitteln zuständige Behörde in Sachsen – weist darauf hin, dass Händler oder andere Personen, die MMS-Produkte anbieten oder ihre Produkte mit dem Hinweis auf die MMS-Behandlung bewerben, mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Das Gleiche gilt für Heilpraktiker, Ärzte oder andere Personen, die diese Behandlung anbieten oder durchführen. Die Landesdirektion Sachsen hat bereits Untersagungsverfügungen hinsichtlich des Inverkehrbringens von nicht zugelassenen Arzneimitteln bzw. bedenklichen Arzneimitteln erlassen sowie Strafanzeigen gestellt.

(Quelle: Landesdirektion Sachsen, Dresden Fernsehen, 14. August 2014)

 

 

 

Geplante MMS-Messe: Der Wundermittel-Wahn erreicht Kassel

Das vermeintliche Wundermittel MMS soll gegen Aids, Krebs, Herpes und Demenz helfen. Gesundheitsbehörden weltweit warnen vor der ätzenden Chemikalie - nur Deutschland schafft es nicht, zu handeln.

Hamburg - Seit Monaten wird ein vermeintliches Wundermittel über das Internet intensiv beworben und über dubiose Online-Shops verkauft: "Miracle Mineral Supplement", kurz MMS, soll gegen allerhand Leiden gleichzeitig helfen - Krebs, MS, Autismus, Alzheimer.

Doch die "Wunder-Mineralienergänzung" ist gefährlich. Verkauft wird es oft als Set, bestehend aus Natriumchlorit (nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid, also Kochsalz) und einer Zitronensäure-Lösung als "Aktivator". Wird beides vermischt, entsteht Chlordioxid, das auch zum Bleichen von Textilien eingesetzt wird. MMS ist kein Arzneimittel, es gibt keine Zulassungsstudien, die die Sicherheit und Wirkung attestiert hätten. Bekannt ist allerdings, dass MMS auf Haut und Schleimhaut reizend bis ätzend wirkt.

Trotzdem geht das Geschäft mit dem Mittelchen stetig weiter - weil es hierzulande keine Bundesbehörde gibt, die in solchen Fällen die Kontrolle und Überwachung übernimmt. Eltern autistischer Kinder werden in Foren zur Therapie mit MMS gedrängt, der Internethandel floriert. Wer vor den Gefahren des Mittels warnt, wird als Lobbyist der Pharmaindustrie beschimpft. In Kassel soll nun erneut eine Messe rund um das angebliche Wundermittel stattfinden.

Behörden in Amerika, Kanada, Frankreich und Deutschland warnen schon lange vor MMS. Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz wurde von Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Blutdruckstörungen und sogar schweren Nierenfunktionsstörungen nach der Einnahme berichtet. Auch andere deutsche Stellen warnen vor dem Mittel, zum Beispiel:

* das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Bundesinstitut für Risikobewertung als oberste Bundesinstitute,

* das Regierungspräsidium Darmstadt,

* die Landesdirektion Sachsen,

* das Landesamt für Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern,

* das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)und

* die Giftnotrufe Erfurt und Nord.

Derzeit ermitteln Staatsanwälte in München, Traunstein, Koblenz, Wuppertal und Hildesheim in Sachen MMS. In Hannover läuft ein Verfahren gegen einen Drahtzieher der "Spirit of Health"-Messe wegen unerlaubten Verkaufs des Mittels.

Gefährliches "Wundermittel" MMS

Ungeachtet der zahlreichen Warnungen will Kassel im April Gastgeber der nächsten MMS-Messe werden. Auf Anfrage flüchten sich die Veranstalter in Allgemeinplätze. Der "Kongress Palais Kassel" sei "ein kommunales Kongresszentrum und steht grundsätzlich allen interessierten Veranstaltern offen", erklärt eine Mitarbeiterin der Marketingabteilung. Man achte lediglich darauf, dass keine rechtswidrigen Handlungen stattfänden. "Darüber hinaus ist es uns nicht möglich, Veranstaltungen inhaltlich zu bewerten." Man gehe aber davon aus, dass sich Besucher im Vorfeld informieren würden, welche Informationen sie erwarten würden.

Gesundheitsexperten fordern schon länger, in Fällen wie MMS eine Art Taskforce zu gründen, die das Vorgehen der Gesundheitsbehörden für alle Bundesländer koordiniert - um dem Geschehen auf dem grauen Markt besser begegnen zu können. Doch das Gesundheitsministerium als Aufsichtsbehörde schiebt die Verantwortung von sich: "Die föderalen Abläufe sind für den Bund und die Länder gesetzlich festgelegt; eine 'Aussetzung' dieser Abläufe und Zuständigkeiten ist nicht möglich", erklärt das Ministerium auf Anfrage. Die Einstufung eines Stoffes als zulassungspflichtiges Arzneimittel und die Verfolgung etwaiger Straftaten seien Angelegenheiten der Bundesländer.

Was also tut sich in Hessen? Laut Esther Walter, Sprecherin des dortigen Sozialministeriums, habe das Regierungspräsidium Darmstadt das Kasseler Ordnungsamt bereits im Januar darauf hingewiesen, dass der MMS-Kongress "den Tatbestand der Anstiftung zur Körperverletzung erfüllen kann" - und gebeten, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Wird die MMS-Messe in Kassel nun also gestoppt, so wie es kürzlich in Australien geschehen ist? Ministeriumssprecherin Walter ist überfragt. Sie rät, das Ordnungsamt in Kassel zu fragen.

(Spiegel online, 16.1.15, Nicola Kuhrt)

 

 

Angebliches Wundermedikament MMS gegen Krebs und Aids nun verboten

Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat das vermeintliche Wundermedikament "Miracle Mineral Supplement", kurz MMS, nicht zugelassen. Die "Wunder-Mineralienergänzung" ist damit illegal und verboten, das Institut stufte das Mittel als bedenklich ein.
MMS besteht aus Natriumchlorit und einer Zitronensäure-Lösung, bei der Mischung entsteht ein giftiges Gas, das gegen schwere Krankheiten wie Krebs und Aids helfen soll.

(ShortNews, 26.2.15)

 

 

Arzneimittel Avastin

Illegale Krebs-Medikamente in NRW aufgetaucht

Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen sind erneut illegale Chargen des Medikaments Avastin entdeckt worden. Die Fläschchen mit dem Wirkstoff Bevacizumab seien aus Rumänien nach Deutschland gelangt, bestätigte eine Sprecherin des Landesgesundheitsministeriums.

Die Präparate seien fehlerhaft gekennzeichnet gewesen. Außerdem seien die Verpackungen fester zugeklebt gewesen, als es üblich ist. "Die zuständigen Behörden haben den Handel untersagt und verdächtige Arzneimittel gesperrt", sagte die Sprecherin des Landesgesundheitsministeriums.

Das Paul-Ehrlich-Institut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel hatte bereits im Juni vor illegalen Einfuhren des Medikaments aus Italien gewarnt. Der italienischen Arzneimittelbehörde AIFA zufolge sind bis heute rund 80 Präparate von den Diebstählen betroffen.

Bei dem Arzneimittel Avastin handelt es sich um ein vielfach einsetzbares Krebs-Medikament. Die illegalen Chargen sind nach bisherigem Ermittlungsstand in Rumänien gestohlen und anschließend nach Deutschland gebracht worden. Hierzulande fielen die verdächtigen Fläschchen der Firma CC Pharma auf. Das Unternehmen mit Sitz in der Eifel ist ein Arzneimittel-Importeur, der Medikamente aus dem EU-Ausland in Deutschland verkauft. Apotheken sind verpflichtet, ihre Bestände teilweise mit diesen "Parallelimporten" aufzufüllen.

"Wir brauchen eine transparente Lieferkette vom Hersteller über die Arzneimittelhändler bis in die Apotheke. Alle Handelswege müssen offengelegt werden", sagte Thomas Preis, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein. Die Parallelimporte stehen oft in der Kritik, weil sie dem organisierten Verbrechen eine Einfuhrmöglichkeit von illegalen Medikamenten bieten. "Ein wichtiger Schritt wäre die Streichung der Importquote in der Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung", sagte Preis. Die Umsatzgarantie für Importeure sei ohnehin anachronistisch und ohne pharmazeutischen Nutzen.

(Rheinische Post online, 14.10.2014; Quelle: jaco)

 

 

Kostenerstattung bei Komplementärtherapien

 „Die Behandlung von Krebs darf keine Kostenfrage sein. Dennoch fällt eine aktuelle Studie auf, die Aufwendungen für eine komplementärmedizinische Versorgung mit der einer konventionellen vergleicht“, sagt Prof. Dr. András Szász, Begründer der Oncothermie. Er bezieht sich auf die Untersuchung der University of Applied Sciences Leiden/Niederlande. Sie zeigt, dass komplementärmedizinische Versorgung nicht nur kostengünstiger sei, „sondern mindestens ebenso effektiv ist wie konventionelle Medizin.“ In diesem Zusammenhang weist Prof. Dr. András Szász darauf hin, dass die Erstattung der Kosten für alternative Behandlungsmethoden zwar immer wieder verweigert wird. Damit müsse sich ein Patient nicht in jedem Fall zufriedengeben. Es komme auf den Einzelfall an-. Oft finde sich in den Abrechnungen der Versicherer nur eine Kurzbegründung der Ablehnung. Sie bezieht sich meist auf gesetzliche Regelungen, die einer Leistungserstattung generell entgegenstehen. „Sie erwecken den falschen Eindruck, es gäbe einen abschließenden Leistungskatalog, der komplementärmedizinische Therapie grundsätzlich ausschließt. Ein solcher Katalog existiert nicht.“

Vielmehr sei individuell zu betrachten, ob eine Leistung oder ein Medikament medizinisch notwendig und erstattungsfähig sind. Szász nennt Entscheidungen der jüngeren Rechtsprechung, die etwa Hyperthermie-Behandlungen positiv beurteilen. So führte die Hannoveraner Kanzlei armedis ein Verfahren vor dem OLG Naumburg: Im Urteil vom 26. 6. 2014 (Aktenzeichen: 4 U 56/13) wird die Kostenerstattung einer loco-regionalen Hyperthermie-Behandlung bei Nierenzellkarzinom zumindest teilweise bejaht. Auch der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 26. 2. 2013 (AZ:1 BvR 2045/12) ist ein Indiz, dass die Übernahme der Kosten für Komplementärmedizinisch nicht pauschal abgelehnt werden kann. So hatte eine Krebs-Patientin die Krankenkasse aufgefordert, für eine kombinierte Immuntherapie (Hyperthermie, onkolytische Viren, dendritische Zellen) - nach Operation und Chemotherapie - zu zahlen. Das Landessozialgericht in Hessen lehnte ab. Die Patientin sei bereits konventionell nach allgemein anerkannten, medizinischen Standards entsprechenden Leitlinien behandelt worden. Das BVerfG hob das Urteil des LSG auf. In der Begründung heißt es, dass die dem medizinischen Standard entsprechende Behandlung zu vergleichen ist mit dem, was die alternative Behandlungsmethode leisten kann.

Diese Rechtsprechung geht u.a. zurück auf die allgemeine juristische Bewertung der Komplementärmedizin. So ist es nach dem Nikolaus-Urteil gemäß Art. 2 Abs. 1 GG (allgemeine Handlungsfreiheit) und dem „Sozialstaatsprinzip nicht vereinbar, den Einzelnen unter bestimmten Voraussetzungen einer Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung zu unterwerfen und für seine Beiträge die notwendige Krankheitsbehandlung gesetzlich zuzusagen, ihn andererseits aber, wenn er an einer lebensbedrohlichen oder sogar regelmäßig tödlichen Erkrankung leidet, für die schulmedizinische Behandlungsmethoden nicht vorliegen, von der Leistung einer bestimmten Behandlungsmethode auszuschließen und ihn auf eine Finanzierung … außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung zu verweisen“, so das Bundesverfassungsgericht. Dabei muss allerdings „die vom Versicherten gewählte Behandlungsmethode eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf versprechen.“ Gem. § 2 Abs. 1a SGB V haben diese Versicherte mit einer lebensbedrohlichen oder regelmäßig tödlichen Erkrankung, für die eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht (mehr) zur Verfügung steht, auch Anspruch auf Leistungen jenseits des „allgemein anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse“.

(Quelle: live-pr.com, 24.11.14, Oncotherm, 53842 Troisdorf, Janina Leckler)

 

 

Jessica Ainscough

"Wellness-Kämpferin" stirbt mit 30 Jahren an Krebs

Die beliebte australische Bloggerin Jessica Ainscough erfuhr mit 22, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Sie kämpfte gegen ihre Tumoren mit der alternativen Gerson-Therapie – und scheiterte.

Der als "Wellness-Kämpferin" bekannt gewordenen Jessica Ainscough folgten Tausende in den sozialen Medien. Im Alter von 22 Jahren wurde bei ihr eine seltene Krebsform diagnostiziert: Sie litt an Weichteilsarkomen, auch Epitheloidzellsarkome genannt. Die bösartigen Tumoren befanden sich in ihrem linken Arm, der Schulter und der Hand. Und sie würden sich weiterverbreiten, so die Diagnose.

Die Ärzte schlugen eine Chemotherapie vor, und tatsächlich schien diese zunächst auch Erfolg versprechend zu sein. Doch binnen eines Jahres kehrte der Krebs zurück. Der Befund der Ärzte lautete daraufhin: unheilbar krank.

Der jungen Frau wurde eine Amputation von Schulter und Arm angeraten, um zu überleben. Doch Ainscough, die sich rundum fit und vital fühlte, wollte sich nicht ihren Arm "abhacken" lassen. Und sie wollte den Ratschlag der Ärzte nicht als einzige mögliche Heilungsmethode akzeptieren.

"Ich heile mich jetzt auf natürliche Weise von Krebs"

"Ich heile mich jetzt auf natürliche Weise von Krebs", beschloss Jessica Ainscough eines Tages. Sie brach alle medizinischen Behandlungen ab und begann mit einer radikalen Entgiftungskur: der alternativen Gerson-Therapie. Mit der Diät stieß sie auf wenig Begeisterung bei ihren Ärzten, wie sie 2012 der Zeitung "The Australian" sagte. Die Mediziner erklärten ihr, dass die Entscheidung zur Alternativmethode ihr "Sargnagel" sein würde, dass sie an den Tumoren schließlich sterben werde.

Die Therapie nach dem deutschen Arzt Max Gerson ist umstritten. Sein Krebsbehandlungsplan, der für Patienten vor allem Nahrung ohne Fett, Salz und Fleisch vorsieht, ist nicht mit klinischen Studien belegt. Zwar habe er laut eigener Aussage Ende der 1920er-Jahre eine Krebspatientin erfolgreich mit seiner Rohkostmethode geheilt, doch gibt es bisher keine kontrollierten Studien über die Wirksamkeit der Ernährungstherapie.

Doch Ainscoughs Kampfgeist war geweckt. "Ich beschloss, dass ich alles in meiner Macht Stehende versuchen werde, um trotz des drohenden Verfallsdatums zu leben. Ich habe gelernt, mich mit absoluter Güte und Selbstachtung zu behandeln", schrieb Ainscough in ihrem Blog. "Systematisch entgiftete ich meinen Körper und Geist. Dabei entdeckte ich, dass Wellness kein Ziel ist, sondern eine liebevolle Beziehung zum eigenen Körper."

Der plötzliche Tod

Mehrere Kaffee-Einläufe und rund zehn frisch gepresste vegane Säfte täglich waren Bestandteil der radikalen Krebsdiät. In ihrem Blog hielt sie ihre Fortschritte und Misserfolge, Gedanken und Rezepte fest.

Ihre Methode schien zunächst auch zu wirken, der Krebs streute nicht mehr. Doch dann starb ihre Mutter 2013 an Brustkrebs. Auch sie hatte die Gerson-Therapie angewandt – erfolglos. "Nachdem meine Mutter Ende des letzten Jahres gestorben war, wurde mein Herz erschüttert und zersprang in Millionen Stücke", schrieb Ainscough. Der Zustand der jungen Frau verschlechterte sich zusehends. "Ich wusste nicht, wie ich ohne sie funktionieren sollte. Und mein Körper wusste es ebenfalls nicht." Zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Krebs habe sie sich richtig schlecht gefühlt.

Am 26. Februar 2015 starb Jessica Ainscough schließlich im Alter von 30 Jahren.

(Die Welt, 2.3.15, Caroline Stern)

 

 

 

Ärzte testen neue Methode  

Das krebskranke Mädchen Talia soll später einmal Kinder bekommen können

Die zweijährige Talia Pisano aus den USA hat Krebs und muss bestrahlt werden. Mit einem neuen Verfahren wollen Ärzte ihr die Chance geben, später trotzdem Kinder zu bekommen. (Quelle: Christian K. Lee/AP/dpa)

Wenn Kinder an Krebs erkranken und mit einer Strahlentherapie behandelt werden, sind sie danach meistens unfruchtbar. Jetzt gibt es Hoffnung, dass sie später doch noch Nachwuchs bekommen können. Mit einem neuen Verfahren wollen Ärzte aus den USA krebskranken Kindern die Fruchtbarkeit erhalten.

Talia Pisano ist nicht einmal zwei Jahre alt und muss sich schon einer Therapie wegen einer schweren Krebserkrankung unterziehen. Talia leidet an Nierenkrebs, der Hirnmetastasen gebildet hat. Deshalb ordneten die Ärzte eine Strahlentherapie an. Nach einer solchen Behandlung sind Patienten unfruchtbar. Um Talia die Chance zu geben, als Erwachsene Kinder zu bekommen, haben die Ärzte ein neues Verfahren angewendet. Sie haben dem Mädchen Eierstockgewebe entnommen. Es wird tiefgefroren und soll ihr später wieder eingepflanzt werden - in der Hoffnung, dann auch die Eizellenproduktion wieder in Gang setzen zu können. Dann wäre eine Schwangerschaft möglich.

Bisher jüngste Patientin hat heute ein Baby

Mit dem Verfahren betreten die Mediziner Neuland. Zwar ist die Entnahme und spätere Wiedereinpflanzung von Eierstockgewebe an sich nicht neu. Dutzende Male wurde sie erfolgreich durchgeführt - allerdings bei erwachsenen Frauen. Bei Kindern vor der Pubertät ist das Verfahren noch nicht angewendet worden.

Die bisher jüngste Patientin ist eine in Belgien behandelte Frau. Sie litt an einer Sichelzellenanämie und musste sich mit 13 Jahren einer Therapie unterziehen. Vorher wurde ihr Eierstockgewebe entnommen und tiefgefroren. Damals setzte bei ihr gerade die Pubertät ein. Zehn Jahre später wurden ihr Teile des Gewebes auf den verbliebenen Eierstock gepflanzt. Im vergangenen November brachte sie nach einer normalen Schwangerschaft einen gesunden Jungen zur Welt.

Talia jedoch ist von ihrer Pubertät weit entfernt, ebenso wie die anderen Mädchen und Jungen, denen Eierstock- beziehungsweise Hodengewebe entfernt wurde. Die Ärzte wissen noch nicht, ob es gelingt, ihre Fruchtbarkeit später wiederherzustellen. Sie wollen die Zeit, in der die Kinder heranwachsen, zur Forschung nutzen.

Für Talias Eltern war es trotzdem keine Frage, dass sie dem Eingriff zustimmten. Für die Ärzte ist es eine schwierige Balance, dieses Thema anzusprechen, während die Eltern mit der Krebserkrankung ihres Kindes und der entsprechenden Therapie konfrontiert sind. Zumal für den Erhalt der Fruchtbarkeit auch eine Operation erfordert. Damit die Belastung so gering wie möglich ist, entnehmen die Ärzte das Eierstock- beziehungsweise Hodengewebe, während das Kind ohnehin wegen einer Behandlung in Narkose liegt.

"Wir haben im Hinterkopf, dass das Bestreben der Eltern ebenso wie unseres darin liegt, das Leben des Kindes zu retten", sagt die Chirurgin Erin Rowell vom Lurie-Kinderkrankenhaus in Chicago, wo Talia behandelt wird. Viele Eltern schöpften aus dem Angebot, Eierstock- oder Hodengewebe ihres Kindes einzufrieren, auch Hoffnung. "Sie schließen daraus, dass wir glauben, ihr Kind wird lang genug leben, um eine eigene Familie gründen zu können".

Die Zukunft auf Eis gelegt

Aus Sicht von John Lantos, dem Zuständigen für bioethische Fragen am Mercy-Kinderkrankenhaus in Kansas City, stellt das Angebot der zukünftigen Fruchtbarkeitsbehandlung kein ethisches Problem dar, solange alle Seiten umfassend informiert wurden und zugestimmt haben. "Vermutlich schätzen die Kinder, wenn sie erwachsen sind, die Möglichkeit, dass ihre Fruchtbarkeit eventuell wiederhergestellt werden kann", sagt er.

Von dem entnommenen Gewebe wird ein Teil eingefroren zur späteren Verwendung, ein Teil wird in ein Labor an der Northwestern University in Chicago gebracht. Dort arbeiten Wissenschaftler an möglichen Verfahren, das Gewebe vorpubertärer Kinder für deren spätere Fertilität zu nutzen.

Vorreiterin auf diesem Gebiet ist Jill Ginsberg vom Kinderkrankenhaus in Philadelphia. Dort ist seit 2008 das Eierstockgewebe von etwa 40 Mädchen ab drei Jahren und älter sowie Hodengewebe von 50 Jungen, der jüngste gerade drei Monate alt, entnommen worden. Einige Kinder sind mittlerweile gestorben, die meisten aber warten darauf, dass ihnen die Ärzte später helfen können, Kinder zu bekommen. "Nur wenige Kinder sterben an Krebs", sagt Ginsberg. "Die Überlebensrate liegt bei 80 Prozent. So haben wir alle Chancen."

(t-online.de, 12.08.2015, Lindsey Tanner, AP)

 

 

 

Krebs-Heilmittel verkauft:

3,5 Jahre für Hersteller von "Ukrain"

Chemiker hatte seit Jahren abgelaufene Ampullen einfach umetikettiert – Urteil nicht rechtskräftig

Wien – Im Prozess um das angebliche Krebs-Heilmittel "Ukrain" ist am Montag das letzte Urteil gefällt worden. Ein Chemiker wurde wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges zu 3,5 Jahren unbedingter Haft verurteilt, weil er abgelaufene Ampullen verkaufte, nachdem er diese umetikettiert hatte. Das Urteil des Schöffengerichts (Vorsitz: Marion Hohenecker) ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte meldete Nichtigkeit und Berufung an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Bereits im März 2015 waren die Ex-Frau und langjährige Sekretärin des Chemikers der Beitragstäterschaft freigesprochen worden. Seit den 1990er-Jahren hatte der Mann über sein Einzelunternehmen mit Sitz in Wien-Wieden das angebliche "Wundermittel Ukrain" verkauft, das seiner Darstellung zufolge jede Art von Krebs heilen soll. Die Frage der Wirksamkeit des Präparats, an der es Zweifel gibt – der flüssige Extrakt aus Wurzeln des Schöllkrauts ist in Österreich nicht zugelassen und darf daher an sich nicht vertrieben werden -, stand dabei aber nicht im Vordergrund. Prozessgegenstand am Wiener Landesgericht war vielmehr der Umstand, dass der Chemiker nach der amtlichen Beschlagnahme seiner Bestände alte, teilweise seit Jahren abgelaufene Ampullen einfach umetikettiert und das Haltbarkeitsdatum auf 2015 bzw. 2016 erstreckt haben soll. Fälschung mit Geschirrspülmittel-Lösung Die Behörden hatten zuerst gar nicht mitbekommen, dass der Beschuldigte sein "Wundermittel" im großen Stil in alle Welt verkaufte. 2011 sei dann mehr oder weniger zufällig ein Paket abgefangen worden, worauf an der Betriebsstätte des Chemikers eine Hausdurchsuchung vorgenommen wurde. Sämtliche vorgefundenen frischen Ampullen wurden dabei aus dem Verkehr gezogen. Der Hersteller von "Ukrain" behalf sich damit, dass er alte Ampullen aus dem Lager holte, in eine Geschirrspülmittel-Lösung gab, somit die Etiketten entfernte und mit einer Etikettiermaschine neue auf die Ampullen drucken ließ, die nun ein deutlich in der Zukunft gelegenes Ablaufdatum aufwiesen. Als Hersteller sei der Angeklagte berechtigt gewesen, neue Etiketten anzubringen, da ihm als Chemiker klar war, dass das "Ukrain" nach wie vor wirksam war, hielt Verteidiger Adrian Hollaender zum Prozessauftakt fest. "Das sind alkaloide Salze. Und Salze verderben nicht." Zahlreiche Zeugen – darunter Krebspatienten und deren Angehörige – sahen das Mittel als letzte Hoffnung, sagten jedoch vor Gericht aus, dass sie es nicht genommen bzw. verabreicht hätten, wenn sie gewusst hätten, dass es abgelaufen sei. Erlös von 1,1 Millionen Euro Die Umetikettierung hat sich laut Zentraler Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität und Korruption (WKStA) gelohnt. Binnen zehn Monaten habe der Angeklagte 17.400 Ampullen mit einem gefälschten Ablaufdatum in Verkehr gesetzt, damit seine Kunden getäuscht und mit diesem Betrug einen Erlös von 1,1 Millionen Euro erzielt.

(derstandard.at, APA, 23.5.16)

 

Onkologisches Forum Celle e. V. | Telefon 05141-219 66 00 / E-Mail: info@onko-forum-celle.de